WirtschaftsBlatt-Kommentar Kühle Köpfe im heissen Herbst

von Evelyn Holley-Spiess

Wien (OTS) - Die Sozialpartner haben in der jüngeren Vergangenheit einiges eingesteckt: Ihre Rolle der Nebenregierung wie zu Zeiten der grossen Koalition hatte mit Schwarz-Blau ein jähes Ende. Seitdem wurde die Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaft und Wirtschaftskammer in unregelmässigen Abständen totgesagt.

In der Nacht auf Dienstag haben die Metaller einmal mehr gezeigt, dass Sozialpartnerschaft funktioniert: In erfrischendem Gegensatz zu den täglichen Hakenschlägen der Politik wurden die KV-Verhandlungen bereits in der zweiten Runde erfolgreich abgeschlossen. Bei einer Erhöhung der Löhne von 2,1 Prozent muss sich keine Seite verstecken, es gibt aber auch keinen Anlass, die Sektkorken knallen zu lassen.

Die Gewerkschaft hatte einen heissen Herbst angekündigt und wollte die Unternehmer für die Belastungen der Pensionsreform zur Kasse bitten. Diese Forderung spiegelt sich im aktuellen Abschluss, wenn überhaupt, nur minimal.
Den Arbeitgebern ist es einmal mehr nicht gelungen, den Zweier vor dem Komma wegzuverhandeln. Vor dem Hintergrund anhaltender Wirtschaftsflaute und bei einer prognostizierten Inflationsrate von 1,3 Prozent hat wohl so mancher Betrieb seine Personalkosten für das kommende Jahr auf Basis eines niedrigeren Lohnabschlusses kalkuliert.

Die Zugeständnisse auf beiden Seiten sprechen aber umso mehr für einen guten und hart erkämpften Kompromiss.
Verhandlungsgeschick ist in den kommenden Wochen auch bei der Neugestaltung des Gehaltssystems gefragt. Es wäre in mehrfacher Hinsicht ein grosser Wurf, wenn sich Arbeitgebervertreter und Gewerkschaft in der Metallbranche auf ein einheitliches Schema für Arbeiter und Angestellte durchringen könnten. Die Unterteilung der Mitarbeiter in diese beiden Gruppen ist nicht mehr zeitgemäss. Genauso wenig wie das Ersitzen von Gehaltssprüngen über die Jahre. Statt dessen soll es tendenziell höhere Einstiegsbezüge geben, bei denen die Qualifikation - unabhängig ob Frau oder Mann - zum Tragen kommt.

Ein Durchbruch bei der Weiterentwicklung der Gehälterstruktur ist bereits nächste Woche denkbar: Die Elektroindustrie, die heuer das dritte Jahr separat mit der Gewerkschaft verhandelt, will kommenden Dienstag Lohnerhöhungen und Gehaltsreform in einem Aufwaschen erledigen.

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