"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der doppelte Haider" (Von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 28.09.2003

Graz (OTS) - Heute geht die Windstille zu Ende, die zuletzt in
der Innenpolitik geherrscht hat. Die Landtagswahlen in Oberösterreich und Tirol werden die Landesfürsten als Sieger sehen, wobei der eine größer werden und der andere kleiner bleiben dürfte. Wichtiger wird aber sein, ob es auf den Plätzen drei und vier einen Wechsel geben wird und welche Schlussfolgerungen die anderen Parteien daraus ziehen.

In Tirol wird erwartet, dass der einstige Innsbrucker Bürgermeister und nunmehrige Landeshauptmann Herwig van Staa die absolute Mehrheit für die ÖVP zurück erobert. Seine Gegner haben es ihm leicht gemacht. Der Schwiegersohn der Tiroler Legende Eduard Wallnöfer, der seine politische Laufbahn als Rebell gegen die versteinerte Bündewirtschaft in der Volkspartei begonnen hat, wurde zur beherrschenden Figur des Landes, die neben sich keinen Konkurrenten aufkommen ließ und auch keine unpassenden Themen duldete. Van Staa hat gute Aussichten, ein besseres Ergebnis als Erwin Pröll in Niederösterreich zu erzielen, was im schwarzen Machtgefüge wenig verändert, aber die Eitelkeit des Doch-nicht-Bundespräsidenten verletzen dürfte.

In Oberösterreich wird Josef Pühringer die schon in Griffweite befindliche absolute Mehrheit wahrscheinlich verfehlen. Er wird gewinnen, vielleicht sogar kräftig, aber doch nur der "kleine Sepp" bleiben. Aus der Verstrickung in bundespolitische Themen hat sich Pühringer, der im Land eine stolze Bilanz vorzeigen kann, nicht zu lösen vermocht.

Was bringen die Wahlen sonst noch außer die mehr oder weniger glanzvolle Bestätigung der regierenden Landeshauptmänner in ihren Ämtern?

Die vordergründig wichtigste Frage ist, ob die Blauen sowohl in Tirol als auch in Oberösterreich von den Grünen überholt werden. Wenn die FPÖ in beiden Bundesländern, wo sie bei den letzten Landtagswahlen mehr als 20 Prozent erhalten hat, auf unter zehn Prozent absackt, dann steht Herbert Haupt als Parteiobmann vor der Enthauptung. Paradoxerweise könnte ein totales Debakel seinen Kopf retten, wenn nämlich Jörg Haider keine Chance mehr sieht, die Partei wieder hoch zu ziehen und sich damit begnügt, die Kärntner Eigenständigkeit zu leben.

Die längerfristig vielleicht interessantere Frage ist, ob es in Oberösterreich dem roten Erich Haider gelingt, die zur FPÖ übergelaufenen Wähler zurück zu holen. Bei den Nationalratswahlen konnte noch Wolfgang Schüssel fast die gesamte Ernte einfahren. Ändert sich diese Aufteilung, könnte sich das Spargelessen Alfred Gusenbauers mit dem blauen Haider ausgezahlt haben. ****

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