Medizinforschung: Experten warnen vor finanziellem Engpass

Universitätsbudget auf Stand des Jahres 2001 eingefroren - Ärztekammer fordert bessere Rahmenbedingungen

Wien (OTS) - Die Situation von Forschung und Lehre in Österreich ist äußerst besorgniserregend. Derzeit werden nur 1,96 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Vom angepeilten Ziel, bis 2006 2,5 Prozent zu erreichen, sei Österreich noch meilenweit entfernt, warnten Experten heute, Dienstag, bei einer Pressekonferenz der Ärztekammer in Wien.****

Das Universitätsbudget werde auf dem Stand des Jahres 2001 eingefroren. Diese Budgetknappheit habe bereits zu einem Aufnahmestopp am AKH geführt, betonte der Präsident der Ärztekammer für Wien, MR Dr. Walter Dorner. Die Diskrepanz zwischen politischen Ankündigungen und den tatsächlichen Taten drifte damit sehr weit auseinander. "Die Zukunft Österreichs hängt jedoch davon ab, wie viel heute in Forschung und Entwicklung investiert wird."

Die Forschung sei ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Österreich. "Wird zu wenig investiert, könnte dies fatale Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung in Österreich haben", so der Ärztechef. Die Regierung gebe nur Lippenbekenntnisse ab, aber man müsse auch aktiv etwas tun, um den Forschungsstandort Österreich zu erhalten.

In Österreich sind die Universitäten die einzigen Institutionen, die auf breiter Basis Grundlagenforschung durchführen können. Es werden auch hervorragende Leistungen in anderen Institutionen erbracht, diese sind jedoch nur punktuell. Dorner: "Ohne die Universitäten würde Österreichs Forschungslandschaft sehr karg aussehen. Deshalb muss man auch alle zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel investieren, um die Arbeit der Universitäten voranzutreiben und zu fördern."

Österreich in Forschungs-Ranking weit abgeschlagen

Wenn man die Anzahl von Zitaten in wissenschaftlichen Fachzeitschriften als einigermaßen objektive Möglichkeit zur Qualitätsbeurteilung von Wissenschaftern anerkennt, finden sich heimische Forscher im internationalen Vergleich weit abgeschlagen. In der Reihung nach Staaten belegt Österreich Platz 20. Überlegen an der Spitze liegen die USA mit 815 Spitzenforschern, gefolgt von Großbritannien mit 100 viel zitierten Wissenschaftern. Auf Rang drei findet sich Deutschland (62), gefolgt von Kanada (42) und Japan (34). Gleichauf mit Österreich mit je zwei Top-Forschern liegen Russland, Indien und Irland. Am untersten Ende des Rankings rangieren mit nur einem Spitzen-Wissenschafter Taiwan, Singapur, Portugal, Norwegen, Hongkong und Finnland (Daten: US-Fachmagazin "The Scientist").

Auch anhand zahlreicher anderer Indikatoren, wie beispielsweise die Anzahl der vergebenen Nobelpreise, lässt sich belegen, dass die besten Forschungsinstitutionen der Welt die amerikanischen Universitäten sind. Dazu der Universitätsreferent der Ärztekammer für Wien, Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Radner: "Das hat auch einen Grund: In den USA herrscht Wettbewerb um Geld für unabhängige Forschung, die besten Forscher und um die besten Studenten. Ein entscheidender Faktor ist auch die innovative Kraft, die von der Auseinandersetzung mit dem talentierten und ehrgeizigen wissenschaftlichen Nachwuchs ausgeht." Denn, so Radner weiter, "wissenschaftlicher Erfolg ist ein Hoffnungswert auf Basis freiwillig kreativer und motivierter Mitarbeitet und lässt sich nicht anordnen".

Allerdings: Der österreichische wissenschaftliche Nachwuchs bleibt oft nicht in Österreich, sondern forscht "im lukrativen Ausland" (Radner). Bildungsministerin Elisabeth Gehrer spricht trotz der schlechten Situation der heimischen Universitäten davon, 600 Forscher, die derzeit im Ausland tätig sind, nach Österreich zurückzuholen. Für viele österreichische Wissenschafter, die derzeit in den USA arbeiten, ist eine Rückkehr in ihre Heimat unter den derzeitigen Rahmenbedingungen jedoch undenkbar.

Der Tenor der Österreicher in wissenschaftlichen Positionen im Ausland ist eindeutig: Die Rahmenbedingungen sind beispielsweise in den USA viel besser als in Österreich, etwa beim Gehaltsschema oder bei der Freiheit, Forschungsthemen selbst zu wählen. Ein zusätzliches Argument, dass viele im Ausland tätige Wissenschafter anführen, ist, dass die Wissenschaft in Österreich politisch zu wenig im Mittelpunkt steht, so wie beispielsweise in den USA.

Ärztekammerpräsident Dorner: "Der Anreiz, nach Österreich zurückzukommen, scheitert an vielen Punkten. Die Rückkehr nach Österreich macht aus finanziellen Gründen wenig Sinn. Forscher am AKH verdienen beispielsweise nur 1200 Euro netto pro Monat. Das ist natürlich viel zu wenig, um einen Wissenschafter in einer guten Position nach Österreich zurückzuholen." Außerdem würden in Österreich immer mehr wissenschaftliche Institutionen wie beispielsweise der Wissenschaftsfonds FWF finanziell ausgehungert. Radner: "Dazu kommt, dass die Wissenschafter der Universitäten ihre notwendigen Dienstreisen und Kongressbesuche selbst bezahlen müssen. Selbst Computer müssen aus der eigenen Tasche bezahlt werden." (bb/hpp)

(Forts.)

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