Peer-Education als wichtige Strategie der Gesundheitsförderung Jugendlicher

Österreichische EUROPEER-Konferenz des Fonds Gesundes Österreich tagte am 3. Oktober in Wien

Wien (OTS) - Der Umgang mit Nikotin und Drogen, Ernährungs- und Bewegungsverhalten, Schwangerschaftsverhütung und HIV-Prävention sind Themen, bei denen sich Jugendliche gern an sozial gleich gestellten Gleichaltrigen - den "Peers" - orientieren. Auf dieser Erkenntnis basiert der Ansatz der Peer Group Education in der Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen, dem die Österreichische EUROPEER-Konferenz am 3. Oktober in Wien gewidmet war. Unter der regen Beteiligung von 100 ExpertInnen aus den Bereichen Jugendarbeit, Gesundheit, Verwaltung und Wissenschaft wurde der Einsatz von Peers in der Gesundheitsförderung Heranwachsender diskutiert.

EUROPEER wurde von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen, um praktisches Wissen und Forschungsarbeit zur Anwendung des Peer Group-Ansatzes in der Gesundheitsförderung und Primärprävention EU-weit zu sammeln und zu dokumentieren. Der Fonds Gesundes Österreich fungiert dabei als nationaler EUROPEER-Koordinator in Österreich.

Peer Group Education macht sich die Gruppenorientiertheit Jugendlicher zunutze und setzt auf das Training von "Peer Leaders", damit diese gesundheitsförderliche Botschaften an Gleichaltrige kommunizieren. Um sie mit dem nötigen Wissen und Know-how auszustatten, werden Jugendliche in Peer Education-Trainingsgruppen ausgebildet, berichtete Prof. Dr. Dieter Kleiber, der an der FU Berlin den Arbeitsbereich Prävention und soziale Gesundheitsforschung betreut. "Jugendliche, die etwa ein Training zum Thema Sexualität und Verhütung absolviert haben, werden von Angehörigen ihrer Peer Group als attraktive Modelle wahrgenommen und als einfühlsam erlebt. Mit Peers lassen sich selbst schwer erreichbare soziale Gruppen, wie etwa jugendliche MigrantInnen, erreichen, etwa über Jugendzentren und gemeindebasierte Jugendarbeit", sagte Prof. Kleiber.

Gesundheitsförderung setzt auf den Einfluss von Peers

"Peer Education ist eine wichtige Strategie der Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen", erklärte der Wiener Soziologe Dr. Wolfgang Dür vom Ludwig Boltzmann-Institut für Medizinsoziologie, der im Rahmen der 40 Länder umfassenden HBSC-Studie über Gesundheit in der Schule die Daten für Österreich erhebt. SchülerInnen, die bei schulischen oder persönlichen Schwierigkeiten auf die Unterstützung ihrer KlassenkameradInnen vertrauen, würden viel bessere Werte bei Lebenszufriedenheit, Wohlbefinden und auch der Lerneffizienz aufweisen als AltersgenossInnen, die nicht auf Peer-Unterstützung setzen, erläuterte Dr. Dür.

"Der Ansatz der Peer Education enthält wichtige Prinzipien der Gesundheitsförderung, nämlich Partizipation, Empowerment und Vernetzung", sagte Mag. Andrea Lins, die den Fonds Gesundes Österreich bei der Tagung vertrat. Kinder und Jugendliche im außerschulischen Bereich sind für den Fonds Gesundes Österreich eine prioritäre Zielgruppe, die es mit innovativen Projekten zu erreichen gilt. "Zwei vom Fonds Gesundes Österreich beauftragte Modellprojekte in Kärnten und in der Steiermark sollen Impulse als models of good practice setzen", so Lins.

Nationalratsabgeordnete Christine Marek, die Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat bei der EUROPEER-Tagung vertrat, kündigte die Einführung eines "Teenie-Passes" an, der einen Vorsorge- und Impfteil enthalten werde. Marek sprach die Hoffnung aus, "dass es eines Tages cool wird, gesundheitsbewusst zu leben".

"Peers" vermitteln Gesundheitsinformationen in der Sprache der Jugendlichen

"Kommunikation ist der eigentliche Inhalt von Gesundheitsarbeit", betonte in seinem Referat der Pädagoge Gerald Koller vom Büro Vital in Steyr, dass der Transfer von Gesundheitswissen zu Jugendlichen am ehesten gelinge, wenn sie diese Informationen von gleichberechtigten Gleichaltrigen in ihrer Szenesprache vermittelt bekommen. Gleichzeitig warnte Koller vor einer Instrumentalisierung Jugendlicher: "Peer Education bedeutet nicht, die Jugendlichen als kleine Lehrer und Lehrerinnen zu funktionalisieren. Um glaubwürdig zu bleiben, müssten Peer Leaders ihr Gesundheits-Know-how im Rahmen ihrer Peergroup, in der sie sozial verankert sind, weitergeben." Ideal wäre es, wenn Kinder und Jugendliche bereits in die Konzeption von Gesundeheitsförderungsprojekten eingebunden werden, anstatt die Projekte nur von Erwachsenen entwickeln zu lassen, die erst nach Projektstart jugendliche Peers auswählen. Die Rolle der Erwachsenen sieht Gerald Koller stärker in der Begleitung und Unterstützung jugendlicher Peers, die zu Peer-Leaders ausgebildet worden sind und ihr Know-how nun in ihre Alltagsgespräche mit Gleichaltrigen einbringen sollen.

Prof. Dieter Kleiber appellierte bei der EUROPEER-Konferenz, den Bereich der Peer Education weiter zu erforschen. "Für Projekte und Programme im Bereich der Peer Education sind Evaluation und Qualitätssicherung unverzichtbar." So sei zu hinterfragen, warum bestimmte Zielgruppen nur schwer erreichbar sind, warum Mittelschichtkinder sowie weibliche Jugendliche besser zu erreichen sind und woran manche Peer Education-Projekte scheitern.

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