KORRIGIERTE NEUFASSUNG DER OTS0038 von heute: Der österreichische Rechnungshof trauert um den verstorbenen Präsidenten Dr. Tassilo Broesigke

Rechnungshofpräsident Fiedler würdigt die hervorragenden Verdienste um die öffentliche Finanzkontrolle und die unerschütterliche Standfestigkeit seines Vorgängers

Wien (OTS) - Die traurige Nachricht vom unerwarteten Ableben des früheren Präsidenten des Rechnungshofes, Dr. Tassilo Broesigke, hat den Rechnungshof tief getroffen. Die aufrichtige Anteilnahme des Rechnungshofes gilt jetzt der Familie des verstorbenen Präsidenten. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Rechnungshofes, die den Vorzug hatten, mit ihm zusammenarbeiten zu dürfen, wird er als Mensch und als Präsident des Rechnungshofes stets ein unvergessliches Vorbild bleiben.

Verdienste um die Republik hat sich Broesigke in zahlreichen Funktionen erworben. Ehe er am 1. Juli 1980 sein Amt als Präsident des Rechnungshofes antrat, hatte sein Leben bereits viele Stationen durchlaufen: seit 1953 als Bezirksrat, seit 1959 als Gemeinderat und Landtagsabgeordneter, seit 1963 (mit einer Unterbrechung) als Abgeordneter zum Nationalrat. Auf parlamentarischem Boden profilierte sich Broesigke als Justiz- und Budgetsprecher seiner Partei.

Die zwölf Jahre der Präsidentschaft Broesigkes im Rechnungshof haben die öffentliche Finanzkontrolle Österreichs, der er als Generalsekreträr der Internationalen Organisation der Obersten Rechnungskontrollbehörden (INTOSAI), des weltweiten Dachverbandes der Rechnungshöfe, auch international zu hohem Ansehen verhalf, nachhaltig geprägt.

Broesigke war davon überzeugt, dass "Prüfen den vollen Einsatz höchstqualifizierter, gut geschulter und fortbildungsfreudiger Kräfte" erfordert, und stellte an die Prüfer hohe fachliche und persönliche Anforderungen, wie schnelle Auffassungsgabe, gutes Organisationsverständnis, analytische und logische Denkfähigkeit, Abstraktions- und Kombinationsvermögen, wirtschaftliches Verständnis, Fähigkeit zu konstruktiver Kritik sowie klares sprachliches Ausdrucksvermögen, vor allem aber absolute Integrität.
Die Berichterstattung des Rechnungshofes an den Nationalrat wurde von ihm um die Hauptprobleme der öffentlichen Finanzkontrolle und um von einzelnen Prüfungsfällen losgelöste, allgemeine Prüfungsaussagen von grundsätzlicher Bedeutung erweitert. Außerdem werden seit seiner Funktionsperiode die unerledigten Anregungen des Rechnungshofes hartnäckig verfolgt. Broesigke hat aber auch im Sinn eines modernen Wissensmanagements dafür gesorgt, dass die Erkenntnisse aus der Prüfungstheorie und die Erfahrungen aus der Prüfungspraxis weitergegeben werden, und ließ im Oktober 1991 mit dem "Handbuch der öffentlichen Finanzkontrolle" einen Arbeitsbehelf für den Prüfdienst erstellen.

Seine Ära als Präsident des Rechnungshofes wurde durch eine Reihe kontroversieller Prüfungsfälle wie beispielsweise AKH Wien, VOEST-Spekulationen im Ölgeschäft, Milchwirtschaftsfond, ASTAG, Förderungsfall Zellstoff Villach oder die Arbeitsmarktförderung, geprägt. Sein Eintreten für die Anliegen der Bediensteten des Rechnungshofes fand in seiner Forderung nach deren leistungsgerechten Besoldung im Interesse der Rekrutierung hochqualifizierter Prüferinnen und Prüfer und damit einer erfolgreichen Gebarungskontrolle seinen sinnfälligen Niederschlag.
Bei seinem Ausscheiden aus dem Rechnungshof am 30. Juni 1992 hinterließ er ein wohlbestelltes Haus.

Mit Dr. Tassilo Broesigke verliert die öffentliche Finanzkontrolle einen ihrer hervorragendsten Vertreter, der als Generalsekretär der INTOSAI die internationale Entwicklung der Rechnungs- und Gebarungskontrolle durch die Gründung regionaler bzw. fachlicher Arbeitsgruppen wie der ARABOSAI (Organisation der Arabischen Obersten Rechnungskontrollbehörden) oder der EUROSAI (Organisation der Europäischen Obersten Rechnungskontrollbehörden) bzw. des Komitees für EDV-Prüfungen oder für die Prüfung von Staatsschulden förderte.

Die Fährnisse des Lebens und die Last der Verantwortung in so vielen bedeutenden öffentlichen Funktionen haben es ihm nicht immer leicht gemacht. Seine Standfestigkeit, mit der er kompromisslos für die Unabhängigkeit des Rechnungshofes als wichtigste Voraussetzung für dessen objektive Prüfungstätigkeit eintrat, war Ausdruck seiner Charakterstärke und des unerschütterlichen Bewusstseins, auf der Seite von Recht und Gesetz zu stehen, was ihm als Juristen im besten Sinne des Wortes absolute Verpflichtung war. Für seine hervorragenden Leistungen und Verdienste wurden Broesigke höchste in- und ausländische Auszeichnungen verliehen.

Der österreichische Rechnungshof und die INTOSAI werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren, betont Präsident Fiedler.

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