Fahrschultagung 2003: Experten diskutieren Unfallursachen

Obmann Hausherr weist auf Missstände bei Privatausbildung hin -Bessere Absicherung der Straßen gefordert -Internationaler Erfahrungsaustausch

Schladming/Wien (PWK680) - Bei der diesjährigen Fahrschultagung in Schladming diskutierten namhafte Experten unter anderem die Ursachen der bisher katastrophalen Unfallstatistik für 2003. Neben der Unfallstatistik standen die Themen "Professionelle Fahrausbildung" und "Senioren-Weiterbildung" im Vordergrund. Referenten aus Deutschland und der Schweiz berichteten über die Erfahrungen der Nachbarstaaten mit der Mehrphasen- und der L17-Ausbildung. Ein weiterer Schwerpunkt waren österreichische Neuerungen, wie etwa Verbesserungen im Bereich der Motorrad-Fahrprüfungen. So sind in Zukunft Notbremsungen und Bremsausweichübungen aus mindestens 50 km/h vorgeschrieben.

Univ.Prof. Hermann Steffan präsentierte die Ergebnisse langjähriger Studien im Bereich der Unfallforschung. Er kam zum Schluss, dass vielfach nicht überhöhte Geschwindigkeit, sondern mangelnde Routine die Ursache von Fahranfänger-Unfällen ist. Vor allem bei rechtwinkeligen Kollisionen seien Fehler in der Blicktechnik und falsches Einschätzen der Annährungsgeschwindigkeit Auslöser für Unfälle. Steffan unterstrich die Bedeutung einer professionellen Ausbildung vor allem im Bereich der Blicktechnik und Gefahrenlehre.

In diesem Zusammenhang weist der Fachverband der Fahrschulen darauf hin, dass gemeinsam mit dem Verkehrssprecher der ÖVP, Abg. Werner Miedl, am 11. September 2003 der neue B-Lehrplan präsentiert wurde. Schwerpunkt dieses neuen Lehrplans sind genau die Themen Blicktechnik und Gefahrenlehre.

Der Obmann des Fachverbandes, Ing. Norbert Hausherr, sprach die Missstände im Bereich der Privatausbildung an. Da in diesen Fällen in der Fahrschule nur die Basiskenntnisse vermittelt werden, könne auf Gefahrenlehre und Blicktechnik überhaupt nicht eingegangen werden. Auch erfolge keinerlei Einschulung des Begleiters oder Fortschrittskontrolle während des Übens. Diese Mängel seien im Interesse der Verkehrssicherheit dringend abzustellen.

Bei der L17-Ausbildung hat sich das Modell der regelmäßigen Zwischenüberprüfungen bestens bewährt. Noch dazu zeigt ein Vergleich der internationale Prüforganisation (CIECA), dass in kaum einem Land Europas die Privatausbildung ohne besondere Voraussetzungen betrieben werden darf.

Ungesicherte Bäume direkt neben der Fahrbahn haben schon unzählige Menschenleben gefordert. Vielfach könnte durch Ausweichen ins Gelände ein schwerer Unfall vermieden werden, würde nicht ein Baum am Straßenrand dies verhindern. Der Fachverband der Fahrschulen fordert daher die Straßenerhalter auf, entweder die Bäume durch Leitschienen oder ähnliche Einrichtungen zu sichern oder die Bäume an besonders gefährlichen Stellen zu entfernen. "Umwelt- und Naturschutz ist wichtig, dabei darf aber der Schutz von Menschenleben nicht vergessen werden", stellte Hausherr mit Nachdruck fest.

Markus Walter, diplomierter Fahrlehrer und Verkehrsexperte aus der Schweiz, erklärte das eidgenössische Modell der Seniorenausbildung und der Alterskontrollfahrten: Das freiwillige Programm umfasst nicht nur eine einstündige "Feedbackfahrt", sondern bringt den Senioren auch Neuerungen in der Straßenverkehrsordnung und der Fahrzeugtechnik, wie z.B. Navigationssysteme, moderne Automatikgetriebe und ähnliches näher. Im medizinischen Teil werden die Nebenwirkungen von Medikamenten besprochen und auf die altersbedingten Probleme wie reduzierte Beweglichkeit, Sehschwäche, Stressintoleranz und ähnliches eingegangen. Ein Sehtest ist im Rahmen dieses freiwilligen Kurses ebenfalls möglich.

In Österreich arbeitet der Fachverband der Fahrschulen an einem ähnlichen Modell und wird es im Frühjahr 2004 der Öffentlichkeit vorstellen.

Motiviert durch die positiven Erfahrungen Österreichs mit der L17-Ausbildung werden auch einige deutsche Bundesländer ein ähnliches Modell einführen. Das ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass die Einführung der L17-Ausbildung im Jahre 1999 in Österreich massiv kritisiert wurde. (hp)

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