"Neues Volksblatt" Kommentar: "Bundes-VP gefordert" (Von Franz Rohrhofer)

Ausgabe vom 28. September 2003

Linz (OTS) - Für die ÖVP Oberösterreich ist das Landtagswahlergebnis enttäuschend. Sie konnte den Stand an Stimmen und Mandaten halten, blieb aber klar hinter ihren Erwartungen. Mit einem perfekten fehlerlosen Wahlkampf und einem überragenden Spitzenkandidaten wäre unter normalen Verhältnissen einfach mehr drinnen gewesen. Die Gründe liegen auf der Hand. Die Erfolge im Land spielten eine untergeordnete Rolle. Die Rechnung der SPÖ, die Politik der Bundesregierung, verkürzt auf einige primitive Parolen, in den Wahlkampf hineinzutrommeln, ging auf. Dieses Schicksal teilt Oberösterreich mit Tirol, nur dass hier zu Lande noch das Thema Voest dazukam. Wie gut der Wahlkampf der ÖVP trotzdem war, zeigt die Tatsache, dass der Wiener Koalitionspartner FPÖ vom Gegenwind einfach verblasen wurde, während die Partei des Josef Pühringer als Sieger des Wahltages, wenn auch nicht als der große Gewinner, hervorging. Noch ist die Zusammensetzung der Landesregierung offen. Dass Josef Pühringer Landeshauptmann bleiben soll, geht aber aus dem Wahlergebnis klar hervor. Trotzdem wird man nach der gestrigen Wahl nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können. Die Tiroler und die oberösterreichische ÖVP haben dem Gegentrend aus der Bundespolitik standgehalten. Sie haben ihre Stärke bewiesen und werden diese Stärke auch auf Wiener Boden nachhaltig vertreten müssen. Die Bundes-ÖVP kann nicht einfach zufrieden sein mit mageren Ergebnissen, sondern muss die Landerorganisationen besser in ihre Strategien einbinden. Für die oö. SPÖ kommt allerdings jetzt die Zeit, wo sie das zusätzliche Vertrauen der Wähler rechtfertigen muss. Erich Haider kann sich nicht immer nur auf die Bundespolitik und das Neinsagen beschränken. Statt Untergriffen ist auch bei der SPÖ jetzt Zusammenarbeit für das Land angesagt.

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