Greenpeace entdeckt erbgutschädigenden Stoff in Baby-Sonnencreme

Sofortmaßnahmen nötig: Rauch-Kallat muss Kinderschutz-Verordnung erlassen

Wien (OTS) - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace deckte heute auf, dass die "Penaten Baby Sonnencreme LSF 40 Sunblock" das gesundheitsgefährdende Desinfektions- und Konservierungsmittel Chlorhexidin Digluconat enthält. Es ist vom US-Nationalinstitut NIOSH als erbgutschädigend eingestuft und wird zu dem sehr giftigen und krebserregenden Parachloranilin abgebaut. "Es ist erschütternd wie unverantwortlich die Chemie-Industrie unsere Babys behandelt. Es scheint wirklich notwendig, dass Greenpeace jedes einzelne Babykosmetikprodukt überprüft. Dabei sind diese nur die Spitze des Eisbergs", sagt Greenpeace-Chemiker Herwig Schuster, "der Chemikalien-Einsatz ist offenbar völlig außer Kontrolle geraten." Greenpeace fordert daher von Gesundheitsministerin Rauch-Kallat als Sofortmaßnahme eine spezielle Kinder-Kosmetik-Verordnung, die Risiko-Chemie in Kinder-Kosmetik verbietet. Darüber hinaus müssen alle besonders gefährlichen Chemikalien EU-weit verboten werden. Die EU-Kommission wird morgen Mittwoch nach fünf Jahren Verhandlungen einen ersten Gesetzesvorschlag veröffentlichen, der aber nicht weit genug geht.

Chlorhexidin ist ein Medikament. Es wird gegen Entzündungen im Mund und Rachenraum, als Antiseptikum in der Wundbehandlung und zur medizinischen Desinfektion verwendet. Chlorhexidin greift auch die natürliche Bakterienflora im Mund und auf der Haut an und kann so die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen. Es gibt außerdem schon zahlreiche gegen Chlorhexidin resistente Keime. In der Schweiz ist Chlorhexidin daher in Mundpflegemitteln bereits verboten. Es ist sehr giftig für Wasserorganismen und daher in Deutschland als "stark Wasser gefährdend" eingestuft. Auch verursacht Chlorhexidin häufig Allergien und Kontaktdermatitis. Auf die Haut geschmiert und Sonnenlicht ausgesetzt, können Lichtallergien mit Ausschlägen die Folge sein.

"Johnson & Johnson als Hersteller von Penaten-Produkten muss endlich Verantwortung zeigen. Eltern brauchen garantierte Sicherheit wenn sie zu Pflegeprodukten für ihre Kleinsten greifen. Johnson & Johnson muss ebenso wie alle anderen Kosmetik-Hersteller Produkte mit Risiko-Chemie sofort vom Markt nehmen." Vor einem Monat hat Greenpeace aufgedeckt, dass in der "Penaten Babypflege Gesicht & Körper" der stark Allergien auslösende Stoff Methyldibromo Glutaronitril (MDGN) als Konservierungsstoff enthalten ist. Bis heute hat sich Johnson & Johnson geweigert das Produkt vom Markt zu nehmen.

Die beiden beanstandeten Penaten-Produkte zeigen, dass die gegenwärtige Gesetzeslage es zulässt, dass Risiko-Chemie sich ohne strafrechtliche Folgen in Babykosmetik-Produkten befindet. Als Sofortmaßnahme muss Ministerin Rauch-Kallat alle Risiko-Chemikalien in Kinderkosmetika sofort verbieten. Den Hauptgrund, warum solche Skandale immer wieder auftauchen, sieht Greenpeace in den Schwächen der derzeitigen EU-Chemikalienpolitik. Diese wird gerade grundlegend reformiert. Greenpeace begrüßt zwar die grundlegend guten Ansätze, kritisiert aber viele Schlupflöcher im gegenwärtigen Entwurf. "Durch die erhöhte Mengenschwelle für verpflichtende Tests sowie die generelle Ausnahme von Kunststoffen können Zehntausende Chemikalien weiterhin ungeprüft auf den Markt kommen, selbst wenn sichere Alternativen vorhanden sind", warnt Schuster.

Mehr als 100.000 chemische Substanzen dürfen von der Chemieindustrie in der EU produziert werden. Die meisten Substanzen sind sehr schlecht untersucht. Bei nicht einmal einem Viertel der wichtigsten Chemikalien ist bekannt, ob sie Krebs verursachen können. In der Frage der Hormonsystemschädigung ist das Wissen noch viel schlechter. "Auch mit dem Neuentwurf des EU-Chemikalienrechts werden die Gefahren durch Risiko-Chemie nicht vollständig ausgeschlossen, daher muss Ministerin Rauch-Kallat zum Schutz der Kinder jetzt handeln", so Schusters Appell an die Gesundheitsministerin.

Rückfragen & Kontakt:

MMag. Franko Petri, Greenpeace-Pressesprecher, tel. 01-5454580-29 oder 0676-5147246 (Factsheet zu Chlorhexidin erhältlich).
DI Herwig Schuster, Greenpeace-Chemiker, tel. 0664-4319214.

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