IFAP: Kontrolle über Lebensmittelmarkt nicht einigen Multis überlassen

Stellungnahme des Welt-Bauernverbandes zu Welt-Ernährungstag

Wien (AIZ) - Anlässlich des Welternährungstages 2003 am 16.10. verfasste Jack Wilkinson, der Präsident der Internationalen Föderation der Agrar-Produzenten (IFAP), einen öffentlichen Brief. Dieser befasst sich mit der Angst der Landwirte vor der Zukunft, da diese oft nicht einmal ihre eigenen Familien ernähren könnten. Wilkinson fordert die Konsumenten auf, darüber nachzudenken, woher ihre Nahrung kommt und wie die Geschichte der produzierenden Bauern aussieht, die in der Regel nur einen geringen Bruchteil des im Geschäft ausgegebenen Geldes erhalten. Die IFAP hat aus diesen Gründen eine Initiative gestartet, welche die Landwirte - vor allem in den Entwicklungsländern - stärken soll. Nationale Regierungen und internationale Vereinigungen seien aufgefordert, die Sicherung des Lebensmittel- und Agrarmarktes zu gewährleisten und nicht nur der Kontrolle durch einige große multinationale Konzerne zu überlassen.

840 Mio. Menschen leben in Armut, die meisten davon sind Bauern

"Während jedermann am 16.10. den Welternährungstag feiert, leben diejenigen, die unsere Lebensmittel produzieren, in Angst vor der Zukunft. Die Welt steht einem Paradoxon gegenüber: Die Aufgabe der Bauern ist es, alle mit Nahrung zu versorgen, doch können viele von ihnen nicht einmal sich selbst und ihre Familien versorgen", schreibt Wilkinson. So würden 840 Mio. Menschen noch immer in Hungersnot leben, die meisten von ihnen Bauern. "Wie können wir den Hunger besiegen und Lebensmittelsicherheit ohne die Bauern erzielen?", so der IFAP-Präsident.

Welternährungstag: Leistungen der Bauern würdigen, Probleme aufzeigen

Einen Welternährungstag zu feiern heiße einerseits die enormen Leistungen der Landwirte zu würdigen, welche hohe Qualität in umweltfreundlicher Weise und den Tierschutz beachtend produzieren, und andererseits die enormen Herausforderungen zu unterstreichen, denen Landwirte gegenüberstehen, die mit dem Überleben kämpfen.

Bauern fordern konkrete Maßnahmen im Kampf gegen den Hunger

Während die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zu einer "internationalen Allianz gegen den Hunger aufruft", fordern Bauern weltweit konkrete Maßnahmen, die sich dieser kritischen Situation widmen. "Es ist Zeit, in den Kampf gegen den Hunger einzusteigen, ein Kampf zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Bauern", so Wilkinson.

Nur 20% des vom Konsumenten ausgegebenen Geldes erreichen Landwirte

"Was wissen die Konsumenten über die Geschichte der Bauern hinter den Lebensmitteln, die sie tagtäglich essen? Sind sie sich darüber im Klaren, dass weniger als 20% des Geldes, das sie jeden Tag für Nahrung ausgeben, an die Landwirte gehen? Sogar bei 'fair trade'-Produkten wie beispielsweise 'fair trade-Bananen', verschwinden drei Viertel des vom Konsumenten ausgegebenen Geldes in den Taschen der Lebensmittel-Industrie und gelangen nicht zu den Bauern", schreibt Wilkinson weiter.

Bauern zu gleichgestellten Partnern in Lebensmittelkette aufbauen

Konkrete Aktionen, die sich auf diese dramatische Situation beziehen, würden unterstützende nationale Initiativen durch geeignete Gesetze oder professionelle Rahmenprogramme, um die Position der Landwirte in der Lebensmittelkette zu stärken, bedeuten. Wenn Hunger und Armut reduziert werden sollen, müsse die Marktkraft der Bauern in Relativität zu den anderen Gliedern in der Lebensmittelerzeugerkette aufgebaut werden. Eine effektive Partnerschaft sei eine Partnerschaft zwischen Gleichgestellten, und viel zu oft wären gerade die Bauern ungleiche "Mitspieler", zeigte sich Wilkinson überzeugt.

Entwicklungsinitiative der IFAP zur Stärkung der Bauern in Entwicklungsländern

Als Antwort auf dieses Problem hat die IFAP eine Entwicklungs-Initiative gestartet, wo Bauernorganisationen von Industrieländern helfen, ähnliche Vereinigungen in Entwicklungsländern zu stärken. "Das ist unser Beitrag zu der internationalen Allianz", so die IFAP. Doch Landwirte könnten dies nicht alleine bewerkstelligen. Nationale Regierungen und internationale Institutionen seien aufgefordert, der Sicherung des Lebensmittel- und Agrarmarktes viel mehr Beachtung zu schenken, und dies nicht nur der Kontrolle durch einige große multinationale Konzerne zu überlassen.
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