WirtschaftsBlatt-Kommentar Trost kommt von den Ziegelschupfern

von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Wo gebaut wird, zieht Wohlstand ein. Diese simple Faustregel stimmt zwar nicht hunderprozentig, denn mancher Bauherr ist schneller in den Privatkonkurs geschlittert als der Verputz trocknen konnte. In den meisten Fällen sind verstärkte Bautätigkeiten aber tatsächlich ein wichtiges Indiz dafür, dass dem Konjunkturaufschwung eine Wohnung bereitet wird.

Denn im Hausbau bleibt es nicht bei den kahlen Wänden. Ausstattung, Inneneinrichtung und technische Geräte kommen dazu, Energie wird konsumiert, Dienstleistungen werden angefordert. Bei Wirtschaftsbauten gilt das erst recht. Entweder sind es Betriebshallen mit Maschinen und Arbeitsplätzen, oder Verkaufsflächen, die auf eine entsprechende Konsumbereitschaft deuten. Auf jeden Fall ziehen Neubauten einen Folgekonsum nach sich. Bei den grossen Staatsaufträgen im Eisenbahn- und Autobahnbau entschliessen sich die beteiligten Unternehmen zu Ausrüstungsinvestitionen. Auch das hat Folgen.

Die neuesten Zahlen über die Bautätigkeit sind nicht dramatisch, aber gesichert. 26,2 Milliarden Euro wird das Bauvolumen im heurigen Jahr betragen - um 400 Millionen mehr als 2002, um 800 Millionen mehr als 2001.

Solche Tatsachen wiegen schwerer als ein Umfrageergnis, das den Österreichern einen hartnäckigen Konjunkturpessimismus bescheinigt. Sie sollen ruhig pessimistisch sein - solange sie bauen, schadet es nichts.
Die Mechanisierung des Gewerbes brachte es mit sich, dass das Ziegelschupfen entlang einer Kette von Arbeitern ein unbekanntes Phänomen geworden ist. Aber die Zunahme des Geschäfts müsste sich wie bei den Ziegelschupfern auswirken: langsam, aber stetig geht es weiter.

Noch reichen die Indizien nicht aus, um eine dauerhafte Verbesserung des Wirtschaftsklimas erhoffen zu dürfen. Allerdings scheint sich die Sparwut der vergangenen Jahre in verheissungsvoller Form umzukehren. So wie jeder, der sich in der jüngsten Vergangenheit einschränkte, den Verzicht an irgendjemand anderen überwälzte -dieser bekam keinen Auftrag und begann selbst, sich einzuschränken -, so könnte sich jetzt die Wirkung umkehren.

Jeder, der einen Auftrag erteilt, wird in kürzester Zeit zum Multiplikator.
Natürlich nur, wenn er nicht allein bleibt. Und damit landen wird doch in der Psychologie: ein bisschen Optimismus würde den Österreichern als Investition für 2004 recht gut stehen.

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