KR Leo Schreiber - Aufsichtsratsvorsitzender der ARA AG und Präsident des Getränkeverbands: Diskussion in Deutschland untermauert Pfand-Problematik - System in Österreich funktioniert und ist effizient

Wien (OTS) - "Die Probleme und Diskussionen in Deutschland zeigen, dass ein Pflichtpfand auf Einweg-Getränkeverpackungen nicht die gewünschten Effekte bringt. Nach wie vor herrscht in unserem Nachbarland das 'Dosen-Chaos' - so die Süddeutsche Zeitung. Es gibt noch immer kein funktionierendes Rücknahmesystem, manche Unternehmen haben Einwegverpackungen aus dem Sortiment genommen, die EU-Kommission behält sich rechtliche Schritte vor bzw. erhöht den Druck auf die deutsche Bundesregierung wegen des Zwangspfandes", erklärt KR Leo Schreiber, Aufsichtsratsvorsitzender der ARA AG und Präsident des Getränkeverbandes.

Deutsche Pfandprobleme sollten Lehre sein

"Das Pflichtpfand hat damit vorerst zu Lasten der KonsumentInnen zwar einen erhöhten Mehrweganteil gebracht, aber nicht zur besseren Sammlung und Verwertung von Verpackungsabfällen beigetragen. Außerdem kann von einem dauerhaften Anstieg des Mehrweganteils wohl nicht die Rede sein, denn die derzeit beobachtete Entwicklung basiert auf strukturellen Problemen des Pfandsystems in der Einführungsphase."

Zwangspfand in Österreich nicht notwendig - der Kreislauf von Sammlung und Verwertung funktioniert

"Wir sollten von diesem Beispiel lernen, dass ein Zwangspfand dieser Art - gerade für Österreich, wo die Verpackungssammlung einwandfrei funktioniert - nichts bringt. Das Zwangspfand hat dazu auch zweifelhafte ökologische Wirkung. Seit 1993 steht der österreichischen Bevölkerung ein äußerst bequemes und flächendeckendes Verpackungs-Sammelsystem zur Verfügung - und zwar jenes des ARA Systems. Darin werden alle Arten von Verpackungen gesammelt, nicht nur Einweg-Getränkeverpackungen, die durch ein Zwangspfand erfasst werden."

Mehrbelastungen für BürgerInnen und Handel

"Ein Pfandsystem brächte für Österreich Probleme à la Deutschland. Würde man nämlich ein Pfand auf Einweg-Getränkeverpackungen einheben, dann müsste der Konsument diese ins Geschäft zurück tragen, damit er sein Pfand rückerstattet bekäme, und das würde sich auch bei einem vollausgebauten Sammelsystem nicht ändern. Die bequeme Sammlung über das ARA System mit seinen mehr als 212.000 Behältern für Kunststoffverpackungen und rund 50.000 Behältern für Metallverpackungen wäre dann nicht mehr möglich. Auch jene ÖsterreicherInnen, die in den 1,1 Millionen Haushalten leben, die ihre Kunststoffverpackungen im Gelben Sack direkt zu Hause sammeln, müssten diesen Umweg für Getränkeverpackungen auf sich nehmen. Aber nicht nur für die KonsumentInnen, auch für den Handel würde ein Pfandsystem zusätzlich Geld und Zeit in Anspruch nehmen.

Insellösung für Getränkeverpackungen wäre kurzsichtig

Ein Pfandsystem ist nur in solchen Ländern gerechtfertigt, in denen es keine derartig gut funktionierenden Sammelsysteme gibt. In Österreich, wo die Trennmoral sehr hoch ist und auch die Sammelzahlen mehr als erfreulich sind, wäre eine Zwangsbepfandung eine Insellösung für Getränkeverpackungen. Der wesentlich gewichtigere Teil der sonstigen Verpackungen würde von einem Pfandsystem nicht erfasst werden. Um aber einem umweltorientierten Handeln gerecht zu werden, müsste man die bestehende getrennte Sammlung der anderen Verpackungen zusätzlich weiter aufrecht halten. Denn ob in einer Dose Bier oder Katzenfutter war, ist für die Umwelt irrelevant. Letztendlich würden die Verpackungen wohl auch wieder beim gleichen Verwertungsbetrieb landen - aber eben auf unterschiedlichen Sammelwegen.

Zwangspfand ist keine Hilfe, sondern Öko-Schmäh

Es ist daher nicht sinnvoll, 120 Mio. Euro in den Aufbau und weitere 40 Mio. Euro jährlich in den Betrieb eines Systems zu investieren, das nur geringen Nutzen für die Umwelt aber zusätzliche Arbeitsbelastungen für Wirtschaft und KonsumentInnen bringt. Das Zwangspfand ist genau betrachtet keine Öko-Hilfe, sondern ein Öko-Schmäh, der viel verspricht und nichts hält, und den Konsumenten sowie der Wirtschaft Arbeit und Geld kostet", so Schreiber. Denn eine Studie des schweizerischen Prognos Institutes im Auftrag des deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit ergibt für Deutschland eindeutige Zahlen: Das Zwangspfandsystem bringt einen jährlichen Umsatzverlust in der Getränkeindustrie von rund
600 Mio. Euro und gefährdet außerdem 12.000 Arbeitsplätze. Die positiven ökologischen Effekte fallen hingegen sehr gering aus und betragen lediglich 0,04 Prozent, durch Verbesserungen beim Treibhauseffekt, der Ressourcenbeanspruchung, dem Sommersmog und dem Versauerungspotenzial.

"Sowohl der Handel als auch die Abfüller sind aber für ökonomisch und ökologisch sinnvolle Lösungen und leisten bereits heute über das ARA System einen beachtlichen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft. Im Sinne eines nachhaltigen und wirtschaftlichen Handelns stehen wir daher auch dazu, gemeinsam mit dem ARA System, bessere Konzepte zu entwickeln und umzusetzen. Neue Verwertungstechnologien sollen auch dem Kunststoffrecycling im Bewusstsein der Bevölkerung und der Verantwortlichen einen derart hohen Stellenwert geben, wie er bei Papier, Glas und Metall seit längerem existiert.

Die Unternehmen bekennen sich auch zur Zusammenarbeit mit den politischen und kommunalen Verantwortungsträgern zur Erreichung der gemeinsamen Umweltziele, im Sinne des bisher erfolgreichen Weges um den uns außerhalb Österreichs viele beneiden. Dieser ist geprägt durch zwei Grundsätze, nämlich einerseits von der Umsetzung ökologisch sinnvoller und ökonomisch machbarer Maßnahmen und andererseits von der Eigenverantwortung der Wirtschaft zur Erreichung der gesetzten umweltpolitischen Ziele. Denn die Wahlfreiheit für die KonsumentInnen muss erhalten bleiben. Für die Getränkewirtschaft haben wir mit der freiwilligen Selbstverpflichtung einen wichtigen Schritt auf diesem Weg getan."

Bildmaterial: Fotos finden Sie zum Downloaden auf der Website http://www.ara.at

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