Finanzminister Karl-Heinz Grasser im "Ö3 Früshtück bei mir"

Grasser:"Als Finanzminister ist es mir bewusst, dass man eine besondere Korrektheit an den Tag legen muss."

Wien (OTS) - Finanzminister Karl-Heinz Grasser im "Ö3 Früshtsück bei mir" über Y-Line Aktien und das Thema "Freunderlwirtschaft".****

Claudia Stöckl: "Es gibt im Buddhismus einen Spruch der heißt "Alles Leiden beginnt mit der Begierde etwas zu haben und etwas zu sein". Könnten Sie das auf Ihr Leben umlegen?"

Karl-Heinz Grasser:"Da muss man darüber nachdenken und eine philosophische Debatte darüber eröffnen."

Claudia Stöckl: "Denken Sie ruhig nach, Herr Minister, oder tut es weh?"

Karl-Heinz Grasser: "Na, überhaupt nicht. Ich glaube nur, so wie es Sie bringen, ist es für mich einfach zu kurz gegriffen, dass man sagt, jedes Streben nach mehr und jeder Ehrgeiz und jede Leistungsorientierung bringen dann automatisch viel Leid mit sich. Ich bin mir sicher, dass auch das Gegenteil, wenn man nach nichts strebt und wenn man sagt, alles ist gut genug, dass man auch eine Menge an Leid erfahren kann. Aber ich sehe das Leben meistens umgekehrt. Ich sage für mich, ich bin, obwohl ich in einer schwierigen Situation bin, einfach glücklich, bin optimistisch. Ich mache das gerne, was ich mache und ich glaube auch, ich mache es gut. Es gibt nicht viel Schöneres, als für das eigene Land und für seine Landsleute zu versuchen, zu gestalten, zu verändern im positiven Sinn."

Claudia Stöckl: "Herr Minister, Sie sind in Sachen Aktienaffäre auch in Verruf gekommen, weil Sie Y-Line Aktien besessen haben, die Firma ist ja bekanntlich Pleite gegangen, und diese Aktien kurz vor der Pleite abgestoßen haben. Außerdem gibt es eine Verbindung, dass Sie eine Y-Line Tochterfirma, oder Ihr Verein zumindest, mit der Erstellung Ihrer Homepage betraut haben. Einen 110.000 Euro Auftrag hat es da angeblich gegeben, der auch damals noch den Aktien Kurs in die Höhe getrieben hat. Was haben Sie wirklich von der Pleite gewusst und gibt es geheime Informanten?"

Karl-Heinz Grasser: "Also, ich kann nur darum bitten, Frau Stöckl, dass man sich jetzt nicht an der Kreativität der politischen Gegner beteiligt, die ja oft die freie Erfindung den Fakten vorziehen. Mir wirft man vor, dass ich ein Kleinaktionär an der Y-Line war. Y-Line Aktien, die ich mir gekauft habe, zu einer Zeit, wo ich bei der Magna war und ich dann irgendwann im Herbst 2000 verkauft habe. Also es ist wirklich völlig lächerlich. Wenn Sie sich den Zeitpunkt ansehen, wann ich meine Aktien verkauft habe, und das war ein kleines Paket, so um die Größenordnung von 10 - 15 000 Euro Verkaufspreis, wenn Sie sich den Kursverlauf der Y-Line damals angesehen haben, dann ist das eher ein Beispiel, wie man es nicht macht. Das heißt, ich habe zu einem Zeitpunkt verkauft, wo diese Aktie schon sehr, sehr viel an Wert verloren gehabt hat, nachdem gerade eine größere Transaktion der Y-Line, auf die man gehofft hat, geplatzt war. Das heißt, wenn man hier so besonders gut informiert ist, dann hätte man verkauft, bevor die Kurseinbrüche stattfinden und nicht danach, daher ist das ein völliger Unsinn. Ich hatte mit dem Unternehmen nichts zu tun, ich kenne weder die Leute, die im Vorstand dort tätig waren und schon gar nicht wurde irgendein Kurs mit irgendwelchen Aufträgen getrieben."

