Medizinforschung 2: Unsichere Budgets beim Wissenschaftsfonds FWF

Summe der Anträge wächst schneller als die zur Verfügung stehenden Mittel - Nachwuchswissenschafter könnten sich aus Forschung zurückziehen

Wien (OTS) - Heuer können durch den Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) insgesamt 100 Millionen Euro für Forschungsprojekte bewilligt werden. Das sind um 8,5 Millionen Euro oder 9 Prozent mehr als im Vorjahr. Allerdings: Die künftigen Budgets sind immer noch unsicher. Und die Summe der Anträge wächst wesentlich schneller als die zur Verfügung stehenden Mittel.****

Der Bedarf steigt rasant: Heuer wurde um 20 Prozent mehr beim FWF beantragt als voriges Jahr. Deshalb können jetzt nur mehr knapp mehr als 30 Prozent der beantragten Mittel bewilligt werden, im Vorjahr waren es noch 40 Prozent. "Sollte dieser Trend anhalten, so fürchten wir eine Demotivation der Forscher, und hoffnungsvolle Nachwuchswissenschafter könnten sich aus der Forschung zurückziehen", kritisiert Wolfgang Radner, Universitätsreferent der Ärztekammer für Wien.

Grund zur Sorge hat man auch in Hinblick auf die Unabhängigkeit des Wissenschaftsfonds. Die Autonomie des FWF müsse gewahrt bleiben, Holding- oder GesmbH-Lösungen mit politischen Durchgriffsrechten seien vehement abzulehnen, betont Ärztekammerpräsident Walter Dorner. Forschung und Lehre müsse auf jeden Fall ohne politischen Lobbyismus erfolgen: "Nur so kann man gewährleisten, dass jedes Projekt, das Unterstützung benötigt, auch gefördert wird."

Langfristig betrachtet müsse die Finanzierung des FWF an den internationalen Standard herangeführt werden. Dorner: "Die Ärztekammer hat die Anliegen des FWF tatkräftig unterstützt, weil wir uns der Bedeutung biomedizinischer Grundlagenforschung für das Niveau der medizinischen Versorgung bewusst sind. Die Aufrufe der Verantwortlichen beim FWF und der Ärztekammer sowie die von der Ärztekammer unterstützte Unterschriftenaktion waren auch erfolgreich, die unmittelbaren Budgetlöcher konnten gestopft werden."

FWF im internationalen Vergleich unterfinanziert

Dorner: "Der FWF arbeitet sehr professionell, die Arbeit des Fonds braucht keinen internationalen Vergleich zu scheuen. Das einzige Problem ist, international gesehen, die finanzielle Situation mit anderen Einrichtungen dieser Art." Die 30 Milliarden US-Dollar im Budget des National Institut of Health (NIH) entsprächen unter Berücksichtigung der Bevölkerung 800 Millionen Euro für biomedizinische Forschung in Österreich. Tatsächlich werden aber in Österreich nur cirka 50 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Man kann das Globalbudget des FWF (in etwa 100 Millionen Euro) mit dem Budget des Schweizer Nationalfonds vergleichen (cirka 260 Millionen Euro). Es ist offensichtlich, dass der FWF unter Berücksichtigung der Unterschiede in der Einwohnerzahl mit cirka 300 Millionen Euro dotiert sein müsste, um einen Gleichstand mit der Schweiz zu erzielen. Ähnliche Rechnungen lassen sich auch mit den Forschungsbudgets von Deutschland, Großbritannien, Frankreich und den skandinavischen Länder, etc. anstellen.

Dorner: "Es ist erstaunlich, wie gut die Forschungsleistungen in Österreich sind, obwohl die Dotation des FWF so schlecht ist."

AKH: Kein Kapital für notwendige Reinvestitionen

Im Jahr 1990 wurden im AKH fast alle Forschungseinrichtungen mit modernsten Geräten ausgestattet. Jetzt, 13 Jahre später, müssten viele Geräte erneuert werden. Mit dem Budget der Universitäten werden zu 70 Prozent Personalkosten bezahlt. Weder für die notwendigen Reinvestitionen noch für Rücklagen ist entsprechendes Budget vorhanden.

Radner: "Aufgrund fehlender Investitionsmittel können den Studenten für ihre Dissertationen auch nicht die entsprechenden Forschungsgeräte angeboten werden. Es ist unmöglich, neue Geräte anzuschaffen. Und auch in der täglichen Routine wird gespart. Rationierungen und Kontingentierungen sind an der Tagesordnung."

Auch bei den Personalkosten wird gespart: Durch Kürzungen beim Personalbudget war die Fakultät in den vergangenen zwei Jahren gezwungen, die Aufnahme von weiterem Personal zu stoppen.

Dorner abschließend: "Lippenbekenntnisse der Bundesregierung wie `Wir müssen in Bildung investieren und die Forschung muss gefördert werden` müssen von den politischen Entscheidungsträgern eingefordert werden und dürfen nicht einfach so flott über die Lippen gleiten, ohne die entsprechende Handlungen zu setzen." (bb/hpp)

(Schluss)

Rückfragen & Kontakt:

Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: (++43-1) 51501/1223 od. 0664/1014222
Fax: (++43-1) 51501/1289
hpp@aekwien.or.at
http://www.aekwien.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAW0002