ÖGB-NÖ-Vorstandssitzung: Vorbereitungen für die Herbst-Lohnrunde

Staudinger kündigt harte Verhandlungen an

Wien (ÖGB). In der Vorstandssitzung des ÖGB Niederösterreich wurde den Vorbereitungen für die Herbst-Lohnrunde breiter Raum gewidmet. "Wir wollen den Menschen vor Augen führen, dass sich die bedingungslose Akzeptanz des neoliberalen wirtschaftspolitischen Kurses kontraproduktiv auf die österreichische Wirtschaft auswirkt", betont der Vorsitzende des ÖGB-NÖ Josef Staudinger. Es wäre aus volkswirtschaftlicher Sicht zu wenig, die menschliche Arbeitskraft auf einen reinen Kostenfaktor zu reduzieren. Ein essentieller Faktor für die hochentwickelte Volkswirtschaft Österreichs wäre die Lohnpolitik.++++

Lohnstückkosten stark gesunken

Österreich war im Jahr 2002 innerhalb der EU das Schlusslicht bei Lohnerhöhungen, obwohl Österreichs ArbeitnehmerInnen in den letzten Jahren besonders produktiv gearbeitet haben. In Industrie und Gewerbe wird pro Arbeitsstunde jährlich um 4,6 Prozent mehr produziert. Die Lohnstückkosten sind in keinem anderen Industrieland der Welt so stark gesunken wie in Österreich. Trotz der internationalen Konkurrenzfähigkeit befindet sich Österreich seit drei Jahren in der Wirtschaftskrise und die Arbeitslosigkeit steigt. "Diese Krise ist hausgemacht, die Schwächung der ArbeitnehmerInnen und wirtschaftspolitische Fehler führten zu einer schwachen Inlandsnachfrage und in Folge dessen zu geringem Wirtschaftswachstum", kritisiert Staudinger. Die inländische Nachfrage ist von 2001 auf 2002 von -0,1 Prozent auf -1,1 Prozent gefallen. Ohne die Nettoexporte wäre Österreich in einer schweren Rezession.

Massenkaufkraft geschwächt

Eine Wirtschaftspolitik, die tief in die Taschen der ArbeitnehmerInnen greift, schwächt die Kaufkraft, sinkende Kaufkraft bedeutet sinkendes Wirtschaftswachstum. "Österreichs ArbeitnehmerInnen verdienen heute netto weniger als im Jahr 2000", gibt Staudinger zu bedenken. Der Konsum der privaten Haushalte beträgt fast 57 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Tausende Betriebe und Arbeitsplätze sind von der Massenkaufkraft abhängig. Staudinger warnt weiters davor, dass durch die Pensionsreform die Menschen zum Angstsparen neigen. Der Konsum wird dadurch noch weiter abnehmen und die Arbeitslosigkeit weiter ansteigen.

Verteilungsneutrale Lohnpolitik

Die traditionelle jährliche Lohnerhöhung wurde aus den Inflations-und Produktivitätswerten errechnet. Dadurch wurde die Verteilung zwischen UnternehmerInnen und ArbeitnehmerInnen nicht geändert, beide Seiten konnten gleichermaßen profitieren. "In den letzten Jahren wurde dieser Weg nicht mehr eingehalten. Dadurch ist die Lohnquote stetig gesunken", so der Gewerkschafter. Die Verhandlungen stützen sich auf die Inflationsprognosen. Diese wurde bei den Herbstlohnrunden der letzten Jahre häufig unterschätzt, besonders signifikant die Differenz zwischen der Prognose für das Jahr 2001 mit 1,5 Prozent und dem tatsächlichen Wert von 2,7 Prozent.

Lohnsteigerung bedeutet Beitragssteigerung

"Der Lohnabschluss ist von maßgeblicher Bedeutung für die Finanzierung unseres Sozialsystems. Eine Lohnsteigerung ist dringend notwendig, weil sie eine Steigerung der Beiträge bedeutet, die unser Pensionssystem, Gesundheitssystem, Arbeitslosenversicherung usw. finanzieren", kündigt Staudinger harte Verhandlungsrunden an.

(Schluss) sk

ÖGB, 11. September 2003
Nr. 741

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