WER RAST VERLIERT

Wien (OTS) - ...unter Umständen sein Leben! Bei der KfV-Enquete "Geschwindigkeit" nehmen Experten den Killer Nummer 1 im Straßenverkehr unter die Lupe

"Im Rahmen der Evolution ist Mobilität ein Erfolgsfaktor gewesen und hat daher einen enormen Stellenwert im menschlichen Leben erreicht. Die Geschwindigkeiten, mit denen wir uns heute bewegen, sind nicht jene Geschwindigkeiten, die im Rahmen unserer Stammesgeschichte für unseren Erfolg ausschlaggebend waren. Aus dieser Diskrepanz ergibt sich die Schwierigkeit in unserem heutigen Leben, Geschwindigkeiten richtig einzuschätzen und rational mit ihnen umzugehen", führt Univ. Lekt. Mag. Dr. Klaus Atzwanger, Verhaltensforscher und Unternehmensberater bei EFS Unternehmensberatung, im Rahmen der Enquete am 30. September 2003 zum Thema "Geschwindigkeit", veranstaltet vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV), aus. Geht es um eine drohende Beschneidung hoher Geschwindigkeiten, wird tatsächlich selten rational argumentiert. Dabei steht eines fest: Wer rast, spielt mit seinem Leben - und dem seiner Mitmenschen. 37 Prozent aller tödlichen Verkehrsunfälle sind auf nicht angepasste Geschwindigkeit zurückzuführen. Rasen gilt nach wie vor als Killer Nummer eins - nicht nur in Österreich, auch international.

Hohe Geschwindigkeiten - hohe Verletzungsschwere

Im Jahr 2002 ließen 956 Menschen in Österreich ihr Leben auf der Straße. Angesichts dieser Tatsachen scheinen die "rasenden" Diskussionen der vergangenen Monate, die wohl eher auf hochsommerliche Temperaturen und ihre Wirkung auf das menschliche Gemüt zurückzuführen sind, mehr als bitter. Univ. Prof. Dr. Christian Gäbler von der Universitätsklinik für Unfallchirurgie, Wien zur Verletzungsschwere in Relation zur Geschwindigkeit: "Zu hohe Geschwindigkeit und aggressives Fahrverhalten sind die häufigsten Ursachen für Unfälle im Straßenverkehr. Die Verletzungs-schwere auf Autobahnen, wo ein hohes Geschwindigkeitsniveau herrscht ist ungleich höher als im Ortsgebiet. Eine geringere Ausgangsgeschwindigkeit führt auch zu geringerer Verletzungsschwere, in vielen Fällen sogar zur Unfallvermeidung."

In Österreich verunglückt alle zehn Minuten ein Verkehrsteilnehmer

DI Klaus Robatsch, Leiter der KfV Verkehrstechnik - Forschung: "Alle 25 Sekunden ereignet sich ein Unfall mit Personenschaden auf den Straßen der Europäischen Union. Jede Stunde werden dabei fünf Verkehrsteilnehmer getötet und allein in Österreich verunglückt alle zehn Minuten ein Verkehrsteilnehmer." Um die angepeilte 50-prozentige Reduktion der Zahl der Getöteten bis 2010 zu erreichen, bedarf es konsequenter Verkehrssicherheitsarbeit. "Schnelligkeit darf nicht vor Sicherheit gehen. Auch in Bezug auf das Abstandsverhalten bedarf es einer klaren gesetzlichen Regelung. Schließlich ist der Hauptgrund für Unfälle auf Autobahnen, dass der Sicherheitsabstand nicht eingehalten wurde" , kritisiert KfV-Direktor Dr. Othmar Thann.

Mit Punkteführerschein Rasern Kampf ansagen

Thann: "Um riskante Lenker, die zum Beispiel mit 100 km/h durch das Ortsgebiet brausen, sprichwörtlich aus dem Verkehr zu ziehen gilt eine Maßnahme als zielführend: der Punkteführerschein. Das KfV fordert ihn bereits seit Jahren und auch die Bevölkerung wünscht sich zusätzliche Maßnahmen für hoch gefährliche Lenker: Laut einer KfV-Studie sprechen sich 77 Prozent dafür aus."

Wie schaut der typische "Geschwindigkeitssünder" aus?

