49 Thesen zur Industriepolitik Österreichs - TEIL 2

49 Thesen im Überblick Wien (OTS) - Die sieben Thesen von o. Univ.-Prof. Dr. Michael Landesmann, Wissenschaftlicher Leiter des Wiener Instituts für internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW)

These 1: Die EU Erweiterung um zehn neue Länder vertieft den Integrationsprozess. These 2: Es ist notwendig zu erkennen, in welchen Bereichen der Integrationsprozess vor und kurz nach dem Beitritt besonders intensiviert werden kann. These 3: Der dynamische Effekt der Erweiterung wird derzeit noch unterbetont und stattdessen die Unsicherheit bezüglich des Einkommens- und Lohngefälles hervorgekehrt. These 4: Das hohe Lohn-, Sozial- und Einkommensniveau Österreichs kann nur durch Effizienz der Arbeitsleistung, der Organisation der Betriebe, der physischen und institutionellen Infrastruktur und den technologischen Unterbau seiner Produktionsleistung erhalten und weiter ausgebaut werden. These 5: In der Migrationsdebatte werden die direkten (Arbeitskräftemobilität) und indirekten (über Produkt- und Kapitalmarkt) Interaktionen der Arbeitsmärkte fast vollständig ignoriert. These 6: Standortvorteil Österreich: die Potenziale der internationalen (grenzüberschreitenden) Aktivitäten von Klein- und Mittelbetrieben in beide Richtungen sind weiter auszubauen und zu intensivieren. These 7: Es gilt, grenzüberschreitende Interessensvertretungen aufzubauen, welche notwendige wirtschafts- und sozialpolitische Maßnahmen für einen integrierten regionalen (transnationalen) Wirtschafts- und Sozialraum artikulieren und durchsetzen.

Die sieben Thesen von Dr. Günther Chaloupek, Leiter der Abteilung Wirtschaftswissenschaft und Statistik der Bundesarbeiterkammer Wien

These 1: Wettbewerbsfähigkeit gehört zu jenen Begriffen der wirtschaftspolitischen aber auch wissenschaftlichen Diskussion, von denen man glaubt, ihre Bedeutung zu verstehen, ohne sie definieren zu müssen. These 2: Dynamische Wettbewerbsfähigkeit bedeutet "Erzielung langfristig anhaltender hoher und steigender realer Einkommen unter Einhaltung hoher sozialer und ökologischer Standards". These 3: Die Produktivität in der Industrie bzw. jetzt Sachgütererzeugung wächst mehr als doppelt so rasch wie in der Gesamtwirtschaft: in Österreich mit durchschnittlich 5,5 % p.a. 1990/2000 oder 4,4 % p.a. 1995/2002. These 4: Eine "Verbetrieblichung" der Lohnverhandlungen ist nicht nur unpraktikabel, sondern auch kontraproduktiv. These 5: Unsere Wirtschaft kann nur dann mittel- und langfristig stärker wachsen, wenn die Binnennachfrage wieder stärker wächst. These 6: Die permanente Agitation gegen die "Lohnnebenkosten" macht seltsamerweise immer noch Effekt, ist aber zum Großteil eine Täuschung. These 7: Nachholbedarf bei den Lohnnebenkosten: bei der Aus- und Weiterbildung, wo Österreich im EU-Vergleich auf den hinteren Plätzen zu finden ist. Dorthin sollten die Unternehmer stärker ihre Aufmerksamkeit richten.

Die sieben Thesen von Mag. Gerlinde Pöchhacker, Bereichsleiterin Cluster-Management der TMG Oberösterreichische Technologie- und Marketinggesellschaft m.b.H.

These 1: Clustering stärkt die Stärken von Regionen These 2: Cluster vernetzen die Kleinen mit den Großen und mit der Wissenschaft und erhöhen die F&E-Quote. These 3: Clustering ist kundenorientierte Innovationspolitik. These 4: Cluster öffnen die europäische Wissenslandschaft für KMU. These 5: Eine synergetische Verbindung der Aktivitäten von Kammern, Verbänden und Clustern ist wichtig. These 6: Verstärkte Kooperationsförderungen von Bund und EU sind notwendig und sinnvoll. These 7: Cluster in Europa, vernetzt euch!

Die sieben Thesen von Dr. Michael P. Walter, Kurator des WIFI Österreich der Wirtschaftskammer Österreich

These 1: Das Humankapital und dessen Entwicklung bestimmen die künftige Wettbewerbsfähigkeit Österreichs. These 2: Human Resources Development muss zu einem umfassenden und strategischen Schwerpunkt von Unternehmen und Politik werden. These 3: Vom Sozialstaat zum Aktivierungsstaat! These 4: Eine völlige Neuausrichtung der Bildungspolitik ist notwendig. Das Verhältnis zwischen Aus- und Weiterbildung muss neu geordnet werden. These 5: Verbesserungen in der Qualität der Erstausbildung sind notwendig und möglich. These 6: Die Talsohle der Krise an den Universitäten ist überschritten. Ab jetzt geht es aufwärts! Siebente und wichtigste These: Öffentliche Mittel in der Weiterbildung müssen so eingesetzt werden, dass sie als Hebel für zusätzliche private Investitionen wirken. Ceterum censeo: der Schlüssel zur Wissensgesellschaft liegt bei den KMU.

(Forts.)

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