Pflege zu Hause: LH Haider kritisiert zu hohen Selbstkostenanteil bei Beziehern niedriger Einkommen

40 Prozent Selbstbehalt soll nicht überschritten werden -Priorität soll "Pflege zuhause" haben - Pilotprojekt ab Oktober

Klagenfurt (LPD) - Die Pflege zu Hause ist oftmals zu teuer, der öffentlich behauptete Selbstbehalt von 40 Prozent treffe nicht zu, sondern werde oft stark überschritten, kritisierte heute Landeshauptmann Jörg Haider in einer Pressekonferenz und unterstrich die Intentionen zum Pflegemodell "Alt werden zu Hause". Derzeit müssten viele, die daheim gepflegt werden, zwischen 60 bis 80 Prozent ihres Einkommens aufwenden und dies, obwohl die Landesmittel für die drei wichtigsten Pflegedienstleister AVS (Arbeitsvereinigung der Sozialhilfe), Rotes Kreuz und Hilfswerk binnen weniger Jahre verdreifacht worden sind.

Was geschehe mit den Zuschüssen, die für qualitätssichernde Maßnahmen vorgesehen waren und von 3 Mio. Euro auf nunmehr 9 Mio Euro erhöht wurden, fragte der Landeshauptmann und forderte dringend Transparenz ein. Möglicherweise sei deren Verwaltung zu stark aufgebläht. Die sozialen Intentionen des Landes seien unterlaufen worden, so Haider.

Es müsse ein Recht auf leistbare Pflege zuhause geben, unterstrich der Landeshauptmann. Es dürfe keine Frage des Einkommens sein, ob jemand im Heim oder daheim in Pflege ist. Für jene, die nur rund 1000 Euro zur Verfügung haben, würde derzeit der Heimaufenthalt eher leistbar sein. Haider führte mehrere Beispiele an, die aufzeigten, dass nach Abzug der Aufwendungen für den Pflegebedarf nur mehr sehr wenig zum Leben übrig bleibe.

Ein Beispiel: Eine Frau mit einer Pension von 560 Euro und der Pflegegeldstufe 3 (413,50 Euro) hat ein Einkommen von 973,50 Euro. Wenn sie täglich für zwei Stunden eine diplomierte Krankenschwester braucht, kostet sie dies 870 Euro. Sie muss demnach 80 Prozent ihren Einkommens für die Hauskrankenhilfe ausgeben. Auch der Pflegezuschlag von 5,82 Euro gelte generell, sollte aber gestaffelt werden, so Haider.

Für Bezieher geringer Einkommen (bis rund 1200 Euro) schlägt der Landeshauptmann einen Sockel- bzw. einen Pauschalbetrag und damit eine Deckelung vor, wodurch der Selbstbehalt auf jeden Fall auf 40 Prozent gesenkt werden könne. Was die Pflegegelderhöhung anlangt, so müsse es hier zu Einvernehmen zwischen Bund und Ländern kommen. Die Erhöhung sollte jedenfalls zur Gänze den Pflegebedürftigen zugute kommen und nicht die Auswirkung haben, dass die Heimkosten ansteigen.

Der Landeshauptmann sagte, dass diese finanzielle Problematik in das Pilotprojekt "Alt werden zu Hause", das im Oktober in Kärnten startet und vom Bund bezahlt wird, einbezogen werden müsse. Grundsätzlich müsse die Pflege zuhause Priorität haben. Auch eine Schecklösung werde überlegt, so Haider. Mit ihr sollte gewährleistet werden, dass die Leistungen auch tatsächlich bei den Betroffenen ankommen.

Weiters fordert der Landeshauptmann, dass die Wohnbauförderung im Interesse der Pflege daheim abgeändert wird. So sollte es Unterstützungen für den Einbau von Liften und Balkonen geben. In wohnbaugeförderten Häusern sollten auch Pflegestationen fix vorgesehen werden, um Pflegebedürftige etwa in Wohnblocks gut versorgen zu können.

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