Wegfall der Chefarztpflicht: Ärztekammer begrüßt Erleichterungen

Brettenthaler: "Wegfall einer Bürokratiehürde ersten Ranges" -Warnung vor Wiedereinführung der Chefarztpflicht über die Hintertür

Wien (OTS) - Als erhebliche Erleichterung für Patienten hat die Österreichische Ärztekammer den geplanten Wegfall der Chefarztpflicht ab 1. Jänner 2004 begrüßt. Die Regierung habe damit einem langjährigen Wunsch der Ärztekammer Rechnung getragen und eine "Bürokratiehürde ersten Ranges" beseitigt, die gerade für schwer und chronisch kranke Menschen "inhuman und sowohl in physischer als auch psychischer Hinsicht unzumutbar" gewesen sei, erklärte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Dr. Reiner Brettenthaler, Dienstag in einer Aussendung.

Grundsätzlich könne er sich eine "mengenmäßigen Kontrolle der Verschreibweise" vorstellen. Im Zweifelsfall sei jedoch immer der Einzelfall zu prüfen. Sei durch die mengenmäßige Kontrolle jedoch eine stärkere Gängelung der Verordnungspraxis der Ärzte durch die Kassen geplant, komme "die Chefarztpflicht über die Hintertür wieder", warnte Brettenthaler. Der Druck auf die Ärzte, teure Medikamente nur selten zu verschreiben, könne damit tendenziell sogar erhöht werden. Grundsätzlich zurückzuweisen sei in diesem Zusammenhang die Begehrlichkeit des Hauptverbandes, die chefärztliche Bestätigung für die Verordnung eines Medikaments noch vor Verlassen der Ordination auf elektronischem Weg einzuholen. Derartige "Sichtvermerke" würden seitens der Ärzte abgelehnt. Auch die Vorstellung einer "Zwei-Klassen-Gesellschaft braver Ärzte, die wenig verschrieben, und schlimmer Ärzte, die viel verschrieben", werde seitens der Ärztekammer strikt zurückgewiesen. Damit reagierte Brettenthaler auf den Vorschlag des Hauptverbandes, "ökonomisch" agierenden Ärzten mehr Eigenständigkeit bei der Verschreibung einzuräumen als anderen.

"Wir sollten diese ausgelatschten bürokratischen Trampelpfade im Sinn unserer Patienten jetzt ein für allemal verlassen", mahnte Brettenthaler. Generell müsse bei der Verschreibung gewährleistet bleiben, dass Patienten, die innovative, teure Medikamente benötigen, diese ohne großen Bürokratieaufwand zwischen Arzt und Chefarzt auch erhielten. Brettenthaler: "Alles andere heißt: 'Zurück an den Start'." Der ÖÄK-Präsident bekundete in diesem Zusammenhang die aktive Bereitschaft der Ärzte bei der verstärkten Verschreibung von Generika mitzuwirken. Die Ärzteschaft bekenne sich zu den notwendigen Reformen.

Den Reformdialog der Bundesregierung bezeichnete Brettenthaler in Anbetracht der Komplexität des Gesundheitswesens als "gute und konstruktive Herangehensweise" an das Thema. "Nur durch Sparen und ausgabenseitiges Reduzieren werden wir die großen Brocken, die vor uns liegen, allerdings nicht lösen", so Brettenthaler, der damit auf die steigende Lebenserwartung der Menschen und die Zunahme von Lifestyle- und chronischen Erkrankungen anspielte. "Was wir brauchen sind auch inhaltlich-medizinische Ziele. Sie sollten als Richtschnur über der gesamten Reform stehen." (Schluss)

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