"Die Presse" Glosse: "Karl-Heinz Grasser im Porzellanladen" (von Andreas Schwarz)

Ausgabe vom 14.10.2003

Wien (OTS) - Es ist nicht die Tatsache, dass er Aktien besitzt. Es ist auch, aber nicht nur das Gesetz, gegen dessen Buchstaben der Finanzminister verstieß, als er sein "Mini-Aktienpaket" nicht meldete. Und es ist schließlich nicht nur die Art, mit der Karl-Heinz Grasser durch das Porzellan der Republik trampelt, mit der sich der Ex-Sunnyboy als Minister diskreditiert. Obwohl: Wenn sich Grasser bei der Bekanntgabe seiner Aktien um drei Kommastellen irrt, fragt der Steuerzahler zu Recht, ob er das ungestraft auch tun darf. Und wenn er ein 80.000-Euro-Aktienpaket als "nicht der Rede wert" bezeichnet, fühlt sich der durchschnittliche Österreicher verhöhnt, der von diesem Betrag (brutto) dreieinhalb Jahre leben muss.
Aber entscheidend für das politische Schicksal des Finanzministers wird sein, ob an den Vorwürfen etwas dran ist, die die Grünen erheben: Über Insiderwissen, wenn es denn vorhanden war bei Grassers Aktiengeschäften, kann sich auch der sonnigste Minister nicht so einfach hinwegturnen. Beim Rest dagegen hat Grasser ja schon einige Turnübung.

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