Prets: Anti-Diskriminierung ist europäisches Kernthema

Versicherungen und Medien müssen sich der Diskussion stellen

Wien (SK) "Diskriminierung von Frauen außerhalb des Arbeitsplatzes ist auf europäischer Ebene ein Top-Thema. Das hat das gestrige Hearing im Europäischen Parlament in Brüssel gezeigt." Auf Initiative von Christa Prets, SPÖ-Europaabgeordnete und Mitglied im Ausschuss für die Rechte der Frau und Chancengleichheit, hatten namhafte Experten aus Wirtschaft und Politik, darunter auch die zuständige EU-Kommissarin Anna Diamantopoulou, Gelegenheit zu einem intensiven Meinungsaustausch. "Das große Medien- und Publikumsinteresse hat gezeigt, dass wir in der EU zu diesem Thema noch enormen Diskussionsbedarf haben." ****

Nach den heftigen Reaktionen auf den ersten inoffiziellen Richtlinien-Vorschlag von Kommissarin Diamantopoulou im Juni dieses Jahres ist für Prets klar, "dass wir gerade im Bereich Versicherungen erst am Beginn eines langen Weges stehen." Dabei, so Prets, seien die Kritikpunkte am Status quo sehr fundiert und stichhaltig. "Unterschiedlich hohe Versicherungs-Prämien für Frauen und Männer stellen eindeutig eine Diskriminierung dar." Die statistisch höhere Lebenserwartung von Frauen und die im Versicherungsjargon als Risiko bezeichnete Möglichkeit einer Schwangerschaft seien jedenfalls keine Rechtfertigung.

"Abgesehen davon, dass sich die Lebenserwartung von Frauen und Männern in den nächsten 30 Jahren stark annähern wird und Schwangerschaft in Zeiten des Geburtenrückgangs belohnt und nicht bestraft werden sollte, geht es hier schlicht und ergreifend um gesellschaftliche Solidarität. Dazu müssen auch Männer ihren Beitrag leisten!"

Neben politischen Vorgaben setzt die Europaabgeordnete hier vor allem auch auf den Druck durch die Konsumenten. "Wenn der Staat immer mehr die private Selbstvorsorge propagiert, so wird auch die Frage nach der Gleichbehandlung zunehmend wichtig werden. Im Moment wissen viele Versicherungsnehmerinnen ja gar nicht, dass sie gegenüber Männern ungleich behandelt werden. Hier werden wir seitens des EP ganz stark auf Information und Aufklärung setzen. Die Frage nach dem günstigsten Angebot für Frauen muss zu einem Standard-Kriterium bei der Auswahl der Versicherung werden."

"Schwer ausrottbare Missverständnisse" orten Prets bei der Frage, ob eine künftige Antidiskriminierungs-Richtlinie auch entsprechende Vorgaben für die Medien enthalten soll. Denn in der Regel werde hier sofort lautstark das Zensur-Argument ins Spiel gebracht. "Das ist eine absichtliche Verdrehung der Tatsachen. Medienfreiheit ist ein hohes Gut, an dem niemand rütteln will. Aber auch der respektvolle Umgang mit Frauen ist ein hohes Gut." Es sei inakzeptabel, dass jede Art von beleidigender Darstellung von Frauen achselzuckend zur Kenntnis genommen wird. Prets: "Es hat doch nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, wenn es etwa bei Sportübertragungen mitunter zu sexuellen Anspielungen und Anzüglichkeiten kommt, die sich bei Männern niemand erlauben würde." Deshalb plädiere ich - wie in der Fernsehrichtlinie vorgeschlagen - für eine kontrollierte Selbstregulierung der Medien und für behutsame Rahmen-Vorgaben." Denn schließlich, so Prets abschließend, sei Anti-Diskriminierung ein gesellschaftliches Anliegen. "Es geht daher nicht um eine Auseinandersetzung zwischen Frauen und Männern, sondern schlicht um einen fairen Ausgleich der Interessen." (Schluss) ns/mp

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