Waneck: 4. Schladminger Gesundheitsgespräche im Zeichen der Prävention

Prävention wird wesentlichsten Stellenwert in der Weiterentwicklung des Gesundheitssystems einnehmen – Westösterreicher leben länger als Ostösterreicher

Schladming, (BMGF/STS) – "Den wesentlichsten Stellenwert in der Weiterentwicklung des Gesundheitssystems wird die Prävention und Gesundheitsförderung einnehmen", sagte heute FP-Gesundheitsstaatssekretär Univ. Prof. Dr. Reinhart Waneck anlässlich der 4. Schladminger Gesundheitsgespräche, die heuer unter reger internationaler Beteiligung stattfanden. "Es gilt eine Gleichstellung der Prävention und Gesundheitsförderung mit der Kurativmedizin zu erreichen." *****

Wichtiger Bestandteil dabei, so Waneck, werde die Reform der Vorsorgeuntersuchungen sein. Derzeit werde gemeinsam mit dem Hauptverband und der Ärztekammer ein neues Vorsorge-Programm erarbeitet. "Das derzeitige System ist antiquiert und wird von der Bevölkerung nicht in ausreichendem Ausmaß angenommen", so Waneck. Auch entspreche das Spektrum der Untersuchungen, die durchgeführt würden, nicht mehr dem Stand der modernen Medizin.

In Zusammenarbeit mit Hauptverband und Ärztekammer solle daher auch klar definiert werden, wann welche Untersuchungen vorgenommen werden sollen und wann Folgeuntersuchungen zu empfehlen seien. Auf alle Fälle müsse bei dieser Reform der medizinische und technische Fortschritt berücksichtigt werden. Unbedingt in das Vorsorgeprogramm aufzunehmen seien etwa Krebs-, Haut- sowie Lungenuntersuchungen für Raucher. Zu bedenken seien auch geschlechterspezifische Unterschiede, so Waneck. Besonders wichtig sei aber die Motivierung der Österreicher zu einer Vorsorgeuntersuchung zu gehen. Hier bevorzuge er, Waneck, ein Bonus-System statt dem mehrfach diskutierten Bonus-Malussystem.

"Viele Gesundheitsstörungen, die heute in den Industriestaaten das Erkrankungsspektrum und die Todesursachen dominieren, stehen in enger Beziehung zu unserem Lebensstil", so Waneck. Dies habe zu einer Neubewertung des Stellenwertes gesundheitsschädigender beziehungsweise gesundheitsfördernder Lebensweisen geführt. Betrachte man die "vorzeitige Sterblichkeit", so werde das Gewicht chronischer Erkrankungen - und damit bedingter Risikofaktoren – noch gravierender. Zu diesen Einflussfaktoren zählen neben genetischen Dispositionen in erster Linie gesundheitsrelevante Lebensweisen wie Ernährung, Bewegung, Arbeit, Alkohol-, Zigaretten- und Drogenkonsum, sowie riskante und schädigende Verhaltensmuster, betonte Waneck. "Hier muss die Vorsorge ansetzen.", so Waneck.

Ein Viertel der gesamten Lebensgesundheit sei von erworbenen und chronischen Erkrankungen beeinträchtigt. Dabei gebe es ein Missverhältnis zwischen kurativer und präventiver Medizin, so Waneck. Darüber hinaus habe man sich bei den Gesundheitsgesprächen auf folgenden Maßnahmenkatalog geeinigt:

  • Intersektorale Kooperationen auch mit anderen Politikbereichen zur Unterstützung von Prävention und Gesundheitsförderung
  • Weiterentwicklung des Gesundheitswesens im Sinne von Prävention und Gesundheitsförderung
  • Neuorientierung und Bewerbung der Vorsorgeuntersuchung zur Erhöhung der Zahl der Vorsorgeuntersuchungen
  • Verstärkte Berücksichtigung von Gesundheitsförderung und Prävention in gesetzlich-vertraglichen Rahmenbedingungen und in nationalen / regionalen Infrastrukturen
  • Verstärkte Integration in Aus-, Fort- und Weiterbildung
  • Verstärkte Förderung von Entwicklung und Forschung
  • Entwicklung eines Vorsorgepasses analog zum Mutter-Kind-Pass auf EDV-Basis mit Recall-System (keine neue Zettelwirtschaft)
  • Verstärkte Funktion des Hausarztes als Betreuer und Berater
  • Zentrale Evaluierung von der Komplementärmedizin
  • Überprüfung der Chefarztaufgaben im Sinne einer serviceorientierten Gesundheitsberatung
  • Schaffung eines Center of Excellence für Schmerztherapie

Ziel müsse es sein, dass mehr Menschen beschwerdefrei älter werden. Großen Stellenwert maß Waneck der Entwicklung eines Gesundheitsbewusstseins in der Bevölkerung bei. "Wir müssen mehr Menschen dazu bringen Vorsorgeuntersuchungen – derzeit sind es 800.000 Personen – in Anspruch zu nehmen", betonte Waneck. Während immerhin 28 Prozent der Vorarlberger Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen, seien es in Niederösterreich als Schlusslicht nur 6,1 Prozent.

Dies entspreche auch dem ausgeprägten Ost-West-Gefälle beim Gesundheitsbewusstsein, so Waneck. Daraus resultiere auch, dass die durchschnittliche Lebenserwartung in Ostösterreich um 2 Jahre geringer sei als in Westösterreich. "Die höchste Lebenserwartung hat in Österreich eine junge, bewegungsaktive Frau aus Westösterreich, während ein inaktiver Mann über 50 aus Ostösterreich die kürzerste Lebenserwartung hat", fasste Waneck zusammen.

Der Grundsatz der Gesundheitspolitik müsse daher lauten: "Vorsorge vor Behandlung, ambulant vor stationär, Rehabilitation vor Pflege", schloss Waneck (bxf) mg.

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