Einwegpfand: 1,2 Mrd. Euro Kosten - 0,04 % Öko-Nutzen

Geballte österreichische Kritik am deutschen "Pfand-Chaos"

Wien (OTS) - Seit 1. Oktober sollte es in Deutschland ein einheitliches Rücknahmesystem für alle bepfandeten Einwegverpackungen geben. Nach wie vor jedoch herrscht dort blankes Chaos - mehrere konkurrierende Rücknahmesysteme sowie Insellösungen einzelner Handelsunternehmen haben die Verwirrung prolongiert und den Unmut unter den Konsumenten noch verschärft. Scharfe Kritik kommt nun von Lebensmittelverband, Handel und Entsorgern in Österreich.

Die Wirtschaftsvereinigung alkoholfreier Getränke in Deutschland geht von Kosten von etwa 1 - 1,2 Mrd. Euro alleine für die Anschaffung von ca. 75.000 Rücknahmeautomaten und von ca. 720 Mio. Euro jährlichen Kosten bei Einführung eines flächendeckenden Rücknahmesystems aus. Dem stehen - gestützt auch von den Daten der vom deutschen Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Prognos-Studie - ca. 600 Mio. Euro Umsatzverluste pro Jahr in der Getränkeindustrie, 12.000 gefährdete Arbeitsplätze und nur 0,04 % positiver ökologischer Effekt (in den Bereichen Treibhauseffekt, Ressourcenbeanspruchung, Sommersmog sowie Versauerungspotential) gegenüber.

Michael Blass, Geschäftsführer des Fachverbandes der Nahrungs- und Genussmittelindustrie, resümiert:" Das Beispiel Deutschland zeigt, dass Einwegpfand nichts anderes ist als ein Öko-Schmäh - hohe Kosten, kaum Umweltnutzen und eine Entmündigung der Konsumenten. Außerdem zementiert Deutschland damit die Marktzutrittsbarrieren für ausländische Anbieter - eine wettbewerbs- und gemeinschaftsrechtlich fragwürdige Vorgangsweise. Wir in Österreich setzen weiterhin auf die Wahlfreiheit zwischen Ein- und Mehrweg sowie die freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft, die wir sehr ernst nehmen. Denn nicht nur die Entsorger schaffen positive Bilanzen, auch Industrie und Handel entwickeln innovative, zukunftsorientierte Lösungen im Bereich der Wiederverwertung."

Auch Christian Stiglitz, Vorstand der Altstoff Recycling Austria AG, stellt der Situation in Deutschland ein negatives Zeugnis aus:
"Durch die Einführung eines Pfandes auf Einweggetränkeverpackungen begeben wir uns zurück an den Beginn der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Das Beispiel Deutschland zeigt: Das Pfand ist nicht nur teuer und daher volkswirtschaftlich bedenklich, sondern auch ökologisch ohne Vorteil. Wir sind in der Abfallwirtschaft schon viel weiter und betrachten das Thema Müll ganzheitlich. Wir sammeln und verwerten in Österreich mehr als 80 Prozent aller lizenzierten Verpackungen und führen diese in den Kreislauf zurück, nicht nur die Getränkeverpackungen."

So betont auch Alfred Matousek, Vertreter der größten heimischen Handelskette: "Wir haben in Österreich - auch ohne Zwangspfand - ein im internationalen Vergleich hervorragendes Verpackungssammelsystem, das wir nicht durch Einwegpfand gefährden dürfen. Zusätzlich geht die Wirtschaft in Österreich andere Wege, die zeigen, dass die in der freiwilligen Selbstverpflichtung dokumentierte Absicht zur Steigerung der stofflichen Verwertung von PET ernst genommen wird. So unterstützen wir zukunftsorientierte Recyclingaktivitäten und bieten österreichweit erstmals Eierverpackungen aus wiederverwerteten PET-Flaschen an. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zu Schließung von Rohstoffkreisläufen."

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