Stenzel: Rettung der Kunstschätze - ein unerlässlicher Beitrag zur Selbstfindung Afghanistans

Ursula Stenzel setzt Initiative, um afghanische Kulturgüter zu retten

Wien, 10. Oktober 2003 (ÖVP-PK) "Die Rettung afghanischer Kulturgüter muss im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau einer staatlichen und wirtschaftlichen Ordnung Afghanistans gesehen werden. Die Wiederherstellung des Nationalmuseums in Kabul und seiner Kunstschätze ist ein unerlässlicher Beitrag zur Selbstfindung Afghanistans und genauso wichtig wie
Wirtschaftshilfe und der Aufbau demokratischer Strukturen",
sagte heute, Freitag, ÖVP-Abgeordnete im Europäischen
Parlament Ursula Stenzel bei einer zum Thema "Solidarität mit Afghanistan - Österreichische Initiativen - Schutz der
Kulturgüter - Friedensarbeit" u.a. mit der afghanischen Frauenministerin Sarabi und Frauenministerin Maria Rauch-
Kallat.

Zur Vorgeschichte erklärte Stenzel, dass sie im Sommer an
einer Fact finding Mission des Europäischen Parlaments nach Afghanistan teilgenommen habe. Die Mission habe mit einer
makaberen "sightseeing tour" durch das von Krieg und
Bürgerkrieg zerstörte Afghanistan begonnen. Erste Station war
das von den Taliban verwüstete National Museum, das gerade
begonnen wurde, mit bescheidensten Mitteln wieder aufgebaut zu werden.

Im Februar 2001 habe der Führer der Taliban Mullah Mohammed Omar dekretiert, dass alle Zeugnisse einer vorislamischen
Geschichte blasphemisch seien. Eine unvorstellbare
Bilderstürmerei war die Folge: ihr fielen nicht nur die Buddha-Statuen in Bagwan zum Opfer, sondern auch unschätzbare Kunstwerke des National-Museums in Kabul, darunter bedeutende Zeugnisse einer prä-islamischen Kultur, die sich "Kafir" -ein Ausdruck, der "heidnisch" bedeutet, nenne und sich bis Ende
des 19. Jahrhunderts im Nordosten Afghanistans gehalten habe.
Erst nach der (Zwangs)-Islamisierung dieser Provinzen, die
seither den Namen "Nuristan" trage - "Land der Erleuchtung" -
wurden viele Kultstätten der Kafiris zerstört.

Ein österreichischer Wissenschafter, Dr. Max Klimburg -Kunsthistoriker und Ethnologe, hat sich große Verdienste um
die Erforschung dieser Kafiri-Kultur gemacht, und seine
Sammlung der archaischen Holzplastiken dem Nationalmuseum in
Kabul vermacht. "Ich selbst sah einen Teil dieser
Holzplastiken, bzw. das, was von ihnen übrig ist, im
Nationalmuseum liegen und habe mich unmittelbar nach meiner Rückkehr darum bemüht, dass das österreichische
Außenministerium im Rahmen seiner Entwicklungshilfe eine Reise
von Dr. Klimburg und einem Holzrestaurateur nach Kabul
finanziert und damit eine erste Bestandsaufnahme der Schäden,
sowie der Chancen der Rettung dieser Kunstwerke, ermöglicht",
so Stenzel.

Die EU-Abgeordnete bedankte sich bei Außenministerin Ferrero-Waldner, die dieses Projekt von Anfang an unterstützt
habe - als Beitrag Österreichs zur Wiederherstellung der
nationalen Identität Afghanistans. "Ich hoffe, dass diese
erste Mission ein erster Schritt ist, dem weitere Folgen
werden. Wenn die Republik Österreich sich an der Rettung der afghanischen Kulturgüter beteiligt, wird sich auch die UNESCO
an den Kosten dieser Initiative beteiligen", so Stenzel. Die
Rettung der afghanischen Kulturgüter sei ebenso wichtig, wie
die Rettung der irakischen Kulturgüter. In beiden Fällen wurde kulturelles Erbe durch Krieg und Plünderung dezimiert und zerstört. In Afghanistan zusätzlich noch durch einen Akt der barbarischen Bilderstürmerei, so Stenzel abschließend.

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