ARBÖ: Autofahren ohne Lenkrad - die Technik macht's möglich

Neue Broschüre der ARBÖ-Behindertenberatung mit nützlichen Tipps

Wien (OTS) - Karl N. ist ohne Arme zur Welt gekommen, als Opfer
der sogenannten Contergan-Affäre. Zum Autofahren braucht er kein Lenkrad. Er steuert seinen Wagen mit den Füßen. Modernste Technik macht's möglich.

"Viele Menschen mit Körperbehinderung wissen gar nicht, welche Möglichkeiten sie haben, trotz allem den Führerschein zu machen", weiß ARBÖ-Behindertenberater Roland Hirtl aus der Praxis. Auch Menschen mit spastischen Störungen, Querschnittgelähmte oder mit Wachstumsstörungen sind fähig, den Führerschein zu erwerben und Fahrzeuge zu steuern, ohne überdurchschnittlich viele Unfälle zu verursachen.

Der erste Weg, so der ARBÖ-Behindertenberater, führt üblicherweise zu den Amtsärzten, wo die körperbehinderten FührerscheinaspirantInnen ein positives medizinisches Gutachten erlangen müssen. Hirtl: "Das wird oft zum Problem, denn die Amtsärzte sind recht unterschiedlich behindertenfreundlich." Klappt es beim Amtsarzt, scheitern viele am technischen Gutachten. "Für Sachverständige ist es viel leichter, nein zu sagen, als die Verantwortung für einen Einzelfall zu übernehmen, der später vielleicht durch die Medien geht", bedauert Hirtl.

Doch in Wien ticken die Uhren erfreulicherweise anders. Hier ist Hofrat Dipl.Ing. Daniel Kirste zuständig, mit dem der ARBÖ-Behindertenberater seit Jahren erfolgreich zusammen arbeitet. Hofrat Kirste ist technischer Sachverständiger für Einzelprüfungen nach dem § 125 KFG (Kraftfahrgesetz) und zäumt das Pferd ganz anders auf. Er schaut sich zuerst die technische Seite an. Kirste: "Ich bemühe mich herauszuhören, was dem Menschen fehlt". Von Fall zu Fall prüft er, welche technischen Möglichkeiten es gibt, die spezifischen körperliche Nachteile auszugleichen.

"Mit einem positiven technischen Gutachten in der Hand, ist es für Führerscheinanwärter viel leichter, zu einem positiven medizinischen Ergebnis zu kommen", weiß Kirste aus 46-jähriger Erfahrung. Mitunter sind weitere medizinische Gutachten nötig.

Kirste hilft auch bei der Suche nach einer geeigneten Fahrschule. Erst nach ein paar Übungsstunden wird der Führerschein beantragt. In den meisten Bundesländern bekommen Menschen mit Körperbehinderung nur einen "beschränkten" Führerschein ausgestellt und können einzig und allein mit dem eigenen, eigens umgebauten Auto fahren. Jede kleinste technische Änderung wird zum Problem, muss vorgeführt und neu genehmigt werden. Nur in Wien gibt es "bedingte" Führerscheine und damit freie Fahrt mit allen Fahrzeugen, die über die nötigen Ausgleichseinrichtungen verfügen.

Wussten Sie, dass nach § 304 ff ASVG (Allgemeines Sozialversicherungsgesetz) es möglich ist, die gesamten oder einen Teil der Kosten der Führerscheinausbildung zurückzuerhalten? Voraussetzung ist allerdings, dass die betreffende Person arbeitsfähig ist und das Kraftfahrzeug für den Weg zum Arbeitsplatz benötigt. Erkundigen muss man sich bei der zuständigen Sozialversicherung, der AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt), der Pensionsversicherung für Arbeiter und Angestellte (PVA), der Versicherungsanstalt des öffentlichen Dienstes (BVA) usw.

Informatione für körperbehinderte KraftfahrerInnen gibt es beim ARBÖ - Behindertenberater Roland Hirtl ist unter 0699/189 12 218 erreichbar.

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