• 27.09.2003, 17:35:01
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der doppelte Haider" (Von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 28.09.2003

Graz (OTS) - Heute geht die Windstille zu Ende, die zuletzt in
der Innenpolitik geherrscht hat. Die Landtagswahlen in
Oberösterreich und Tirol werden die Landesfürsten als Sieger sehen,
wobei der eine größer werden und der andere kleiner bleiben dürfte.
Wichtiger wird aber sein, ob es auf den Plätzen drei und vier einen
Wechsel geben wird und welche Schlussfolgerungen die anderen
Parteien daraus ziehen.

In Tirol wird erwartet, dass der einstige Innsbrucker Bürgermeister
und nunmehrige Landeshauptmann Herwig van Staa die absolute Mehrheit
für die ÖVP zurück erobert. Seine Gegner haben es ihm leicht
gemacht. Der Schwiegersohn der Tiroler Legende Eduard Wallnöfer, der
seine politische Laufbahn als Rebell gegen die versteinerte
Bündewirtschaft in der Volkspartei begonnen hat, wurde zur
beherrschenden Figur des Landes, die neben sich keinen Konkurrenten
aufkommen ließ und auch keine unpassenden Themen duldete. Van Staa
hat gute Aussichten, ein besseres Ergebnis als Erwin Pröll in
Niederösterreich zu erzielen, was im schwarzen Machtgefüge wenig
verändert, aber die Eitelkeit des Doch-nicht-Bundespräsidenten
verletzen dürfte.

In Oberösterreich wird Josef Pühringer die schon in Griffweite
befindliche absolute Mehrheit wahrscheinlich verfehlen. Er wird
gewinnen, vielleicht sogar kräftig, aber doch nur der "kleine Sepp"
bleiben. Aus der Verstrickung in bundespolitische Themen hat sich
Pühringer, der im Land eine stolze Bilanz vorzeigen kann, nicht zu
lösen vermocht.

Was bringen die Wahlen sonst noch außer die mehr oder weniger
glanzvolle Bestätigung der regierenden Landeshauptmänner in ihren
Ämtern?

Die vordergründig wichtigste Frage ist, ob die Blauen sowohl in
Tirol als auch in Oberösterreich von den Grünen überholt werden.
Wenn die FPÖ in beiden Bundesländern, wo sie bei den letzten
Landtagswahlen mehr als 20 Prozent erhalten hat, auf unter zehn
Prozent absackt, dann steht Herbert Haupt als Parteiobmann vor der
Enthauptung. Paradoxerweise könnte ein totales Debakel seinen Kopf
retten, wenn nämlich Jörg Haider keine Chance mehr sieht, die Partei
wieder hoch zu ziehen und sich damit begnügt, die Kärntner
Eigenständigkeit zu leben.

Die längerfristig vielleicht interessantere Frage ist, ob es in
Oberösterreich dem roten Erich Haider gelingt, die zur FPÖ
übergelaufenen Wähler zurück zu holen. Bei den Nationalratswahlen
konnte noch Wolfgang Schüssel fast die gesamte Ernte einfahren.
Ändert sich diese Aufteilung, könnte sich das Spargelessen Alfred
Gusenbauers mit dem blauen Haider ausgezahlt haben. ****

OTS0049    2003-09-27/17:35

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