Faymann: Bewohner wirken an Kunst-Gestaltung ihres Wohnhauses mit

Matt Mullican-Kunstwerke für Buwog Wohnbau präsentiert

Wien (OTS) - Bei der Errichtung der Wienerberg City ist der interessante Versuch gestartet worden, ein Kunstwerk unter Einbeziehung der zukünftigen Bewohner zu schaffen. Der New Yorker Künstler Matt Mullican hatte die künftigen Mieter des Buwog-Teils der Wienerberg City eingeladen, Gegenstände des täglichen Gebrauchs zur Verfügung zu stellen. Von diesen Gegenständen - sie reichen von Schlüsseln über Roller-Skater bis zu Turnschuhen - wurden unter der künstlerischen Obhut von Matt Mullican Abgüsse erzeugt. Letztendlich wurden zehn als Reliefs bzw. Skulpturen ausgeformte Aluminiumplatten entwickelt, die das Wohnprojekt zieren. "Damit steht Kunst nicht als Gegensatz zum Wohnen, sondern das Kunstwerk wird zum Bestandteil der Lebensgewohnheiten der Bewohner", erklärte Wohnbaustadtrat Werner Faymann, der selbst einen Bauarbeiterhelm für das Kunst-Projekt beitrug. "Dieser Helm steht als Erinnerung für die Arbeiter, die Wohnprojekte, wie die Wienerberg City erst ermöglichen."****

Das Wohnprojekt "Hängende Gärten"

Der Spatenstich für das Buwog-Wohnprojekt "Hängende Gärten" war im Dezember 2001. Es ist Teil der "Wienerberg City", einem neuen Favoritner Bezirksteil mit mehr als 1.200 Wohnungen. Im Juli 2003 sind die ersten Mieter in ihre neuen Wohnungen eingezogen. Die von Architekten Lautner geplanten 101 Wohnungen sind zwischen 33 und 109 m2 groß und sind südseitig orientiert. Gemeinschaftsräume und Wintergärten dienen der Kommunikation der Bewohner. Ein zentraler Grünraum im Gebäude verbindet die unterschiedlichen Bauteile.

Die "hängenden Gärten" charakterisieren das Bepflanzungskonzept. Die Kletter- und Rankgewächse, Rosen- und Kräutergärten werden von den Bewohnern gepflegt. Dachgärten ergänzen das großzügige Grünangebot.

Die Stadt hat die Errichtung der 58 Mietwohnungen mit 1,6 Millionen Euro aus Wohnbauförderungsmitteln gefördert. Die 43 Eigentumswohnungen sind frei finanziert. Die Gesamterrichtungskosten liegen bei 5,6 Millionen Euro.

Es sind noch Eigentumswohnungen frei. Interessierte erhalten bei der Buwog (Tel.: 87828-0) nähere Informationen. Darüber hinaus findet im Wohnservice Wien (http://www.wohnservice-wien.at/) eine Sonderausstellung und ein Informationsabend über die Wienerberg City statt.
o SONDERAUSSTELLUNG "WIENERBERG CITY" IM WOHNSERVICE WIEN

20. Oktober - 14. November 2003 im Wohnservice Wien ("Media Tower" beim Schwedenplatz, Taborstraße 1-3, 1020 Wien) Montag bis Freitag 8 - 20 Uhr o INFORMATIONSABEND "WIENERBERG CITY" am Montag, den 10. November 2003 um 18:00 Uhr in der Wohnservice Wien - Wohnberatung ("Media Tower" beim Schwedenplatz, Taborstraße 1-3, 1020 Wien) in Anwesenheit der Bauträger - mit persönlicher Beratung Matt Mullican - No smoke without fire

Lebenslauf von Matt Mulican

Dem New Yorker Künstler Matt Mullican, 1951 in Santa Monica Cal. geboren, wurde im Jahr 2000/2001 eine große Überblicksausstellung mit dem Titel "More Details From an Imaginary Universe" gewidmet, die verschiedene Stationen in Europa hatte. Sie war unter anderem im Kunstmuseum St. Gallen zu sehen.

In Auseinandersetzung mit den uns umgebenden Zeichen, Piktogrammen und Bildern hat Matt Mullican in langjähriger Arbeit einen eigenen Kosmos symbolischer Formen geschaffen, die in seinem Werk immer wieder auftauchen und durch Wiederholungen, Kontextbildung und wechselseitige Verweise eine Art Privatsprache generieren. Doch geht es Matt Mullican nicht darum, konkrete Bedeutungen zu vermitteln oder um Sinnstiftung, sondern eher um das Verstehen symbolischer Prozesse und der formalen Analyse ihrer Strukturen.

Von grundlegendem Interesse für den Künstler waren dabei von Beginn an Phänomene der Projektion und die sich hierdurch erschließende Möglichkeit eine eigene imaginäre Welt zu erzeugen. Die Problematik der Grenzüberschreitung wurde damit zu einem wichtigen Moment in seinem Schaffen. In den siebziger Jahren thematisierte Mullican sie in verschiedenen Performances als "Ins-Bild-Gehen" und später auch in den Performances unter Hypnose. Die hiermit implizit angesprochene Frage nach dem Status und der Geltung der so geschaffenen imaginären Welten stellt sich aber in allen Werken Mullicans, zumal der Künstler die Subjektivität der Welterzeugung und -aneignung immer wieder betont und auch den totalitären Aspekt dieser Wirklichkeitskonstrukte sichtbar macht. Die Computer generierten Stadtbilder, die auf den allegorischen "Charts" des Künstlers aufbauen, und seine großformatigen "flags" zeigen dies besonders deutlich. Durch die situative Einbindung der "flags" in unterschiedliche Kontexte entwickeln sie auf Grund ihrer piktoralen Prägnanz und extremen Formalisierung bei gleichzeitiger "Bedeutungslosigkeit" aber auch ein reflexives Moment, dem kritische Brisanz eignet.

Dieses subversive Potential kommt auch in den neuesten Werken Mullicans zur Geltung, kurzen zeichentrickfilmartigen Computeranimationen, die der Künstler "Animations" nennt. Sie zeigen ähnlich wie die Zeichnungsserien der 70iger Jahre Fragmente einer imaginären Welt. Die Stilisierung und Flachheit der Darstellung dieser "Details" tragen zur emblematischen Wirkung der Animationen bei, der ihnen einen archetypischen Charakter verleiht. Gleichzeitig jedoch bewegen sich diese auf Grund ihrer extremen Simplizität an der Grenze zur Banalität. So erscheinen die Animationen "smoke", "clock", "death", "shadow I and II" oder auch "boiling pot" in einer fruchtbaren Spannung von Banalität und Symbolhaftigkeit. Sie bilden eine Antithese zu den ebenfalls in der Ausstellung erstmals gezeigten neuen "Stills", die gleichsam in der Totalen Überblick über weite künstliche Landschaften bieten. Zwar setzen diese grenzenlos weiten Landschaften dem aneignenden Blick des Betrachters nichts entgegen, doch zugleich entziehen sie sich ihm in ihrer abstrakten bildnerischen Konstruktion, die zu ihrer auratischen Wirkung beiträgt. (Schluss) gmp

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