"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wenn der Herbert net will, dann nutzt das gar nix ..." (von Hans Winkler)

Ausgabe vom 18.10.2003

Graz (OTS) - Es liegt uns fern, Herbert Haupt mit dem Herrgott in Verbindung zu bringen. Da aber das bekannte Wienerlied "Waun da Herrgott net wü. . . ." mit Gott ohnehin nichts zu tun hat, können wir uns das Wortspiel erlauben.

Also: Herbert Haupt will keine Regierungsumbildung auf seine Kosten und stellt sich einfach taub gegen die Zurufe aus Klagenfurt. An dieser hartnäckigen Gegenwehr kommt, vorläufig zumindest, Jörg Haider nicht vorbei.

Der nur äußerlich gemütliche Vizekanzler und FPÖ-Parteiobmann hat sich in den letzten Monaten als "Steher" erwiesen. Als Haider versuchte, ihn vom Posten des Parteiobmanns zu verdrängen, weigerte sich Haupt einfach, zu gehen. Und es wirkte. Dadurch verhalf er sich, dem FPÖ-Publikum und der staunenden Öffentlichkeit zu der völlig neuen Erfahrung, dass man sich Haider auch erfolgreich widersetzen kann.

Haider wird aber nicht dauerhaft Ruhe geben. Sein Drang nach Öffentlichkeit ist ungestillt, seine Fantasie, wie er der eigenen Parteiführung und der ÖVP Schwierigkeiten bereiten könne, ist unerschöpflich.

Als er erkannte, dass Haupt als Parteiobmann nicht wegzubringen
war, kam er auf die Idee, ihn als Vizekanzler ablösen zu lassen. Das war ein geschickter Schachzug, mit dem Haider die Konflikte der FPÖ in die Koalition hineintrug.

Schüssel erkannte sofort die Gefahr, dass die Regierungsumbildung bei der FPÖ plötzlich zu einer Sache der ÖVP wird. Tatsächlich werden nicht die FPÖ-, sondern hauptsächlich die ÖVP-Minister mit Fragen danach bombardiert. Zu allem Überfluss platzte auch noch eine neue Affäre um Karl-Heinz Grasser, so dass das Problem der Regierungsumbildung plötzlich auch bei der ÖVP selbst virulent wurde.

Der Kanzler suchte zunächst das Gespräch mit Haider, bei dem es wohl um die Zeit nach der Kärntner Landtagswahl am 7. März gegangen ist. Seine eigenen Leute vergatterte Schüssel zum Schweigen. Herbert Haupt redet er ohnehin dauernd zu, durchzuhalten.

Für den Fall, dass das alles nichts nützt und die Regierungsumbildung doch in der nächsten Woche stattfindet, baute die ÖVP ebenfalls vor. Schüssel dürfte Haider erklärt haben, dass die Kür Dieter Böhmdorfers den Koalitionsfall bedeuten würde und dass - wenn es schon sein müsse - ihm Ursula Haubner lieber wäre als Hubert Gorbach.

Das ist freilich alles vergebliche Liebesmüh´. Der FPÖ ist durch einen Wechsel auf dem Posten des Vizekanzlers sicher nicht zu helfen. ****

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