Cartellverband für verpflichtendes Auslandssemester

ÖCV-Präsident Borchardt weiters: "Verfassungsmehrheit im Schulbereich, keinen Wildwuchs bei Fachhochschulen, 30 Mio. Euro Vorgriff auf Forschungsgelder"

Wien (OTS) - Für die Einführung eines verpflichtenden Auslandssemesters an Österreichs Hochschulen sprach sich heute, Donnerstag, Leo Borchardt, Präsident des Österreichischen Cartellverbandes, im Rahmen einer Pressekonferenz zur Qualitätssicherung im Bildungsbereich aus. "Derzeit verbringen rund ein Drittel der Absolventen einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland. Entschieden zu wenig, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit Österreichs nachhaltig zu stärken." Schon heute bestehen im Fachhochschulbereich vereinzelt verpflichtende Auslandsaufenthalte. Borchardt erwartet sich bei der nächsten Novelle der Studienpläne eine Berücksichtigung dieses Vorhabens. Grundlage für die Finanzierung des verpflichtenden Auslandsaufenthaltes sollen Kooperationsmodelle zwischen Universitäten und Wirtschaft sein, wie sie im Schulbereich bereits existieren. Borchardt:
"Selbstverständlich müssen aber Ausnahmen gerade für Studierende mit Kindern oder Berufstätige gemacht werden."

Borchardt sprach sich auch klar gegen eine Pauschalaufhebung der Verfassungsmehrheiten im Schulbereich aus. Der ÖCV Präsident gab zu bedenken, dass damit bei jedem Regierungswechsel dem österreichischen Schulwesen ein Farbenstempel aufgedrückt werden könne, der diesem nachhaltigen Schaden zufüge. Borchardt konkret: "So könnte von heute auf morgen die Gesamtschule eingeführt und unserer Bildungsvielfalt ein abruptes Ende gesetzt werden."

Die explosionsartige Entwicklung der Fachhochschulen erfordert nun eine sinnvolle Verteilung der zur Verfügung stehenden Mittel. Schärfere Akkreditierungsregeln für neue Studiengänge, mehr Qualitätsverantwortung durch die Erhalter und jährliche Evaluierungsberichte mit internationalen Vergleichen durch den Fachhochschulrat sind für Borchardt absolut erforderlich, um die Qualität im Fachhochschulbereich zu sichern. Borchardt: "Wenn der Wildwuchs im Fachhochschulbereich unkontrolliert weitergeht, befürchten wir, dass die Erfolgsstory Fachhochschulen sehr rasch an Glanz verlieren könnte."

Im Forschungsbereich ortet der ÖCV für das heurige Jahr Mittelknappheit. Die Überleitung der Universitäten in das neue Universitätsgesetz bedeutet derzeit einen zusätzlichen administrativen Aufwand. "Im nächsten Jahr sind die Universitäten besser dotiert. Um sicher zu stellen, dass die Forschung kontinuierlich weitergeführt werden kann, regen wir einen Vorgriff auf das kommende Budget in der Höhe von 30 Millionen Euro an", so Prof. Norbert Vana, der hochschulpolitische Referent des ÖCV, im Rahmen der Pressekonferenz.

Da durch das neue Unigesetz vor allem für den Mittelbau kein Vertretungskörper vorgesehen ist, bietet sich der ÖCV als Plattform für das Zusammentreffen der Universitätslehrer an.

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Dr. Alexander Biach
ÖCV-Pressereferent
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