"Neues Volksblatt" Kommentar: "Balancen" (Von Christian Buchar)

Ausgabe vom 14. Oktober 2003

Linz (OTS) - Interessenvertretung in Zeiten kräftiger Reformnotwendigkeiten ist eine steinige Sache. Zu leicht gerät die Balance zwischen Überparteilichkeit, Parteigebundenheit und Arbeitnehmer-Vertretung in eine Schieflage. Der ÖGB stellte diesbezüglich zuletzt ein Paradebeispiel dar. Unter SP-Kanzlern verwöhnt vom Dasein als Nebenregierung taumelte der schrumpfende Riese in eine Phase kollektiver Verwirrung - vom Reformtempo der Regierung noch gezielt verstärkt. Die Reaktion folgte klassischem psychologischem Muster: Man zog sich noch weiter auf eingefahrene Bahnen zurück, versuchte, sich als "Speerspitze" gegen die Regierung Identität zu verschaffen. Überparteilichkeit geriet gegenüber einem Dasein als (besser organisierte) SPÖ-Opposition ins Hintertreffen. Dass das ebenso kein Erfolgsmodell ist wie "speed kills" scheint nun langsam zu dämmern. Reformkonzepte lassen sich nicht durch oberflächliches Sozialabbau-Geschrei ersetzen. Das ÖGB-Pensionsmodell (mit lebenslanger Durchrechnung) ist so gesehen ein achtenswerter Schritt. Vollends ernst zu nehmen ist er aber erst, wenn er sich auch Finanzierungsfragen offen stellt.

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