"Kleine Zeitung" Kommentar: "Verkehrte Welt: Warum steuern Piloten die AUA auf Crashkurs?" (von Wolfgang Simonitsch)

Ausgabe vom 13.10.2003

Graz (OTS) - Können Sie sich das vorstellen? Da stecken sonst so noble, bedächtige und umsichtige AUA-Piloten im Dutzend wie Lausbuben ihre Finger in den Mund und empfangen die aufkreuzenden AUA-Chefs mit einem gellenden Pfeifkonzert. Zornige Pfui-Rufe, unterstützt von trillerpfeifenden Stewardessen hallen kurz nach Streikbeginn vor dem AUA-Mannschaftsgebäude beim Flughafen Wien-Schwechat durch die Luft.

Verkehrte Welt? Oder hört sich, wenn es um Geld geht - die AUA-Piloten sollen in Zukunft weniger steile Lohnsteigerungen in Kauf nehmen -, alles auf? Die Wut der die Arbeit verweigernden fast 500 Flieger, die in der Öffentlichkeit gern als "Klub der fliegenden Millionäre" diffamiert werden, hat handfeste Motive. Sie fühlen sich vom AUA-Vorstand massiv verschaukelt.

Denn die Behauptung der ach so tollen Piloten-Gagen - brutto monatlich bis zu 15.000 Euro - treffe nur auf ein paar altgediente AUA-Kapitäne zu. Ein beispielsweise seit neun Jahren aktiver, inzwischen zum Co-Pilot aufgestiegener Airbus-Lenker verdient pro Monat, alles in allem, nur 3500 Euro.

Wirklich auf die Palme treibt die gewöhnlich beherrschten Herren aber der konsequente Dreh der AUA-Chefs, die immer wieder davon reden, die geplante Einsparung von 30 Millionen Euro bei den AUA-Piloten bis 2008, Auslöser für den nur unterbrochenen Streik, sei eine Überlebensfrage für den ganzen Konzern.

Das ist ein Riesen-Bluff, freilich ein wirksamer in der Öffentlichkeit. Denn die Erreichung dieses Sparziels führte nur dazu, dass der Anteil der Personal- an den Gesamtkosten des Konzerns von 17 auf 16 Prozent sinkt. Darauf kann es nicht ankommen. Tatsächlich geht es den AUA-Chefs, die auf einem gigantischen Schuldenberg von mehr als drei Milliarden Euro sitzen und einen schwierigen Sanierer-Job leisten müssen, um wesentlich mehr.

Sie wollen die weltweite dramatisch verschärfte Krise der Luftfahrt für Durchstechereien nutzen. Der Augenblick scheint ihnen günstig, das öffentliche Verständnis groß genug, mit einem Kraftakt alte und teure Gepflogenheiten im Konzern über Bord zu werfen.

Am Beispiel der streikenden AUA-Piloten: Wenn sie das Sparziel akzeptieren, werden sie billiger und so im Gesamtkonzern auch für andere Jobs einsetzbar. Damit verzichteten sie auch auf den im Konzern nur beim alten AUA-Kern üblichen Lebenszeit-Karriereplan. Ein Dreißigjähriger bliebe auf der Karrierestufe stecken. Auch das macht viele so wütend und kampfbereit. ****

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