GLOBAL 2000 und Greenpeace: Österreich wird immer mehr zum Atomstrom-Land

Bis zu 27 Prozent Atomstrom bei Landesstromgesellschaften

Wien (OTS) - Österreichs Energieversorgungsunternehmen (EVU) verkaufen sauberen Strom aus Wasserkraft teuer ins Ausland. Dafür kaufen die EVU schmutzigen Strom auf den europäischen Strombörsen billiger zu. Dank solcher Methoden wird immer mehr Atomstrom importiert, Österreich wird zunehmend zu einem Absatzmarkt für Atomstromkonzerne. Dies ergeben aktuelle Berechnungen des Strom-Mix für das Jahr 2002 durch die Umweltschutzorganisationen GLOBAL 2000 und Greenpeace. Trauriger Spitzenreiter ist die "Tiroler Wasserkraft" (TIWAG) mit einem Atomstromanteil von 27 Prozent. "Die Tiroler verkaufen in erster Linie kalorisch erzeugten Strom und fast genauso viel Atomstrom wie Wasserkraft an ihre Kunden. Wenn sie so weitermachen, müssen sie sich nächstes Jahr in 'Tiroler Atomkraft' umbenennen", kritisiert Thorben Becker, Energiereferent von GLOBAL 2000.

Aber auch bei den anderen Energieversorgungsunternehmen wie bei der niederösterreichischen Energiegesellschaft EVN ist die Tendenz ähnlich. Bei der EVN ist aber ein leichter Rückgang des Atomstromanteils auf die verstärkte Nutzung der eigenen klimaschädlichen, kalorischen Kraftwerke zurückzuführen. Auch die burgenländische BEWAG, bisheriger Vorzeige-Stromversorger, hat wieder Atomstrom im Programm. "Die BEWAG hat in den letzten Jahren zu den saubersten 'konventionellen' Energieversorgern in Europa gehört. Nur um einen bestimmten Großkunden zu behalten und um ihn mit schmutzigen Billigstrom zu versorgen, hat die BEWAG jetzt wieder kalorischen und Atom-Strom in ihrem Mix", ärgert sich Jurrien Westerhof, Energieexperte von Greenpeace.

Die in ihren Sonntagsreden so atomkritische österreichische Politik scheint sich für dieses Thema nicht zu interessieren. Dabei sind alle Landesstromversorger mehrheitlich im Besitz der Bundesländer. "Die Landesregierungen müssen ihre Eigentümerverantwortung endlich wieder wahrnehmen und dafür sorgen, dass österreichische Stromversorger kein Geschäft mit Atomstrom mehr machen", fordern Becker und Westerhof.

Die österreichischen Energieversorgungsunternehmen tun so als ob sie reine Wasserkraft verkaufen würden, aber vor ihren Privatkunden verheimlichen sie ihre Tricks. Über die noch bis Sommer 2004 erlaubten "Produkt-Mixe" schaffen es viele EVU, ihre Haushaltskunden über die tatsächliche Stromzusammensetzung zu täuschen. Das Paradebeispiel für Irreführung sind die so genannten "Naturstromangebote", etwa von Wienstrom, EVN oder der oberösterreichischen Energie AG. "Hier wird Ökostrom vorgegaukelt, in Wahrheit beziehen die Kunden ihre Energie jedoch von einem Atomstrom-Anbieter", so Becker und Westerhof. Das Beste ist, wenn die Kunden den Atomausstieg selbst in die Hand nehmen. GLOBAL 2000 und Greenpeace fordern die Stromkunden auf, zu einem echten Ökostromanbieter zu wechseln. Die Umweltorganisationen empfehlen die Ökostrom AG (www.oekostrom.at) und die Alpen-Adria-Energy AG (www.aae.at).

Eine Liste mit dem Strom-Mix der einzelnen EVU finden Sie auf www.global2000.at und www.greenpeace.at

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MMag. Franko Petri, Pressesprecher Greenpeace, tel. 01-5454580-29 oder 0676-5147246
Simone Bräuer, Pressesprecherin Global 2000, tel. 01-8125730-26 oder 0664-5012085
DI Jurrien Westerhof, Greenpeace Klima-Experte, tel. 01-5454580-57 oder 0664-6126701
Ass. iur. Thorben Becker, Global 2000, tel. 01-8125730-41 oder 0664-5126707

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