"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Parteivolk folgt nicht" (Von Frank Staud)

Ausgabe vom 14. Oktober, aktuelle Version

Innsbruck (OTS) - Herwig van Staa und Hannes Gschwentner haben bei den Landtagswahlen am 28. September beide gewonnen. Die ÖVP holte die Absolute zurück, die Tiroler SPÖ legte um knapp 5 Prozent zu. Doch so richtig zufrieden scheinen weder ÖVP noch SPÖ. Anders ist nicht zu erklären, dass van Staa und Gschwentner im jeweiligen Parteivorstand mit ihrer Linie scheitern könnten. Denn die bisherigen Koalitionspartner wollen trotz der VP-Absoluten auch in den kommenden fünf Jahren gemeinsam regieren. Der ÖVP-Chef argumentierte mit einer breiteren Basis durch Schwarz-Rot und warnte vor einer Fortsetzung des Wahlkampfes, als sich SPÖ, FPÖ und Grüne in einem einzigen Punkt einig waren: "Eine absolute Mehrheit von van Staa muss mit allen Mitteln verhindert werden." Der VP-Chef fürchtet wohl nicht ganz zu unrecht, dass bei einer Alleinregierung die Opposition fünf Jahre lang die schwarze Übermacht Woche für Woche thematisieren wird. Doch der ÖVP-Parteivorstand mit den mächtigen Bündechefs will davon nichts wissen. Das Motto von Steixner, Bodenseer und Co. lautet, wir wollten die Absolute, jetzt müssen wir uns auch trauen, alleine zu regieren. Im Hinterkopf geht es natürlich auch um Posten und Macht. Eine schwarze Alleinregierung bedeutet für die Bünde deutlich mehr Einfluss.
Auch Gschwentner kämpft mit ähnlichen Problemen. Der Parteivorstand will ihm kein Ja zu einer Ehe mit der ÖVP geben. Mächtige Rote haben Angst davor, von der Volkspartei als Feigenblatt missbraucht zu werden. Gschwentner war schon bisher oft vorgeworfen worden, wie ein Ministrant van Staas zu agieren.
Weder VP noch SP wollen den Schwarzen Peter für das Scheitern der Gespräche. Doch es zeichnet sich keine Lösung ab. Van Staa und Gschwentner werden also geschwächt in die neue Periode starten. Keine guten Vorzeichen für eine starke Führung des Landes in den kommenden fünf Jahren.

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