"Neues Volksblatt" Kommentar: "Lüftchen" (Von Franz Rohrhofer)

Ausgabe vom 18. Oktober 2003

Linz (OTS) - Der ÖGB sieht sich selbst im Aufwind. Mehr als ein laues Lüftchen war aber beim ÖGB-Kongress nicht zu spüren und selbst das ist kaum eigenes Verdienst. Stärkende Vitaminstöße verdankt der ÖGB vor allem den Pannen in der Regierungspolitik. Zieht man diese unverdienten Stärkungsmittel ab, bleibt auch nach diesem ÖGB-Kongress der Eindruck eines trägen, schwerfälligen Riesen ohne wirkliche Erneuerungskraft. Man muss sich ja nur das neue alte Präsidium vor Augen führen. Verzetnitsch selbst beginnt seine fünfte Funktionsperiode und hält sich vor allem deshalb, weil von den mächtigen Einzelgewerkschaften keiner dem anderen den Vortritt überlassen will. Die Nürnbergers und Sallmutters beherrschen die Szene und verhindern jeden Strukturprozess. Die Überparteilichkeit ist der heiße Brei, um den jeder herumredet, der schwarze Vizepräsident musste dafür büßen. Und man ist sich nicht zu schade, entgegen jeder wirtschaftlichen Vernunft die Uralt-Forderung der 35-Stunden-Woche aufzuwärmen. In Zeiten wie diesen hätte der ÖGB alle Chancen zu konstruktiver Kreativität. Beim Kongress hat er sie kaum genutzt.

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