Claudia Stöckl: "Aber Ernst Hofmann ist ja eindeutig schon seit vielen Jahren ein FPÖ Förderer und Unterstützer, also den haben Sie ja ganz sicher gekannt, nicht ?

Karl-Heinz Grasser: "Der Ernst Hofmann war der Aufsichtsratspräsident der Y-Line und ich kenne den Ernst Hoffmann. Ja, aber ich habe mit ihm niemals, auch nicht eine Sekunde über die Y-Line diskutiert. Der Ernst Hofman hat viel bessere Kontakte und viel bessere Gespräche und viel bessere Beziehungen zum Jörg Haider und zu anderen Repräsentanten der FPÖ, als das bei mir der Fall war."

Claudia Stöckl:"Trotzdem wurde ja der Y-Line Tochterfirma der Auftrag zur Erstellung Ihrer Homepage erteilt, was ja eine eindeutige Unvereinbarkeit bedeutet, nicht ?

Karl-Heinz Grasser: "Es gibt keine Unvereinbarkeit, sondern das Finanzministerium hat ganz normal, wie es den Ausschreibungsbedingungen und dem öffentlichen Vergaberecht entspricht, einen Auftrag ausgeschrieben für einen Relaunch für die Homepage des Finanzministeriums und es hat eine unabhängige Vergabekommission hier im Finanzministerium einstimmig entschieden, dass dieses Tochterunternehmen, das sie angesprochen haben, den Auftrag bekommen soll, weil es das beste Preis-Leistungs-Verhältnis gegeben hat. Jetzt wenn man jemanden schaden will, Böses will, dann versucht man alle möglichen Dinge mit einander zu verknüpfen und wenn das dann zum Beispiel die Sozialdemokraten getan haben, wo man kritisiert hat, dass der Finanzminister ein Kleinaktionär an der Y-Line war und sich dann herausstellt, dass der Finanzsprecher der Sozialdemokraten und seine Steuerberatungskanzlei offensichtlich die Lohnverrechnung und die Bilanzen dieses Unternehmens gemacht hat, dann ist das eine besondere Chuzpe."

Claudia Stöckl: "Aber trotzdem wird jetzt immer der Begriff "Freunderlwirtschaft" verwendet, wenn man über Sie spricht. Und Sie sind bzw. waren ja mit dem Chef der Tochterfirma, Dieter Jandl sehr gut befreundet, sein Kind ist sogar ihr Taufkind. Das zeugt ja von einer eindeutigen Vernetzung, nicht?"

Karl-Heinz Grasser:"Ich meine, ist es jetzt verboten, dass jemand, den ich kenne, einen öffentlichen Auftrag bekommt? Glauben Sie mir einfach, dass man als Finanzminister für Aufträge in dieser Grössenordnung weder die Zeit hat, sich darum persönlich zu kümmern und auch sein Finanzministerium schlecht organisiert hätte, wenn man sich in solche Fragen direkt einmischen muß. Ganz im Gegenteil, als Finanzminister ist mir bewußt, dass man eine besondere Korrektheit an den Tag legen muss und Sie können sicher sein, dass ich das in jeder Phase getan habe."

Claudia Stöckl: "Wenn Karl-Heinz Grasser eine Aktie wäre, würden Sie heute eine Kaufempfehlung abgeben?"

Karl-Heinz Grasser: "Ich glaube, es wäre ein sehr guter Kauf."

Claudia Stöckl: "Sie würden sagen, der Kurs ist nicht im Sinken?"

Karl-Heinz Grasser: "Ich glaube, wir haben eine Bodenbildung des Kurses, würde man es im Aktien Fachdeutsch oder Chinesisch sagen, das heißt, das Aufwärtspotential der Aktie sollte zur Zeit eigentlich sehr hoch sein."

(Fortsetzung)

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