ABCSD: Jonathan Lash bei Plenarveranstaltung am 9.10.2003

Ein Jahr nach dem UN-Erdgipfel in Johannesburg zur Nachhaltigen Entwicklung sind keine merkbaren Fortschritte in Richtung einer Nachhaltigen Entwicklung feststellbar

Wien (OTS) - (ABCSD) Im Rahmen der 7. Generalversammlung lud der Austrian Business Council for Sustainable Development (ABCSD) ins Haus der Industrie zu einem Vortrag des Präsident des World Resources Institute Jonathan Lash.

In seinem Eingangsstatement betonte ABCSD-Präsident Erich Becker, dass sich zwar mit dem Ende des UN-Gipfels zur Nachhaltigen Entwicklung 2002 in Johannesburg global gesehen die Anzahl der Akteure und der Initiativen im Bereich der Nachhaltigen Entwicklung erhöht hat, jedoch konnte in diesem Jahr kein wirklich spürbarer Schritt in Richtung der Milleniumsziele (Wasser, Energie, Armut) festgestellt werden.

Betrachtet man zum Beispiel die globale Situation des Wassers, so hat sich die Situation nicht wirklich verbessert. Ein Ergebnis von Johannesburg war das politische Ziel bis 2015 den prozentuellen Anteil jener Menschen, die keinen Zugang zu sauberen Trinkwasser und / oder sanitären Anlagen haben zu halbieren.

"Umgerechnet würde dies bedeuten, dass täglich weitere 200.000 Menschen mit sauberen Trinkwasser und 400.000 mit sanitären Anlagen versorgt werden müssten. Ein scheinbar unerreichbares Ziel", machte Becker deutlich. Zieht man in Betracht, dass es einerseits an den notwendigen strukturellen Rahmenbedingung und andererseits an den notwendigen Finanzierungen fehlt, so muss dieses Ziel als sehr ambitioniert bewertet werden.

Ein anderes Beispiel ist Energie. In Johannesburg wurde vereinbart, den Energiemix in Richtung erneuerbare Energien oder energieeffizienten Technologien zu lenken.
Betrachtet man jedoch den prognostizierten künftigen Bedarf an Energie und die damit verbundenen benötigten Energieträger, schaut es derzeit nicht danach aus, dass dieses Vorhaben von Erfolg gekrönt sein wird.

Die IEA (International Energy Agency) prognostiziert in ihrem World Energy Outlook 2002 für den Zeitraum 2000 bis 2030 einen Anstieg der Nachfrage an primärer Energie um 66 Prozent.

Auch der Verbrauch von elektrischer Energie soll sich bis 2020 nahezu verdoppeln (auf 22,4 Mio GWh). Der Energiemix zu Bereitstellung dieser elektrischen Energie setzt sich derzeit (2001) zusammen aus: 39% Kohle, 18% Gas, 17% Nuklearenergie, 8% Öl und 18% aus erneuerbaren Energieträgern. Bei den erneuerbaren Energieträgern stammen mehr als 90 % aus der Wasserkraft.

"Diese Ziffern belegen, dass - aufgrund des rasch wachsenden Energiebedarfes - der relative Anteil der erneuerbaren Energieträger sogar rückläufig ist", so Becker.Gemäß den vorliegenden Prognosen erwartet er, dass sich der Anteil der erneuerbaren Energieträger bis 2020 mit etwa 20% eher stagniert.

Jonathan Lash spezifizierte in seinem Referat diese Analyse. Durch den Anstieg der Bevölkerungszahl muss festgestellt werden, dass bei aller optimistischen Prognose, die absolute Anzahl derjenigen die keinen Zugang zu sauberen Trinkwasser haben, gleich bleiben wird:
"Der Anteil der Weltbevölkerung, die unter Wasserknappheit leidet, wird sich in den nächsten 30 Jahren sogar verdoppeln", so die pessimistische Prognose von Lash.

Dennoch ist Lash optimistisch, dass eine Trendwende in der Entwicklung möglich ist. "Wir müssen uns endlich von der Vorstellung trennen, dass wirtschaftliches Wachstum zwangsläufig mit mehr Emissionen oder Ressourcen verbunden sein muss", so Lash eindringlich. Als Beispiel diente die Entwicklung der SO2 Emissionen und sogar der CO2-Emissionen im Vergleich zum GDP (Gross Domestic Product, BID - Bruttoinlandsprudukt). Einer Steigerung des GDP um 150% seit 1980 steht die Steigerung der CO2-Emissionen um ca. 120 Prozent gegenüber. Bei den SO2-Emissionen konnte sogar eine Verringerung um 30 Prozent erzielt werden. Gerade das Erfolgsbeispiel SO2 zeige, dass der Ansatz des Zertifikatshandels auch für die Lösung des CO2-Problems durchaus sinnvoll erscheine, so Lash.

Zum Abschluss betonte Lash, dass es noch nicht zu spät sei, die Entwicklung ins positive zu kehren. Viele Beispiel - auch von den Unternehmen selbst - geben berechtigte Hoffnung.

Der Austrian Business Council for Sustainable Development (ABCSD) ist eine Vereinigung von 62 österreichischen Unternehmern, die in der Vereinigung von wirtschaftlichen Wachstum um umfassenden Umweltschutz keinen Widerspruch sehen. Im Rahmen der 7. Generalversammlung wurde Erich Becker für weitere zwei Jahre zum ABCSD-Präsidenten gewählt.

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