"Die Presse" Glosse: "Schadenfreude hilft Irakern nicht" (von Burkhard Bischof)

Ausgabe vom 15.9.2003

Wien (OTS) - Schadenfreude war in der internationalen Politik noch nie eine kluge Strategie. Tag für Tag hören die Amerikaner von den Irak-Kriegsgegnern in aller Welt angesichts ihrer mannigfachen Probleme, die sie sich als Besatzungsmacht im Zweistromland eingehandelt haben: "Ätsch, wir haben es euch doch immer gesagt!" In einer deutschen Illustrierten wird US-Präsident Bush hämisch als "Großmaul" porträtiert, das zum "Bittsteller" geworden sei.
Und was soll der ganze Hohn bringen? Er bringt jedenfalls ganz bestimmt den Irakern nichts, die sich nach dem Sturz des Saddam-Regimes eine Verbesserung ihres Alltags erwartet und erhofft haben. Eine Verbesserung, die die US-Besatzungsmacht bisher tatsächlich nicht zustande gebracht hat, weil sie ohne ein den irakischen Verhältnissen angepasstes Nachkriegskonzept in diesen Waffengang gezogen ist.
Washington hat diesen Fehler mittlerweile eingesehen. Deshalb sucht es vermehrt internationale Unterstützung, deshalb ist es bereit, der UNO nun doch eine wichtige Rolle einzuräumen. Diese Einladung der USA, auch wenn sie spät kommt, sollte genützt werden. Es geht schließlich um die Zukunft des Irak und seiner Menschen, nicht um weltpolitische Besserwisserei. Der jüngste französische Vorschlag, der darauf hinausläuft, dass die Amerikaner alles stehen und liegen lassen und sich so rasch wie möglich vertschüssen, war so gesehen tatsächlich alles andere als produktiv.

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