"Es sind nicht nur die jungen Raser, die auf einer Landstraße oder Autobahn das Geschwindigkeitslimit überschreiten. Auch Männer mit gutem Einkommen im sogenannten 'besten Alter', die selbstständig berufstätig sind und großvolumige Autos fahren steigen gerne auf‘s Gas", weiß der KfV-Verkehrspsychologe Dr. Werner Klemenjak. Seit es Verkehrssicherheitsarbeit gibt, wird versucht Raser zu stoppen. Laut den Ergebnissen der europaweiten SARTRE-Studie des KfV meinen 78 Prozent der österreichischen Autofahrer, dass die anderen diejenigen sind, die Geschwindigkeitslimits nicht einhalten. Wird das eigene Geschwindigkeitsverhalten abgefragt, halten sich nur 12 Prozent für zu schnell. Österreich - Land der Raser? Geht es um die Akzeptanz von automatischen Geschwindigkeitsbegrenzern im Auto liegen die Österreicher um neun Prozent unter dem EU-Durchschnitt.

Überwachung mit Section Control

Ein wesentlicher Faktor, um Unfällen vorzugreifen ist die Überwachung. "Wirksame Gesetze, nachhaltige Überwachung und erfolgreiche Bewusstseinsbildung müssen in einem ausgewogenem Verhältnis zueinander stehen, damit in diesem Bereich Ver-kehrssicherheitsarbeit erzielt werden kann. Lang anhaltende Erfolge können jedoch nur mit entsprechender Bewusstseinsbildung erzielt werden", so Mag. Armin Kaltenegger, Leiter der Rechtsabteilung des KfV. Eine Neuerung in punkto Überwachung stellt die am 12. August im Wiener Kaisermühlentunnel erstmals in Betrieb genommene "Section Control" dar. Dabei handelt es sich um eine vollautomatische, stre-ckenbezogene Überwachung, die zunächst auf Autobahnen, insbesondere auf Baustellen, in Tunnels und auf hochbelasteten Abschnitten durchgeführt wird. Ing. Otto Ludwig vom Amt der Wiener Landesregierung und Projektleiter der "Section Control": "Mit der Section Control können beliebig lange Verkehrsabschnitte effizient überwacht werden. Wir haben ein harmonisiertes Fahrverhalten festgestellt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit konnte bisher um zehn Prozent reduziert werden und liegt bei derzeit 70 km/h."

44 Prozent weniger Unfälle durch Streckenbeeinflussungsanlagen

Streckenbeeinflussungsanlagen regeln die Geschwindigkeiten im Autobahnnetz. Untersuchungen haben jetzt ergeben, dass diese auch eine Wirkung auf die Erhöhung der Verkehrssicherheit haben. "Streckenbeeinflussungsanlagen helfen Unfälle zu vermeiden und minimieren die Unfallschwere, vermindern Stauzeiten und verbes-sern die Umweltqualität", weiß DI Dr. Friedrich Nadler von Nast Consulting. Bei hohen Verkehrsstärken, in der eine Streckenbeeinflussungsanlage in der Regel durchgeschalten ist, können bis zu 44 Prozent der Unfälle mit Personenschaden reduziert werden.

Intelligente Geschwindigkeit

Das internationale Projekt RONCALLI entwickelt für Fahrzeuglenker positionsabhängige und dynamische Verkehrssicherheitsinformationen. Ein satellitenbasierendes Fahrerassistenzsystem teilt dem Lenker das aktuelle Tempolimit mit und warnt bei Überschreitungen. Getestet wird das spektakuläre System Ende 2003 in Klosterneuburg. "In Schweden, wo bereits Testergebnisse vorliegen, erzielte das System eine hohe Zustimmung bei den Testfahrern und die Mehrzahl entschied sich für die Weiterverwendung der Geräte nach Abschluss des Projekts. Zudem geben punktgenaue Informationen über Unfallhäufungsstellen, Schulen oder Griffigkeitsprobleme bei Nässe Auskunft", so DI Klaus Machata, Leiter Verkehrstechnik - Entwicklung, beim KfV.

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Kuratorium für Verkehrssicherheit
Mag. Gabriele Hinterkörner
Pressestelle
Tel.: (++43-1) 71 770/161
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