Generalinstandsetzung der Ohmannschen Wienflussbebauung

Erneuerung eines wohl einzigartigen Gesamtkunstwerks aus der Jugendstilepoche - Beginn 2001, Abschluss Frühjahr 2004

Wien (OTS) - Vielleicht nicht so im Blickpunkt der Öffentlichkeit wie die Arbeiten an der Reichsbrücke, betreibt die Stadt Wien über die MA 29 - Brückenbau und Grundbau (Geschäftsgruppe Stadtentwicklung und Verkehr) ein mehrjähriges Vorhaben, das vom kulturhistorischen Standpunkt aus ungemein wichtig ist, aber auch sehr spezielle bautechnische Erfordernisse aufweist: Die Generalinstandsetzung der im Jahr 1906 vollendeten Ohmannschen Wienflussbebauung zwischen dem Portalbau Johannesgasse und der Kleinen Ungarbrücke, zu beiden Seiten das Areal des Stadtparks (1./3. Bezirk). Der Mündungsbereich des Wienflusses zähle zu den bedeutendsten und baukünstlerisch wertvollsten technischen Bauwerken Europas. Die Anlage sei ein beeindruckendes Beispiel für das Zusammenspiel von Städtebau, Architektur und Gartenkunst, sie sei ein einzigartiges "Gesamtkunstwerk" aus der Zeit des Jugendstils, hält dazu Architekt Wehdorn fest, der als Generalplaner der mit dem Bundesdenkmalamt und der MA 19 - Architektur und Stadtgestaltung, abgestimmten Arbeiten fungiert. Die im Dezember 2001 begonnene Instandsetzung umfasst nicht nur das eigentliche Wienflussportal sondern auch den Portalbau an der Johannesgasse sowie die beidseitigen Promenaden einschließlich aller Treppenabgänge bis zur Kleinen Ungarbrücke. Die Fertigstellung der mit rund 4,7 Millionen Euro (rund 64 Millionen Schilling) veranschlagten Arbeiten ist für das Frühjahr 2004 vorgesehen.****

Die Verwirklichung des Gesamtprojekts einer Wienflussregulierung - beginnend bei den Rückhaltebecken in Weidlingau, endend beim Donaukanal - erfolgte nach einem 1892 von der Stadt Wien gefassten Grundsatzbeschluss dann abschnittsweise in den Jahren 1894 bis 1899. Gleichzeitig mit dem Baubeginn im Mündungsbereich war Architekt Rudolf Krieghammer vom Wiener Stadtbauamt mit der architektonischen Beratung betraut worden, er starb aber bereits 1898. Noch im selben Jahr wurde Architekt Friedrich Ohmann bestellt, der dann seinerseits 1900 den Architekten Josef Hackhofer (1868 Wolfsberg - 1917 Wien) als Mitarbeiter holte. Ohmann (1858 Lemberg - 1927 Wien) hatte an der (damals) Technischen Hochschule und der Akademie der bildenden Künste in Wien studiert, an der er ab 1904 als Professor wirkte. Er galt als Vertreter eines gemäßigten, teils noch den späthistoristisch-barocken Traditionen verpflichteten Jugendstils (nach Andreas Lehne "Jugendstil in Wien"); von 1899 bis 1907 leitete er übrigens auch den Bau der Neuen Wiener Hofburg. Das prinzipielle Konzept mit den Terrassen und Pavillons war noch von Krieghammer erstellt worden, es war auch für seine Nachfolger bindend.

