Offener Brief an den Österreichischen Gewerkschaftsbund

Wien (OTS) -

An den Österreichischen Gewerkschaftsbund Herrn Präsident Fritz Verzetnitsch

Betrifft: Offener Brief

Sehr geehrter Herr Präsident! Donnerstag, 9. Oktober 2003

In den drei Gesprächsrunden mit Ihrer Teilgewerkschaft Handel, Transport und Verkehr (HTV) und unserem Austrian Bordbetriebsrat, die unter Ihrer und der Patronanz von Wirtschaftskammer-Präsident Dr. Christoph Leitl stattgefunden und an denen Sie persönlich teilgenommen haben, haben Sie Ihr Verständnis für unsere Notwendigkeit zur nachhaltigen Kostensenkung im Austrian Flugbetrieb bestätigt.

Wir präsentierten Ihnen und Ihrem Verhandlungsteam in transparenter Art und Weise die prekäre Wettbewerbssituation, in der sich der Austrian Flugbetrieb aufgrund seines für die heutigen Marktbedingungen viel zu hohen Kostenniveaus befindet. Des Weiteren legten wir Ihnen unser Wachstumskonzept vor, das - wenn es zu einer gemeinsamen Gestaltung wettbewerbsfähiger Kollektivvertragsbedingungen mit den erforderlichen Kostensenkungen gekommen wäre - nicht nur die Arbeitsplätze innerhalb des Austrian Flugbetriebes gesichert und gehalten, sondern diesem Flugbetrieb auch wieder Wachstumsmöglichkeiten im Markt verliehen hätte. In ebensolcher Klarheit stellten wir aber das Alternativszenario vor, das die notwendigen Kosteneinsparungen mit Produktionsverlagerungen in die Schwesterunternehmen Austrian arrows und Lauda erbringt, wobei wir mit Augenmaß und sozialer Abstützung vorgehen würden. Wir waren im gesamten bisherigen Verhandlungsverlauf zielführenden Gesprächen um eine gemeinsame Lösung immer aufgeschlossen.

Wir haben im Alternativszenario eine - in Österreich aus unserer Sicht einmalige - Garantie für ein Weiterbeschäftigungsangebot für Austrian Piloten im Falle eines Personalüberhangs abgegeben - wie im Übrigen von Ihnen angeregt. Da sich der Austrian Bordbetriebsrat weiterhin der gemeinsamen Gestaltung von zukunftsfähigen Lösungen verwehrt hat, müssen wir nun diese Alternativvariante vorbereiten. Wir haben gemäß Ihrer diesbezüglichen Anregung angenommen, dass eine möglichst friktionsfreie Umsetzung auf Basis dieser sozial kompetenten Begleitmaßnahme eingeleitet werden kann.

Umso mehr müssen wir nun unserer Verwunderung Ausdruck verleihen, dass die Gewerkschaft nun nicht mäßigend auf die Gewerkschaft HTV

und den Austrian Bordbetriebsrat einwirkt, die in unverhohlener Art und Weise an den Vorbereitungen weiterer Streiks arbeitet, die nach wie vor jeglicher Grundlage entbehren. Wir dürfen festhalten, dass in unserer Alternativvariante in bestehende Kollektivvertrags-Bestimmungen nicht eingegriffen wird.

Neben einem substanziellen finanziellen und noch größeren Imageschaden, der unserer Gesellschaft mittlerweile daraus erwachsen ist, wiegt der Umstand am schwersten, dass der Austrian Bordbetriebsrat scheinbar versucht mit schweigender Zustimmung der Gewerkschaft seine Blockade auf dem Rücken unsere österreichischen und internationalen Fluggäste durchzusetzen.

Sehr geehrter Herr Präsident, dies führt uns zu der direkten Frage, ob Sie sich als Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes für möglicherweise bevorstehende Störmaßnahmen des Austrian Bordbetriebsrats namens des ÖGB hinter diese stellen und einen Streik, der unserer Auffassung nach jeglicher Grundlage entbehrt, dezidiert unterstützen.

In diesem Zusammenhang möchten wir anführen, dass wir kein Verständnis dafür hätten, wenn die Gewerkschaft HTV ein solches firmenschädigendes Vorhaben unterstützen würde. Wir möchten Sie darüber hinaus informieren, dass unsere rd. 3.500 kaufmännisch-technischen Angestellten, die mehrheitlich in Ihrer Teilgewerkschaft Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) organisiert sind, ebenfalls kein Verständnis dafür haben, dass die Gewerkschaft HTV hier für die Interessen einer kleinen Gruppe der bestbezahlten Mitarbeiter eintritt und damit die Arbeitsplätze aller 7.000 Mitarbeiter gefährdet.

Sehr geehrter Herr Präsident, aufgrund der Dringlichkeit der Angelegenheit ersuchen wir Sie um Ihre geschätzte umgehende Stellungnahme.

Mit freundlichen Grüßen

Vagn Soerensen Mag. Thomas Kleibl Dr. Josef E. Burger Dr. Walter Bock

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