OeNB-Vermögenssituation der Haushalte und Unternehmen Österreichs

~ Aktuelle Ergebnisse der Gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung der Oesterreichischen Nationalbank ~

Wien (OTS) - - Die österreichischen privaten Haushalte investierten im

ersten Halbjahr 2003 rd. 6,5 Mrd EUR in Finanzvermögen, um 0,8 Mrd EUR mehr als im ersten Halbjahr 2002. - Das Finanzvermögen der Privaten erreichte zum 30. Juni 2003 rd. 295 Mrd EUR (pro Kopf ca. 37.000 EUR) und sollte heuer noch die 300 Mrd EUR Grenze übersteigen. - Langfristige Finanzanlagen finden zunehmend unter dem Blickwinkel der privaten Pensionsvorsorge statt und erfolgen vor allem über Finanzinstitutionen außerhalb des Bankensektors. - Der Finanzierungsbedarf der Unternehmen reduzierte sich 2002 aufgrund des gedämpften Wirtschaftswachstums deutlich. Dieser Trend setzte sich auch im ersten Halbjahr 2003 fort. - Das Ausland ist mittlerweile der größte Gläubiger des österreichischen Staates.

Wie schon im letzten Jahr präsentierte die Oesterreichische Nationalbank heute, einige Tage vor dem Weltspartag, wieder die neuesten Ergebnisse der Gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung. Mag. Dr. Peter Zöllner, Mitglied des Direktoriums der Oesterreichischen Nationalbank, richtete in
seiner Präsentation das Augenmerk insbesondere auf die privaten Haushalte und die Unternehmen. Diesmal wurden von der Oesterreichischen Nationalbank nicht nur die Jahresdaten 2002, sondern auch erste Ergebnisse für das 1.Halbjahr 2003
vorgestellt.

Das Finanzvermögen der privaten Haushalte erreichte zum
30. Juni 2003 ein Volumen von rund 295 Mrd EUR. Damit ist das Finanzvermögen dieses Sektors seit Jahresende 2002 um rund
7,5 Mrd EUR gewachsen, wobei 6,5 Mrd EUR dieses Vermögens-zuwachses aus Neuveranlagungen stammen und der Rest aus Bewertungsgewinnen. Damit besitzt, so Direktor Zöllner, im Durchschnitt jede Österreicherin bzw. jeder Österreicher
rd. 37.000 EUR an Finanzvermögen.

Der größte Anteil, nämlich rd. 56 % dieses Vermögens, war
zum 30. Juni 2003 in Bargeld und Einlagen veranlagt. Mitte der Neunziger Jahre lag dieser Wert sogar noch bei 63 %. Zunehmende Bedeutung im Vermögensbestand der privaten Haushalte kommt den Veranlagungen bei Versicherungen und Pensionskassen zu, die zum
Ende des ersten Halbjahres 2003 bereits 22 % des gesamten Finanzvermögens ausmachten.

Die Neuverschuldung der privaten Haushalte war in den
letzten Jahren trotz der sinkenden Kreditzinsen relativ stabil, wobei laut Direktor Zöllner das schwache Wirtschaftswachstum
eine wesentliche Rolle gespielt haben dürfte. Im ersten
Halbjahr 2003 betrug die Neuverschuldung 1,8 Mrd EUR
(verglichen mit 2,1 Mrd EUR im ersten Halbjahr 2002). Das
Volumen an aushaftenden Verbindlichkeiten der privaten
Haushalte erreichte per Ende Juni 2003 einen Wert von
90 Mrd EUR, das entspricht zwei Drittel des verfügbaren Jahreseinkommens.

Damit sei, so betonte Direktor Zöllner, der Sektor der
privaten Haushalte der große Nettogläubiger der österrei-chischen Volkswirtschaft. Seine Nettovermögensposition, d.h.
der Saldo aus finanziellen Aktiva und finanziellen Passiva,
betrug zum 30. Juni 2003 rd. 205 Mrd EUR.

