Knoll: Einsetzen für eine gerechte Welt von morgen

ZUK-Buchpräsentation: "Die neuen Herrscher der Welt und ihre Widersacher" von Jean Ziegler

Wien (SK) Als "messerscharfe Analyse eines mutigen Quer- und Vordenkers" bezeichnete Gertraud Knoll, Leiterin der Zukunfts- und Kulturwerkstätte im Rahmen einer Buchpräsentation das Werk "Die neuen Herrscher der Welt und ihre Widersacher" des Schweizer Soziologen Jean Ziegler. Das Buch sei ein Plädoyer für Zivilcourage und das Einsetzen für eine gerechte Welt von Morgen - "ein Profil, das auch auf die Zukunfts- und Kulturwerkstätte anzuwenden sein wird", so Knoll. In Bezug auf die derzeitige Weltordnung erklärte Ziegler, dass diese "mörderisch und absurd" sei - "Wer Geld hat isst und lebt, wer keines hat wird verstümmelt und stirbt". Große Hoffnungen gegen die Ungerechtigkeiten dieser Weltordnung seien jedoch in die "planetarische Zivilgesellschaft" zu setzen. ****

Als "menschenverachtenden Skandal" identifizierte Knoll das Motto des Neoliberalismus, dem auch die derzeitige österreichische Bundesregierung folgt: "Wenn du abcasht gehörst du zu den Gewinnern, wenn du das nicht tust, hast du halt Pech gehabt." Die "Mächtigen dieser Welt" erwarten, laut Knoll, "brave Untertanen, statt selbstbestimmte und mündige Menschen, die sagen jetzt reicht's". Eine bessere und gerechtere Welt benötige daher "Menschen, die dem eisigen Wind, der ihnen entgegenweht standhalten und die Menschenrechte als Sprache der Verständigung benutzen".

Die Aussagen von Bildungsministerin Gehrer zur Wertediskussion entlarvte die Leiterin der ZUK als "zynische Fehleinschätzung der Jugend". Schließlich wüssten die jungen Menschen, dass sie ein Recht auf eine andere Welt haben. Die Tatsache, dass die Jugendlichen "den Mächtigen etwas pfeifen" sei gut, dass es eine "Neuauflage von David gegen Goliath gibt ist großartig", erklärte Knoll in Bezug auf das Engagement in der globalisierungskritischen Zivilgesellschaft. Knoll:
"Diese jungen Leute haben ein Recht auf Hoffnung."

"Im Zuge der Globalisierung haben sich unglaubliche Reichtümer angehäuft, aber gleichzeitig steigen auch die Leichenberge durch Hunger, Durst, Epidemien und Krieg", stellte Jean Ziegler klar. Alle sieben Sekunden sterbe ein Kind unter zehn Jahren an Unterernährung, und das obwohl die weltweite Agrarproduktion zwölf Milliarden Menschen mit Nahrungsmittel versorgen könnte. Ziegler: "Es ist eine globalisierte Diktatur des Finanzkapitals entstanden - es bildet sich eine negativ dynamische Ungleichheit unter Menschen heraus, die den Bedürfnissen der Majorität der Erdbevölkerung diametral entgegensteht."

"Diese menschengemachte Herrschaftsstruktur kann jedoch wieder von Menschen umgeworfen werden", führte Ziegler weiter aus. Wie das Welt-Sozial-Forum in Porto Allegre gezeigt habe, bildeten sich in den letzten Jahren eine Vielzahl von zivilgesellschaftlichen Organisationen gegen die "Auswüchse des Neoliberalismus". Die Leute in diesen Gruppierungen hätten "keine andere gemeinsame Sprache als die des Widerstandes". "Diese Menschen handeln nicht aufgrund einer Ideologie, sondern auf Basis menschlicher Moral", so Ziegler und appellierte: "Es gibt keine Entschuldigung für das Nichtstun und die Lethargie - jeder aufgeklärte Mensch sollte sich an dieser Bewegung beteiligen."

Als das größte Problem im "Kampf gegen die Oligarchen des Finanzkapitals", sei deren Unsichtbarkeit zu nennen, so Ziegler. Schließlich erscheine das Herrschaftssystem des Neoliberalismus als ausgesprochen intransparent - "Wer weiß schon, welche Person sich hinter einem Fonds versteckt hält." Der Soziologe deutlich: "Durch die Börsenspekulationen mit Agrargütern werden tausende Menschen getötet, aber die Hand, die tötet, ist nicht sichtbar." (Schluss) dp

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