ÖAMTC: Alkohol am Steuer nie unterschätzen

1.272 Alko-Unfälle im ersten Halbjahr 2003 auf Österreichs Straßen

Wien (ÖAMTC-Presse) - Die Zahl der Alkoholunfälle steigt in Österreich seit fünf Jahren an. Der ÖAMTC begrüßt daher die Kampagne "Alkoholselbstkontrolle", die heute von ORF, Kuratorium für Verkehrssicherheit und Bundesministerium für Inneres vorgestellt wurde. "Alkohol am Steuer darf nie unterschätzt werden. Wer unbeherrscht Alkohol trinkt und ein Fahrzeug lenkt, handelt geradezu kriminell", sagt ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer. "Bewusstseinsbildung ist weiterhin unbedingt notwendig, wie die Halbjahres-Unfallzahlen 2003 zeigen."

Von Jänner bis Juni dieses Jahres gab es österreichweit 1.272 Alkoholunfälle, das bedeutet ein Plus von fünf Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Lediglich in Ober- und Niederösterreich sowie in Salzburg und in Wien sind die Halbjahres-Zahlen im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen, ansonsten gibt es in allen Bundesländern eklatante Steigerungen. So etwa auch in Kärnten mit plus 37 Prozent Alkoholunfälle und plus 52 Prozent Verletzte. Mit größerem Abstand führt die Steiermark die Liste an mit 271 Alkoholunfällen und 388 dabei verletzten Personen. Dennoch gibt es auch eine positive Nachricht: Die Zahl der Getöteten bei Alkoholunfällen ist österreichweit deutlich, nämlich um 23 Prozent, zurückgegangen.

Problem "Minder-Alkoholisierung" muss thematisiert werden

Auch auf das oft unterschätzte Problem der sogenannten "Minder-Alkoholisierungen" darf bei der Bewusstseinsbildung nicht vergessen werden. Ein "Spritzer" beim Heurigen zur Jause oder ein "Seiderl" zum Gulasch - daraus ergibt sich im Normalfall noch kein Alkoholproblem. Der zweite oder dritte "Spritzer" oder auch ein "Krügerl" können schon Aufmerksamkeitsverluste und somit erhöhtes Unfallrisiko mit sich bringen. "Selbst wenn man noch weit vom gesetzlichen Limit der bekannten 0,5 Promille liegt, kommt es zu einer Haftung bei einem Verkehrsunfall, wenn sich herausstellt, dass dieser Alkoholkonsum für die Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit verantwortlich war", weiß Hoffer. Die Folgen sind dann schwerwiegend:
Minderung eigener Ersatzansprüche, Haftung für Schäden des Unfallgegners und versicherungs- oder gar strafrechtliche Folgen, wie etwa die sogenannte "Vorstrafe".

Unterschätzt wird häufig auch der "Restalkohol" am Morgen nach einem geselligen Abend. "Ein verantwortungsbewusster Führerscheinbesitzer lässt nach einem alkoholreichen Abend das Auto stehen und fährt öffentlich oder mit dem Taxi heim", erläutert der ÖAMTC-Jurist. "Am nächsten Tag muss er zur Arbeit fahren oder startet zum Familienausflug ins Wochenende. Das Auto sollte er auch dann noch nicht in Betrieb nehmen."

Wer im Laufe des Abends etliche "Krügerl" und "Spritzer", dann noch ein paar "Schnapserl" kippt, der kommt leicht über ein Promille. "Geht er nun nach Mitternacht schlafen und setzt sich am nächsten Tag um 8 Uhr ins Auto, dann sind noch gute 0,3 bis 0,5 Promille im Blut", nennt Hoffer eine durchaus realistische Zahl. Womöglich "übernachtig" sitzt der Lenker dann am Steuer und kann dann vermutlich nicht jede Verkehrssituation gefahrlos bewältigen. "Der Lenker fährt vielleicht gerade noch legal, weil unterhalb der 0,5 Promille-Grenze. Eine Beeinträchtigung der Fahrtauglichkeit ist aber nicht ausgeschlossen und eine Verantwortung für einen Unfall daher möglich", erläutert Hoffer. "Häufig wird auch versucht, das Kopfweh und den "Kater" mit Medikamenten zu bekämpfen, was die Reaktionsfähigkeit noch weiter herabsetzt." Ist das Alkoholniveau höher, droht auch am Tag nach dem "Rausch" eine Verwaltungsstrafe und sogar die Entziehung der Lenkberechtigung.

Noch verschärft: Für Probeführerschein-Besitzer, Lenker von Lkw über 7,5 Tonnen und Busfahrer gilt die 0,1 Promille-Grenze. Am Vorabend ist Alkohol somit wirklich tabu.

Alkoholtest verweigern kann auch Nüchternen den Schein kosten

Wer den Alkoholtest verweigert, obwohl völlig nüchtern, muss dennoch mit hohen Strafen rechnen. "Diese Tatsache sollte jedem bekannt und bewusst sein", sagt Hoffer. Verweigerung wird grundsätzlich mit höchster Alkoholisierung gleichgestellt bei einem Strafsatz von mindestens 1.162 Euro.

Der ÖAMTC-Jurist rät daher jedem "auch noch so nüchternen" Fahrzeuglenker alles zu tun, um mindestens zwei gültige Mess-Ergebnisse zustande zu bringen. An die Exekutive appelliert Hoffer, auf die Folgen einer Verweigerung deutlich hinweisen, sodass keine Missverständnisse entstehen können. Informationen über Alkoholgrenzen, Strafsätze und Vorschriften über Alkotests und Drogenuntersuchungen finden sich im ÖAMTC Fachbuch "Verkehrsrecht, Band I, StVO". Auch auf der Homepage des Clubs unter http://www.oeamtc.at/recht/ kann man sich weiter informieren.

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ÖAMTC-Pressestelle/Elvira Oberweger

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