In der Struktur der Geldvermögensbildung der privaten
Haushalte wären - so Direktor Zöllner - sowohl 2002 als auch im
1. Halbjahr 2003 interessante Entwicklungen beobachtbar
gewesen. So stieg einerseits die Veranlagung in liquide Mittel
- insbesondere Bankeinlagen, was vor allem auf die weiterhin anhaltenden Unsicherheiten auf den Kapitalmärkten
zurückzuführen sein dürfte. Dies gibt den Haushalten im Fall eines Aufschwungs die Möglichkeit, in ihrer Finanzdisposition
sehr flexibel zu reagieren. Andererseits findet der Aufbau von längerfristigem Finanzvermögen zunehmend unter dem Blickwinkel
der privaten Pensionsvorsorge statt, wobei die
Finanzinstitutionen außerhalb des Bankensektors an Bedeutung gewinnen. So waren in den letzten Jahren die Ansprüche privater Haushalte gegenüber Versicherungen und Pensionskassen von sehr stabilen Zuwachsraten geprägt. Jeweils rund ein Drittel der Neuveranlagungen wurde bei diesen Finanzinstitutionen angelegt. (siehe Grafik)

In Bezug auf die Entwicklung der Unternehmensfinanzierung
stellte Direktor Zöllner fest, dass sich die Inanspruchnahme
von Fremdfinanzierung im Jahr 2002 deutlich reduziert hat. Dies resultierte einerseits aus dem - aufgrund der relativ schwachen Investitionen - geringeren Finanzierungsbedarf, andererseits
aus der vorsichtigeren Kreditvergabe durch die Banken. Dieser
Trend hat sich auch im ersten Halbjahr 2003 fortgesetzt. So
betrug der Aufbau der Verpflichtungen im ersten Halbjahr 2003
nur mehr knapp 3,5 Mrd EUR im Vergleich zu rund 4,2 Mrd EUR im ersten Halbjahr 2002.

Die Verpflichtungen der Unternehmen erreichten Ende Juni
2003 ein Volumen von 272 Mrd EUR. Mit 53 % sind inländische Bankkredite nach wie vor die dominierende Finanzierungsform der österreichischen Unternehmen, wenngleich dieser Anteil seit
1995 um 16 Prozentpunkte gefallen ist. Unternehmensanleihen
spielen in Österreich nach wie vor nur eine untergeordnete
Rolle und nehmen derzeit einen Anteil von 6 % ein.

Die Eigenkapitalfinanzierung, d.h. die Finanzierung über
Aktien und sonstige Anteilsrechte, gewann seit Mitte der
Neunziger Jahre stark an Bedeutung und erreichte im ersten
Halbjahr 2003 etwas mehr als ein Viertel des Gesamtfinanzierungsvolumens; 1995 lag der entsprechende Wert
noch bei 17 %. Dennoch, so betonte Direktor Zöllner, zähle Österreich im EU-Vergleich weiterhin zu den Ländern mit relativ niedrigen Eigenkapitalquoten: In Deutschland beispielsweise
liegt der Anteil bei über 40 %, im EU-Durchschnitt bei über
50 %.

Abschließend ging Direktor Zöllner noch kurz auf die Finanzierung des Staates ein: Dabei hob er hervor, dass per Jahresende 2002 bereits 59 % der gesamten Staatsschuld in
Händen ausländischer Gläubiger war; Mitte der Neunziger Jahre hatte dieser Anteil erst 29 % betragen. Dies sei sowohl
Ausdruck der internationalen Kreditwürdigkeit Österreichs als
auch der erfolgreichen Nutzung des gemeinsamen Währungsgebietes
als gleichsam "erweiterter heimischer Kapitalmarkt".

Nettovermögensposition 183,0 191,5 194,6 198,4 205,4 Geldvermögensbildung u.Finanzierung (Transaktionen in Mrd EUR) 1999 2000 2001 2002 1.HJ03 Geldvermögensbildung . 15,4 14,0 11,5 12,5 6,5 Finanzierung ......... 5,1 4,6 4,1 4,3 1,8

Unternehmen ----------- Geldvermögen und Verpflichtungen (Bestände in Mrd EUR) 1999 2000 2001 2002 1.HJ03 Geldvermögen ......... 89,1 101,2 108,1 112,0 119,3 Verpflichtungen ...... 216,3 241,8 259,8 268,1 272,1 --------------------------------------------------------------- Nettovermögensposition -127,2 -140,6 -151,7 -156,1 -152,8 Geldvermögensbildung u.Finanzierung (Transaktionen in Mrd EUR) 1999 2000 2001 2002 1.HJ03 Geldvermögensbildung . 10,2 10,0 8,3 5,0 5,0 Finanzierung ......... 21,6 22,0 20,7 10,0 3,5 --------------------------------------------------------------- Finanzierungssaldo ... -11,3 -12,0 -12,4 -5,0 1,5

Quellen: OeNB, WIFO, Statistik Austria

Detaillierte Daten erscheinen als Beilage zum Statistischen Monatsheft 9/2003 und sind im Internet unter www.oenb.at
abrufbar.

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