"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Tödliche Umarmung" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 22.10.2003

Wien (OTS) - Hubert Gorbach ist nicht zu beneiden. Sachlich attestieren ihm in Wien Freund und Feind eine geschickte Politik. Er ist den Fettnäpfchen seines Monsterministeriums bisher erfolgreich ausgewichen, hat sich als Antreiber und zugleich als redlicher Verhandler einen guten Ruf erworben.
Als Vizekanzler und koalitionärer Widerpart des Bundeskanzlers wird Gorbach aber künftig nach anderen Maßstäben gemessen werden. Er wird sich gegen eine doppelte Bedrohung wappnen müssen.
Auf der einen Seite muss er den tödlichen Umarmungen von Wolfgang Schüssel standhalten, die schon Jörg Haider, Susanne Riess-Passer und Herbert Haupt in die politische Bedeutungslosigkeit katapultiert haben. Auf der anderen kämpft Jörg Haider mit dem Rücken zur Wand um seine Wiederkehr auf die politische Bühne - als Hauptdarsteller, versteht sich, nicht als der Provinzakteur, zu dem ihn die in Heerscharen zur politischen Konkurrenz geflüchteten FP-Wähler gemacht haben.
"Gorbi" ist für beide Mittel zum Zweck. Er wird seine ganze politische Schläue benötigen, um der Falle unbeschadet zu entkommen. Gelingt es ihm, hat er sich für mögliche weitere Koalitionen in der Zeit nach dem endgültigen Abschied Haiders aus der Politik profiliert. Andernfalls wird auch er seine politische Lebensplanung wohl neu überdenken müssen.

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