Finanzminister Karl-Heinz Grasser im Ö3 Frühstück bei mir

Grasser zum Thema mangelndnes Unrechtsbewusstsein: "Ich fühle mich überhaupt nicht angesprochen."

Wien (OTS) - Finanzminister Karl-Heinz Grasser war heute zur Gast
im "Ö3 Frühstück bei mir" mit Claudia Stöckl. Der vieldiskutierte Politiker stellte sich nach der Debatte um seine Aktiengeschäfte dem ersten großen Interview und spricht über die Aufregungen des letzten Jahres, Imageverlust, Rücktrittsforderungen, berufliche und private Pläne. Im folgenden das Interview im Wortlaut.****

Claudia Stöckl:"Wenn man die Zeitschriftencovers diese Woche ansieht und die Artikel, dann ließt man Schlagzeilen wie "Jetzt wird es eng für den Minister", "Immer neue Vorwürfe bringen ihn ins Zwielicht", "Grassers letzter Abschlag", "Wann stürzt der Minister?". Wie gehen Sie mit diesem rauhen Wind persönlich um? Sie sind ja sanftere Töne gewohnt."

Karl-Heinz Grasser: "Natürlich ist das eine Umstellung, aber ich glaube, man muss das einfach in Demut akzeptieren, was auf einen zukommt. Für mich ist es eben wie gesagt eher ein persönlicher Erfahrungsprozess. Ich versuche daraus zu lernen und glaube einfach selbst, wenn jemand nie solche Zeiten erlebt hat, wenn jemand nie auch den Gegenwind gespürt hat, dann kann er auch nicht auf der anderen Seite zu innerer Stabilität finden und dann kann er eben nicht unter Druck in schwierigen Situationen richtig entscheiden. Und insofern ist das eine gute Weiterentwicklungsmöglichkeit für mich persönlich."

Claudia Stöckl:"Ab wann ist denn für Sie ein Minister rücktrittsreif ?"

Karl-Heinz Grasser: "Da gibt es, glaube ich, eine ganze Reihe von Punkten, die man anführen könnte, aber ich will jetzt nicht spekulieren, sozusagen wann sollen Minister zurücktreten oder nicht."

Claudia Stöckl: "Trotzdem wurde Ihnen ja auch gerade in dieser Woche nach den nicht gemeldeten Aktien-Depots der Rücktritt von vielen Seiten nahe gelegt. Haben Sie jemals an Rücktritt gedacht?"

Karl-Heinz Grasser: "Ich habe überhaupt nicht daran gedacht. Und schauen Sie, wenn ich als Finanzminister nicht einige politische Gegner hätte, die mir nicht das wirklich Beste wollen, dann hätte ich wahrscheinlich auch einiges falsch gemacht."

Claudia Stöckl: "Aber würden für Sie nicht auch neben juristisch-strafrechtlichen Kriterien moralische Kriterien für einen Rücktritt in irgendeiner Form gelten? Viele sprechen bei Ihnen von einem mangelnden Unrechtsbewusstsein. Fühlen Sie sich da angesprochen?"

Karl-Heinz Grasser: "Ich fühle mich überhaupt nicht angesprochen. Sagen Sie mir ein Beispiel, wo ich mich angesprochen fühlen sollte."

Claudia Stöckl: "Die Homepage, weil meines Wissens ist es immer noch nicht ausgestanden, dass dafür nicht Schenkungssteuer gezahlt hätte werden sollen, für diese Schenkung der Industriellen Vereinigung."

Karl-Heinz Grasser: "Die Staatsanwaltschaft ermittelt und ich hoffe und wünsche mir nichts anderes, als dass man möglichst schnell ein Ergebnis auf den Tisch bekommt, weil ich mir eben sehr sehr sicher bin, dass es überhaupt keine Verfehlung, auch nicht in irgendeiner Frage, gegeben hat. Was ist an dieser Homepage nicht in Ordnung, bitte? Mein Interesse und das Interesse des Vereins war nichts anderes als zu sagen, da gibt es moderne Kommunikationsmittel. Und wenn man dann sagt, na ja, da ist ein Geld von der Industriellen Vereinigung gekommen, dann ist das absolute Scheinheiligkeit und dann frage ich Sie, wie finanzieren sich Parteien, wie werden Spendengelder von den ganzen Kammern, von Lobbying Institutionen, von Vereinen, von wem auch immer, an Parteien gegeben und was machen die Parteien mit diesem Geld? Ich sehe da nichts Schlechtes dran."

Claudia Stöckl: "Vor mehr als einem Jahr wurden Sie noch in Umfragen von 53 % der Bevölkerung als möglicher nächster Bundeskanzler gehandelt. Jetzt sagen 72 %, dass Sie unglaubwürdig geworden sind. Schmerzt Sie das, dieser Imageverlust?"

Karl-Heinz Grasser: "Man will's natürlich immer umgekehrt, oder? Und jeder von uns und auch ich habe lieber bessere Umfragewerte. Aber noch einmal, es überrascht mich nicht. Es gibt, sage ich, aus meiner Sicht so etwas wie eine Jagdgesellschaft, die sagt, jetzt versuchen wir eine Hetzjagd, eine Hetzkampagne gegen den Karl-Heinz Grasser. Das ist schon klar, dass das auch Auswirkungen hat."

(Fortsetzung)

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