War die Ausgestaltung ursprünglich viel prunkvoller - unter anderem mit wasserspeienden Elefanten und einem Schleierwasserfall -geplant worden, verhinderte Geldknappheit diese Realisierungsform. Mit der Ausführung eines vereinfachten Projekts wurde schließlich im Jänner 1903 begonnen und gleichzeitig die Architekten mit der Detailplanung beauftragt. Die weiteren Schritte: Vorliegen der Detailpläne im Oktober 1904, Abschluss der Bauarbeiten im Mai 1906, Öffnung der Stiegenanlagen im November 1906 - seit dieser Zeit hat sich das Bauwerk im Wesentlichen nicht mehr verändert. Dazu seitens der Bauleitung der MA 29, TAR Ing. Joachim Hirsch: " Es werden die beschädigten Bauteile rekonstruiert, es handelt sich dabei um reine Zeitschäden, glücklicherweise um keine Kriegsschäden, die Originalität wird erhalten. Die meisten Teile werden in Steinmetzarbeit neu hergestellt, es sind aber sogar Zimmererarbeiten notwendig, etwa bei der Herstellung der Rankgerüste und der Bänke. Da noch ein Original im Museum der Stadt Wien gefunden werden konnte, werden auch die fehlenden Vasen im Bereich der Promenade - die seinerzeit aus Keramik waren - mittels Betonabgüssen ersetzt. Erste Erfolge der Arbeiten sieht man bereits, etwa die Pavillons und die Balustrade auf der Stadtparkseite. Durch die Behutsamkeit und Gewissenhaftigkeit bei der Instandsetzung dauert diese so lange wie seinerzeit die Errichtung. Sehr entscheidend für die Herstellung des Originalzustandes ist die Qualität der Bestandspläne, Architekt Wehdorn hat in Archiven und im Museum der Stadt Wien komplette Planunterlagen gefunden".

Grundlinie bei den Arbeiten ist die Generalinstandsetzung eines Steinbauwerks nach wissenschaftlichen und denkmalpflegerischen Kriterien, wobei zuerst einmal jene Schäden zu beheben waren, die durch die statische Setzung aufgrund der Fundamentierung im Flussschotter und mangelnde oder überhaupt fehlende Feuchtigkeitsabdichtungen entstanden sind. Betroffen waren vor allem die gesamte obere Stützmauer mit den Balustraden, die beiden Pavillons und die in den Stützmauern integrierten Räume. Neben Aussinterungen und Absandungen der Oberflächen der größtenteils verwendeten Leithkalke aus Mannersdorf führten auch starke Verwurzelungen des Bewuchses zu Fugenbildungen. Erst nach dem Abschluss dieser Arbeitsschritte konnte an die eigentlichen Restaurierungsarbeiten gegangen werden. Es war und ist auch der Einsatz zahlreicher Spezialisten erforderlich, die mit Liebe zum Detail tätig sind, etwa bei Metalltreib- und Bronzegussarbeiten, eisernen und hölzernen Rankgerüsten, Terrazzo-Oberflächen bei den Freitreppen und Bassins, Instandsetzung der künstlerisch gestalteten Putze ("Kammputzflächen").

Abgerundet werden diese vielschichtigen Maßnahmen durch die komplette Erneuerung der technischen Infrastruktur bei Elektrizität, Wasser und Abwasser. Hirsch weist hier insbesondere auf die Verbesserung der Oberflächenentwässerung und entsprechende Drainagen hin, waren doch viele Schäden durch das Wasser entstanden. Weitere wichtige Punkte bei der Instandsetzung bilden die Erneuerung der Promenadenbeleuchtung - in Form der alten Ringstraßenlaternen - sowie die Wiederinbetriebnahme der beiden Brunnenanlagen bei den geschwungenen Stützmauern. Das Vorhaben, die Ohmannsche Wienflussbebauung in den Originalzustand zu versetzen, erfordert ein sensibel abgestimmtes Zusammenwirken Vieler und höchstrangige Fachkompetenz: Bauherr ist der Magistrat der Stadt Wien, MA 29 -Brückenbau und Grundbau (Projektbetreuung TAR Ing. Joachim Hirsch). Als Generalplaner fungiert Architekt Univ.Prof. Dr.techn. DI Manfred Wehdorn (Projektleitung DI Andreas Call, Bauaufsicht Ing. Thomas Cortolezis), dessen Büro auch die Grundlagen für einen übersichtlichen handlichen Folder beisteuerte. Für das Bundesdenkmalamt ist DI Dr. Bruno Maldoner befasst, die Statik lieferte AXIS - ZT GmbH Ingenieurleistungen DI Kurt Traxler (Projektleitung DI Andreas Hierreich). Den Bauführer schließlich stellt die Bauunternehmung PORR - Technobau und Umwelt.

Allgemeine Informationen:

o Wiener Brückenbau und Grundbau (MA 29):
http://www.wien.at/ma29/

(Schluss) pz

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