Journalistische Professionalität bei der Berichterstattung über ethnische Konflikte

Internationale Medienkonferenz unter dem Vorsitz von Erhard Busek und Ellen Mickiewicz zum Thema "Media Dilemmas: Covering Ethnic and Other Conflicts" im ORF-Zentrum Wien

Wien (OTS) - Die Mitglieder der Commission on Radio and Television Policy - Journalisten, Nachrichtenverantwortliche und Politiker aus 20 Ländern - forderten bei ihrer Jahrestagung am 17. und 18. Oktober 2003 im ORF-Zentrum Wien Professionalität bei der Berichterstattung über ethnische Konflikte ein. Ausführlich diskutiert wurde auch das Für und Wider von so genanntem "embedded Journalism".

Während der Konferenz legten die Teilnehmer ein Hauptaugenmerk auf die Professionalität bei der Berichterstattung über ethnische Konflikte. Die wichtigste Identität, die ein im Krisengebiet tätiger Reporter annehmen solle, sei keine "ethnische" Identität, sondern die des Journalisten.

Radomir Licina, leitender Redakteur bei "Danas", einem politischen Magazin in Belgrad, meinte, dass Reporter - wenn man sie danach frage, welcher ethnischen Gruppe sie sich zugehörig fühlten - klipp und klar mit "Ich bin Journalist!" antworten sollten.

Auch rein sprachlich gesehen sei jeder Journalist bei der Beschreibung ethnischer Konflikte in extrem heikler Mission unterwegs. Journalisten sollten Ausfälle bzw. diskriminierende Äußerungen gegenüber bestimmten ethnischen Gruppen vermeiden und sehr genau darauf achten, wie ethnische Identifikation zustande kommt und praktiziert wird.

Dietrich Schwarzkopf, ehemaliger ARD-Programmdirektor und Vizepräsident von ARTE, sagte zu diesem Thema: "Wenn ein Konflikt von Hass getragen wird, darf diese Tatsache nicht totgeschwiegen werden. Das Ausmaß des Hasses sollte in fundierter Weise journalistisch aufbereitet werden. Wenn man mich allerdings fragt, ob man von Hass geprägte Aussagen direkt zitieren soll, würde ich zögern, dies zu bejahen. Journalisten könnten Beispiele anführen, aus denen die Intensität des Hasses herauszulesen ist, aber sie müssen sehr vorsichtig mit diesem Thema umgehen."

Diskutiert wurde auch über die Berichterstattung über den Irakkrieg. BBC-World News-Redakteur Jonathan Baker meinte dazu:
"Embedded Journalism ist ein starkes Konzept, aber wenn man nur dieses eine Instrument der Berichterstattung anbietet, erweist man seinem Publikum einen schlechten Dienst."

Die Mitglieder waren der einhelligen Auffassung, dass die "eingebetteten" Journalisten verständlicherweise im Blickpunkt des öffentlichen Interesses standen - man denke nur an die dramatischen Bilder und Ereignisse, über die diese Reporter berichten konnten. Doch es ergaben sich offensichtlich Probleme bei der journalistischen Aufarbeitung der größeren Zusammenhänge dieses Kriegs und dabei, auch anderen Perspektiven Raum zu geben.

Die Commission on Radio and Television Policy wurde 1990 vom ehemaligen amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter gegründet, um die Rolle der freien Presse in demokratischen Gesellschaften zu fördern. In ihrer Anfangszeit konzentrierte sich die Commission auf medienpolitische Themen in den USA sowie in Ost- und Westeuropa, hat aber mittlerweile ihre Aktivitäten auch auf die neuen Mitglieder aus Mittel- und Osteuropa ausgedehnt.

Den gemeinsamen Vorsitz in der Commission führen Dr. Erhard Busek, Vorsitzender des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa, Sonderkoordinator des Stabilitätspakts für Südosteuropa, und Dr. Ellen Mickiewicz, Direktorin des DeWitt Wallace Center for Communications and Journalism an der amerikanischen Duke University. Unterstützt wird die Commission vom DeWitt Wallace Center, dem ORF, dem Institut für den Donauraum und Mitteleuropa, der American Austrian Foundation, der Stadt Wien und dem österreichischen Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten. Die Jahrestagung wurde weiters vom Bundesministerium für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, UNIQA Versicherungen AG und "Kurier" unterstützt.

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