Österreichische Pharma-Industrie verliert Anschluss an Europa

Neue Studie belegt: Österreich ist Nachzügler bei Arzneimittelpreisen, -ausgaben und -verbrauch.

Wien (OTS) - Ein alarmierender Befund für die österreichische Pharma-Industrie - das ist das Ergebnis einer neuen Studie des IPF, des Instituts für Pharmaökonomische Forschung. Verglichen wurden die Arzneimittelmärkte von zwölf europäischen Ländern, nämlich Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Niederlande, Österreich, Portugal, Schweiz und Spanien. Die Resultate sind für die österreichische Pharma-Industrie alles andere als erfreulich.

Bei den Arzneimittelpreisen (Fabriksabgabepreis) liegt Österreich mit einem Durchschnittspreis von 8,33 Euro pro Packung nur an achter Stelle und deutlich unter dem europäischen Durchschnittspreis von 9,38 Euro. Zum Vergleich: In der Schweiz liegen die Preise für Medikamente durchschnittlich bei 13,76 Euro, in den Niederlanden bei 12,54 Euro und in Finnland bei 11,88 Euro. Rechnet man die Pro-Kopf Ausgaben auf Basis des Fabriksabgabepreises so fällt der Rückstand der heimischen Pharma-Industrie noch deutlicher aus: Hier rangiert Österreich mit Ausgaben von durchschnittlich 176,27 Euro pro Kopf überhaupt nur noch an zehnter Stelle (europäischer Schnitt: 203,07 Euro), allein die Niederlande und Spanien geben pro Kopf noch weniger für Medikamente aus als Österreich. "Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass die Klagen über die angeblich so hohen österreichischen Medikamentenpreise völlig unbegründet sind", erklärt Univ. Prof. Werner Clement, Vorstandsvorsitzender des IPF. "Ich würde mir wünschen", so Clement weiter, "dass die gesundheitspolitische Diskussion mehr auf Basis von Fakten als von Annahmen geführt wird, weil nur so die notwendige Effizienzsteigerung im Gesundheitswesen durchgeführt werden kann."

Auch beim Arzneimittelverbrauch liegt Österreich unter dem europäischen Durchschnitt: Verbraucht ein Europäer im Schnitt 23,37 Medikamentenpackungen pro Jahr (ein Franzose bringt es sogar auf 49,96 Packungen!), so nimmt sich der heimische Medikamentenverbrauch mit durchschnittlich 21,17 Packungen pro Kopf relativ bescheiden aus. Auch die Behauptung einer angeblichen Kostenexplosion bei Medikamenten wird durch die IPF-Studie klar widerlegt: Mit einem Anteil von 15,7 Prozent der Medikamente an den gesamten Gesundheitsausgaben liegt Österreich nämlich exakt im europäischen Durchschnitt. "Die Studie beweist, was wir immer schon gesagt haben, nämlich dass Österreich keineswegs ein Schlaraffenland für die Pharma-Industrie ist", betont Ulrich Bode, Präsident der Pharmig, Vereinigung pharmazeutischer Unternehmen. "Im Gegenteil: Österreich muss aufpassen, dass im Zuge der Gesundheitsreform nicht noch eine der wenigen Hoffnungsbranchen endgültig kaputtgespart wird."

Beim Marktwachstum sieht Bode seine Befürchtungen bestätigt:
Betrachtet man die letzten zehn Jahre, so liegt Österreich auch hier mit einem Mittelwert von 8,07 Prozent klar hinter dem europäischen Durchschnittswert von 8,42 Prozent. Pharmig-Präsident Bode: "Die Prognose ist nicht sehr gewagt: Durch den niedrigen Verbrauch und die niedrigen Preise wird die österreichische Pharma-Industrie noch weiter zurückfallen und bald Schlusslicht Europas sein. Für die österreichische Wirtschaft wäre das verheerend!"

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Sabine Völz
Leiterin Kommunikation, Mediensprecherin
Pharmig - Vereinigung pharmazeutischer Unternehmen
Tel.: 00 43 (1) 523 29 56/20
mobil: 00 43(0) 664/212 20 87
mailto: sabine.voelz@pharmig.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PHA0012