Rauch-Kallat: Kniefall vor Pharmalobby

Arzneimittelkosten werden langfristig weiter steigen

Wien (OTS) - Als Kniefall vor der Pharma-Lobby bezeichnete heute
der Obmann des Generikaverbandes, Johann Wimmer, die Sparpläne der Gesundheitsministerin. Die geplante Preissenkung für Generika beweise einmal mehr den Einfluss der Pharma-Lobby auf die österreichische Gesundheitspolitik. Durchgesetzt hätten sich die Interessen der forschenden Industrie und nicht die Interessen der Patienten. Die billigere Rezeptgebühr für Generika sei vermutlich als Trostpflaster gedacht, so Wimmer, um davon abzulenken, dass die maßgeblichen Forderungen der Pharmalobby erfüllt werden:

  • Senkung der Generikapreise um die Konkurrenz auszuschalten
  • Ungehinderter Marktzugang für teure Scheininnovationen
  • Anhebung der Preise für patengeschützte Präparate

Unterm Strich werden Arzneimittel für Patienten dadurch nicht günstiger, sondern sogar noch teurer als bisher. Geht es nach der Pharma-Lobby sollen die Preise für patentgeschützte Arzneimittel um bis zu 14 Prozent angehoben werden. Dafür sei man bereit gewesen, Preissenkungen bei Generika zu akzeptieren, Wimmer weiter.

Zustimmung der Pharmaindustrie wenig überraschend

"Würde man mich fragen, ob die Preise meiner Konkurrenz zu hoch sind würde ich auch zustimmen", so Wimmer über die Reformpläne. Die Preisentwicklung nach Patentablauf sei der forschenden Industrie ohnehin egal. Dafür erhält sie im Gegenzug den Freibrief Preise für patentgeschützte Arzneimittel nach oben zu verhandeln. "Österreich wird weiterhin ein Entwicklungsland bei Generika bleiben" prophezeit Wimmer"und wir werden genau die gleiche Diskussion in ein paar Jahren wieder führen". Es sei bezeichnend, dass Rabattregelungen für Generika nicht mit den Anbietern, sondern mit deren größten Konkurrenten verhandelt werden. Die Chance für eine langfristige Dämpfung der Arzneimittelkosten ist damit vertan.

Niedriger Generikaanteil: nichtmedizinische Gründe ausschlaggebend

Die Gründe für den niedrigen Generikaanteil liegen laut Wimmer ausschließlich im nicht medizinischen Bereich:

  • Anbieter von patentabgelaufenen Hochpreispräparaten profitieren vom weit verbreiteten Glauben, dass teure Arzneimittel automatisch auch besser seien.
  • Hochpreispräparate werden mit hohen Rabatten oder gratis an Krankenhausapotheken geliefert. Die teuren Krankenhausmedikamente werden bei der Entlassung im Arztbrief weiter empfohlen und auch verordnet.
  • Informationen über Arzneimittel stammen vorwiegend von den Anbietern selbst und unterliegen keiner kritischen Prüfung.

Deshalb müsse man die Unabhängigkeit von Leistungserbringern und Patienten im Umgang mit Arzneimitteln stärken. Der Einfluss der Industrie auf den Vertrieb, die Prüfung und die Informationen über Arzneimittel sei einzuschränken fordert Wimmer. Statt dessen unterstützen die Pläne der Ministerin die Marketingstrategien der Pharma-Lobby. Mit den aktuellen Plänen seien bestenfalls kurzfristige Einsparungen zu erreichen. Die strukturellen Probleme werden nicht einmal im Ansatz gelöst.

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Mag. Michael Oberreiter
Generikaverband
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