Trio des Jahres: Mittelstand als Rückgrat und Stabilisator der heimischen Wirtschaft

Toifl: Rahmenbedingungen für KMU verbessern - Leitl fordert Innovations- und Qualifikationsstrategie ein - Schüssel: Müssen uns Standortwettbewerb in Europa stellen

Wien (PWK734) - Ein klares Bekenntnis zum Mittelstand als
Rückgrat und Stabilisator der heimischen Wirtschaft legten gestern, Montag, Vertreter aus Wirtschaft und Politik im Rahmen der Preisverleihung an das "Trio des Jahres", der Auszeichnung des Wirtschaftsmagazines Trend, der WKÖ und der Bank Austria/Creditanstalt an die besten Betriebe aus Gewerbe, Handwerk und Dienstleistung, ab. "70.000 Betriebe mit mehr als 600.000 Mitarbeitern erwirtschaften mehr als ein Drittel des BIP. Wir leisten damit einen wesentlichen Beitrag zum Wohlstand des Landes und zum Gedeihen der Wirtschaft", unterstrich der Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ, Georg Toifl. Während die kleinen und mittleren Unternehmen durchschnittlich acht bis 13 Prozent zusätzliche Arbeitsplätze schaffen würden, betrage dieser Wert bei den Großunternehmen durchschnittlich lediglich 2,5 Prozent. Diese Zahl belege die Dynamik, die den Betriebe innewohne.

Toifl wies darauf hin, dass Österreich gemessen am BIP je Einwohner im OECD-Vergleich an siebenter Stelle liege und dass die heimischen Unternehmen das heimische Steueraufkommen zu 95 Prozent tragen. Um in Österreich in Zukunft als Unternehmer erfolgreich sein zu können, müssten die Rahmenbedingungen aber weiter verbessert werden.

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl regte in seiner Laudatio eine "IQ-Strategie" an": "Am Vorabend der EU-Erweiterung brauchen wir eine Strategie für Innovation und Qualifikation." Das bedeute einerseits an die Talente und Kreativen zu appellieren und positive Strategien aktiv anzusprechen. Andererseits müsse klar sein, dass Österreich einen Kostenwettbewerb mit seinen neuen EU-Nachbarn nicht gewinnen kann, sondern nur durch einen Qualitätswettbewerb punkten könne. Leitl wies darauf hin, dass sich Gewerbe und Handwerk in einer schwierigen Lage befinden, das dritte Jahr mit Stagnation Spuren hinterlassen habe. "Wir können nicht sagen, alles ist toll, denn die Fakten sprechen eine andere Sprache", so der WKÖ-Präsident. Positiv sei aber die Gründungstätigkeit im Gewerbe und die stetig wachsende Zahl der Meister, also jener, die sich durch ihre Leistung qualifizieren.

Seinen Dank richtete Leitl an Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, der sich für den Export eingesetzt habe. Gerade auch das Gewerbe solle in Zukunft seine Export-Chancen in den neuen EU-Nachbarländern wahrnehmen um die Lücken in den nicht ausgefüllten Auftragsbüchern zu füllen. Gleichzeitig sei auch die Erwartung da, dass die Bundesregierung die Wirtschaft unterstütze. Bisher seien positive Signale, wie das Konjunkturbelebungsprogramm, gesetzt worden. Erstmals habe auch das Steuerjahr nicht 13 sondern 12 Monate (Wegfall 13. Ust). Wichtig für die Betriebe wäre, angesichts der Unternehmenssteuern in den Nachbarländern, eine Senkung der Betriebssteuern in Österreich auf 25 Prozent. "Das ist ein entscheidender Punkt. Wir brauchen Signale, die die Stimmungslage verbessern", forderte Leitl.

"Raunzen verboten. Diese Veranstaltung steht für Optimismus, Aufbruch und Mut", betonte Wirtschaftsminister Bartenstein, der gleichzeitig einräumte, dass Optimismus schon leichter zu transportieren war. Die Nachrichten aus Deutschland zeigten, dass die "Lokomotive nicht anspringt". Trotzdem habe sich die österreichische Wirtschaft für ein schwieriges Umfeld gut entwickelt. Gerade der Mittelstand habe hierzu einiges beigetragen, weil dieser in Österreich noch ein Stück bedeutender sei als anderswo.

"Wir dürfen uns nicht rückwärts orientieren, sondern es besser machen und das Potential, das in Österreich schlummert, optimal nutzbar machen", betonte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Er sei in der Vergangenheit immer wieder als Drachentöter betitelt worden. Die eigentlichen Drachen dieser Zeit seien aber die aktuellen Probleme. Schüssel nannte die alternde Gesellschaft oder den Bürokratismus. Gerade von den kleinen Unternehmern könne man jedenfalls sehr viel lernen, weil diese, anders als die Großen keine eigenen Systeme errichtet hätten.

Als Aufgaben für die Zukunft nannte der Bundeskanzler das Pensionssicherungssystem, weil hier sehr hohe Aufwendungen bestünden und einen Abbau von Regulierungen. Österreich habe einen sehr hohen Regulierungsgrad für die Zulassung von Berufen. Man können nicht immer nur das Gewerbe auffordern zu deregulieren, sondern müsse sich auch andere Bereiche wie Ingenieure, Architekten oder Juristen ansehen. Zentral sei auch, dass sich Österreich dem Standortwettbewerb in Europa stelle. Angesichts der Unternehmenssteuern in den neuen EU-Nachbarländern von 19 Prozent "müssen wir einen klugen Mix aus attraktiven Standortbedingungen finden", unterstrich Schüssel. (us)

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