F&E in Unternehmen darf nicht vom Akademikermangel beeinträchtigt werden

Landertshammer: Entwicklung zum Europäischen Hochschulraum ist "Gebot der Stunde" - WKÖ-Vorschläge zur Attraktivierung technisch-naturwissenschaftlicher Studien

Wien (PWK733) - "Wenn in nächster Zeit jährlich 800 Absolventen der Ingenieur- und Naturwissenschaften zuwenig die österreichischen Hochschulen verlassen, steht die Wirtschaft tatsächlich vor großen Herausforderungen" stellte Michael Landertshammer, Leiter der Abteilung für Bildungspolitik der Wirtschaftskammer Österreich, am Dienstag anlässlich der Präsentation einer auf Grundlage von Unternehmensbefragungen und Arbeitsmarktanalysen durchgeführten Studie zu Innovation und Hochschulbildung fest.

Mitarbeiter, die anspruchsvolle Forschungs- und Entwicklungsaufgaben wahrnehmen, kommen nämlich fast ausschließlich aus facheinschlägigen Studienrichtungen der Universitäten und Fachhochschulen. "Ein Diplomingenieur der Elektrotechnik kann im Betrieb in gewissem Umfang auch Aufgaben eines Absolventen des Maschinenbaus übernehmen, doch im Wesentlichen sind bei Forschung und Entwicklung die beruflichen Einsatzbereiche durch die absolvierte Studienrichtung vorgezeichnet. Eine Substitution durch Absolventen fachfremder Studien ist praktisch ausgeschlossen", so Landertshammer.

Besorgt zeigte sich Landertshammer im Hinblick auf die Realisierung zukünftiger Vorhaben, wie die von der Bundesregierung bis zum Jahr 2010 vorgesehene Anhebung der F&E-Quote auf 3 % des BIP. Er wies darauf hin, dass die Gesamtheit aller Inlandsausgaben für Forschung und Entwicklung zu mehr als 40 % aus dem heimischen Unternehmenssektor kommen. "Sobald es die Konjunktur zulässt, ist mit einer erhöhten Bereitschaft der Firmen zu Investitionen in Forschung und Entwicklung zu rechnen und es wäre tragisch, wenn diese durch einen Mangel an entsprechend qualifizierten Akademikern gebremst würde bzw. F&E Mittel ins Ausland fließen".

Landertshammers wies darauf hin, dass die Universitäten diese Herausforderung bei der internen Verteilung ihrer Mittel beachten und technisch-naturwissenschaftliche Studien attraktiver gestaltet werden müssten. Gleichzeitig versteht er jedoch, dass angesichts der aktuellen Budgetnöte der Universitäten zumindest die derzeitigen Möglichkeiten mehr als begrenzt sind. Auch im Fachhochschulwesen sieht er einen Handlungsbedarf, wenn er beim bm:bwk auf die Notwendigkeit eines neuen Entwicklungs- und Finanzierungsplans hinweist und beim Fachhochschulrat neue Impulse zu Gunsten technologieträchtiger Studienangebote vermisst. Zur Attraktivierung technisch-naturwissenschaftlicher Studien schlägt Landertshammer erleichterte Übergänge von facheinschlägigen Schulen zu den entsprechenden Studien, ein vermehrtes Angebot facheinschlägiger Bakkalaureats- und Magisterstudien sowie die Einrichtung von berufsbegleitenden post-gradualen Studienanbote vor.

"Unter den gegebenen Umständen ist die umfassende Beteiligung der österreichischen Hochschulen an der Entwicklung des Europäischen Hochschulraums ein Gebot der Stunde. Die verstärkte internationale Zusammenarbeit aller Hochschulen Europas im Sinne einer arbeitsteiligen Organisation in Forschung und Lehre bietet Chancen auf die Entwicklung von Synergien, die für alle Beteiligten -Forscher, Studierende, Wirtschaft und Gesellschaft - Vorteile bringt. Wenn es gelingt, Ressourcen für Forschung und Entwicklung europaweit zu bündeln, indem man die Leistungen des Forschungs- und Wissenschaftsbetriebs zwischen den beteiligten Hochschulen wechselseitig abstimmt, sind auf breiter Ebene - und selbstredend auch in der technologiebezogenen Forschung - Spitzenleistungen ‚Made in Europe‘ leichter zu erreichen", stellte der Bildungsexperte abschließend fest. (Ne)

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