Schwere Verletzungen und tödliche Unfälle bei Fensterstürzen

Stürze von nicht gesicherten Fensterbänken und Balkonen sind bei Kindern häufiger als man glaubt. Nicht immer haben Kinder einen "Schutzengel".

Wien (OTS) - Jedes Jahr sind rund 20 Stürze von Kindern aus dem Fenster zu beklagen. Erst kürzlich gab es mehrere Fälle, bei denen Kleinkinder in die Tiefe gestürzt sind. So kam es zum Beispiel in Oberösterreich zu einem Unfall, wo ein dreijähriger Bub auf die Holzquerverstrebungen eines Balkons kletterte, das Gleichgewicht verlor und von dort über vier Meter tief auf die Wiese unter dem Balkon abstürzte. Das Kind wurde mit schweren Kieferverletzungen und dem Verdacht auf einen gebrochenen Oberschenkel in die Kinderklinik eingeliefert. Aber auch ein tödlicher Unfall ereignete sich bereits im heurigen Jahr. Anfang des Jahres stürzte ein eineinhalbjähriger Bub aus Wien aus zwölf Meter Höhe aus dem Fenster.

Aufstiegshilfen entfernen
Zwei- bis dreijährige verblüffen Eltern und Aufsichtspersonen oft mit ungeahnten Fähigkeiten. "Kinder sind in der Lage, Tische, Sofas oder Sessel ans Fenster oder zur Balkonbrüstung zu schieben und als Aufstiegshilfe zu benützen. So gelangen sie auf Fensterbänke, Vordächer, Balkonbrüstungen oder Balkongeländer. Mit etwas Geschick schlüpfen sie auch durch Balkongitter, wenn deren senkrechte Stäbe weiter als zwölf Zentimeter voneinander entfernt sind. Da ihnen Eltern diese Fähigkeit oft noch nicht zutrauen, sind die meisten Kinder zum Unfallzeitpunkt allein oder zumindest für einen Augenblick unbeaufsichtigt", so Dr. Rupert Kisser, Leiter des Instituts "Sicher Leben" besorgt.

Natürliche Neugier und mangelndes Gefahrenbewusstsein
Verbote und Erklärungen sind notwendig, können Kleinkinder aber nicht zuverlässig schützen, da die Gefahr in diesem Alter noch nicht verstanden wird. Kisser: "Kinder sind neugierig und wollen wie die Großen sehen, was außerhalb der Wohnung passiert. Sicherlich ist es wichtig, auf die Kinder aufzupassen und seiner gesetzlichen Aufsichtspflicht nachzukommen. Trotzdem kann es im Alltag immer wieder zu Momenten kommen, in denen die Kinder unbeobachtet sind. Deshalb sind Fenster und Balkontüren unbedingt mit Fenstersperren, versperrbaren Fenstergriffen oder Kindergittern zu sichern, falls solche Kindersicherungen noch nicht vorhanden sind. Dann kann man sich als Elternteil auf die wirklich kritischen Situationen konzentrieren."

Balkone und Fenster unbedingt absichern
-) Gute Kindersicherungen verhindern nicht nur, dass Fenster weiter als zehn Zentimeter geöffnet werden können, sondern auch das Schließen: Dadurch können sich die Kleinen nicht die Finger einklemmen, wenn sie das Fenster zudrücken. Am besten sind Sperren, die bereits in den Fenstergriff integriert und mit einem Schlüssel zu öffnen sind. Aber auch der nachträgliche Einbau von Kindersicherungen ist kein Problem: Bei der Montage wird eine Schiene am Fensterrahmen angebracht, in die am Fensterflügel montierte Haken oder Ketten einrasten. Durch einen Mechanismus, der nicht von Kinderhand betätigt werden kann, kann die Sicherung entriegelt werden. Fenstersicherungen sollten grundsätzlich verschraubt und am oberen Ende der Fenster, also zur Sicherheit außerhalb der Reichweite der Kinder, montiert werden. Können sie bei bestimmten Kunststoff- und Aluminiumfenstern nicht angeschraubt werden, sollte man auf Modelle zurückgreifen, die geklebt werden.
-) Für Kinderzimmer empfiehlt sich auch ein Kindergitter, das vom Schlosser angepasst wird. Damit kann das Fenster komplett geöffnet werden.
-) Balkongitter dürfen keine Querlatten haben, dass die Sprösslinge nicht an ihnen hochklettern können.
-) "Sicher Leben" fordert seit Jahren, dass Fenstersperren und kindersichere Balkone in den österreichischen Bauordnungen verpflichtend vorgeschrieben werden. Dann würden sich die Eltern den nachträglichen Ein- oder Umbau ersparen.
-) Leicht bewegbare Gegenstände wie Tische oder Sessel müssen aus dem Fensterbereich oder von Balkonen verbannt werden.
-) Besondere Aufmerksamkeit muss Kindern beim Stoßlüften geschenkt werden - wenn die Fenster ganz geöffnet sind!

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Institut Sicher Leben
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