Medialer Dialog in Mitteleuropa "nicht zufrieden stellend"

APA baut Berichterstattung über Mittel- und Osteuropa aus - BA-CA stiftet Journalistenpreis

Wien (OTS) - "Man kann nicht sagen, dass der mediale Dialog
zwischen den Ländern Mitteleuropas zufrieden stellend ist", so Samuel Brecka, Professor für Kommunikationswissenschaften der Comenius Universität in Preßburg. Trotz gemeinsamer Interessen und eines "regen Austauschs von Kapital, Waren, Unternehmen, aber auch Leuten" habe sich der gegenseitige Informationsstand nur wenig verbessert, meinte Brecka bei einer Veranstaltung der APA - Austria Presse Agentur und der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) zum Thema "Unbekannte Nachbarn - Medialer Dialog in Mitteleuropa" am Montagabend in Wien.

Bei der im Anschluss stattfindenden Podiumsdiskussion, an der Grzegorz Gauden ("Presspublica"/Warschau), Boris Jausovec ("Vecer"/Marburg), Hedwig Kainberger ("Salzburger Nachrichten" und Alfred Geiringer-Stipendiatin 2003) Jacek Palasinski (Korrespondent/Rom), Jiri Pehe (New York University/Prag), sowie Katerina Safarikova ("Respekt"/Prag) teilnahmen, wurde dieses Urteil bestätigt - Unwissenheit und Vorurteile über die "Nachbarn" prägten nach wie vor die Beziehungen zwischen den Staaten Mitteleuropas.

Die Medien, forderte Gauden, müssen beim Abbau dieser Defizite eine zentrale Rolle spielen, da die Politik nicht oder nur ungenügend Aufklärungsarbeit leiste. In Polen würde die von Gauden herausgegebene Tageszeitung "Rzeczpospolita" diese Rolle sehr bewusst wahrnehmen - beispielsweise über eine differenzierte Aufarbeitung der Geschichte, welche besonders für die polnisch-deutschen Beziehungen äußerst wichtig sei. Kainberger stellte generell die "gemeinsame Wirklichkeit" der Länder "Mitteleuropas" in Frage stellte:
"Mitteleuropa ist ein Traum, der in der Realität nicht stattfindet".

Zumindest Italien könne sich mit einer Zugehörigkeit zu "Mitteleuropa" nicht identifizieren, so Jacek Palasinski in einem Zwiegespräch mit Jiri Pehe. Zwischen Italien, einem etablierten EU-Mitglied, und dem Beitrittskandidaten Tschechien gebe es wenig Gemeinsamkeiten, waren sich die beiden Kenner dieser Länder einig. Dies beruhe weniger auf einem Mangel an Möglichkeiten zum Informationsaustausch - der touristische Austausch sei durchaus rege - als an einem Mangel an Willen zur Vertiefung des Verständnisses.

Das Fazit der Diskussion war jedoch eindeutig: Die Beziehungen zwischen den "Nachbarn" sei noch stark von Missverständnissen und Vorurteilen geprägt, auch die Berichterstattung fokussiere zu stark auf "harte" Nachrichten aus Politik und Wirtschaft und konzentriere sich auf bilaterale Konflikte; soziale und emotionale Themen kämen dabei eindeutig zu kurz.

In diesem Sinne wird die APA in den kommenden Wochen ihre die Berichterstattung über Mittel- und Osteuropa intensivieren, kündigte APA-Chefredakteur Wolfgang Mayr an. "Wir wollen die nächste Trägerstufe in der Mittel- und Osteuropa-Berichterstattung der APA zünden, damit unsere Position als 'Mitteleuropa-Agentur' stärken und so unseren Beitrag zu einer guten Nachbarschaft leisten."

Im Anschluss an die Diskussion präsentierte Martin Hehemann, Pressesprecher und Ressortleiter der Group Public Relations der BA-CA, einen Journalistenpreis, der die Förderung der europäischen Integration im publizistischen Bereich zum Ziel hat. Die Auszeichnung "Schreiben für Mitteleuropa" wird von der BA-CA gestiftet und in Zusammenarbeit mit der APA verliehen. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird 2004 erstmals vergeben. Teilnahmeberechtigt sind Journalisten aus den Ländern Mitteleuropas - wobei gilt:
"Mitteleuropäer ist, wer sich als Mitteleuropäer fühlt".

Eingereicht werden können Print- oder Internet-Beiträge, die bereits publiziert wurden. Beispiele für Themen sind etwa Identität, Zukunft und Grenzen Mitteleuropas, das "Europa der Regionen", Minderheiten in Mitteleuropa, der Dialog der Nachbarn oder auch die Überwindung von Vorurteilen.

(S E R V I C E - Informationen über den Journalismuspreis "Schreiben für Mitteleuropa" sind im Internet unter http://www.ba-ca.com in der Rubrik "Presse" zu finden.)

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