WKÖ fordert "Rat für Hochschulentwicklung" zur Anhebung der Akademikerquote

Landertshammer: Österreich braucht mehr Hochschulabsolventen, die sich ins wirtschaftliche Geschehen einbringen können - Reines Ausbildungs-Upgrading ändert dabei nichts

Wien (PWK612) - Angesichts der in Österreich vergleichsweise geringen Akademikerquote, wie die neueste OECD-Studie "Education at a Glance 2003" zeigt, sieht auch die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) Handlungsbedarf. Michael Landertshammer, Leiter der Abteilung für Bildungspolitik in der WKÖ, hält jedoch eine differenzierte Sicht für erforderlich. "Klar ist, dass der österreichische Arbeitsmarkt in Zukunft mehr Akademiker benötigt, wenn wir unsere Position im internationalen Wettbewerb halten und ausbauen wollen. Ebenso klar ist aber auch, dass nicht jeder Hochschulabsolvent im gleichen Umfang dazu beitragen kann, dieses Ziel zu erreichen. Was wir brauchen sind mehr Hochschulabsolventen, die sich wertstiftend ins wirtschaftliche und kulturelle Geschehen unseres Landes einbringen können."

Die Steigerung der Akademikerquote sei ein Vorhaben, dass nicht allein den Studienanbietern wie Universitäten und Fachhochschulen überlassen werden sollte, sondern das mit den Anforderungen von Wirtschaft und Gesellschaft abgestimmt werden müsse, meint Landertshammer. "Wir fordern daher die Einrichtung eines Gremiums, dem Vertreter der für die Akademikerbeschäftigung relevanten Gruppen angehören. Ein solcher, für alle Hochschulen zuständiger ‚Rat für Hochschulentwicklung‘ sollte die Ministerin sowie die einzelnen Hochschulen bei der koordinierten Weiterentwicklung der Studienangebote unterstützen."

Die WKÖ erwartet sich in Zukunft vermehrt Impulse für jene Studienangebote, die als Wegbereiter für Innovationen gelten können. Dabei gehe es vor allem um Schwerpunktsetzungen in technisch-wirtschaftlichen Fachrichtungen, so der Bildungsexperte. Benötigt werden Absolventen aus den Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie aus wirtschaftswissenschaftlichen Studien. In diesem Zusammenhang sollten auch im neuen Fachhochschul-Entwicklungs- und Finanzierungsplan die richtigen Vorgaben gemacht werden.

Kosmetische Eingriffe in die Bildungsstatistik, wie etwa durch Akademisierung der Pflichtschullehrerbildung oder bei Sozial-, Gesundheits- und Pflegeberufen, mögen bildungspolitisch sinnvoll sein, "ein reines ‚Upgrading‘ bewirkt aber letztendlich keine wirkliche Veränderung des Bildungswesens", betont Landertshammer. Gleiches gelte für den Bereich der berufsbildenden höheren Schulen, deren Absolventen zwar nicht als Akademiker gelten, in Arbeit und Beruf aber Aufgaben wahrnehmen, für die in anderen Ländern Hochschulabsolventen eingesetzt werden. Im Sinne des lebenslangen Lernens sei ein vermehrtes Angebot zur akademischen Nachqualifizierung von Ingenieuren und Handelsakademikern wesentlich wichtiger.

Ein weiteres Handlungsfeld zur Anhebung der Akademikerquote ist die Einrichtung spezieller Studienangebote für Berufstätige in Verbindung mit erweiterter Anerkennung bereits im Berufsleben erworbener Kompetenzen. Landertshammer: "Wenn unsere Universitäten zur Zeit eigene Zulassungsverfahren fordern, so erwartet sich die Wirtschaftskammer, dass dabei auch spezielle Verfahren für die Zulassung neuer Zielgruppen zum Hochschulstudium vorgesehen werden. Die nachhaltige berufliche Integration und die bedarfsorientierte Qualifikation sind zwei Indikatoren, die bei der Weiterentwicklung der Akademikerquote unbedingt berücksichtigt werden müssen." (Ne)

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