"Kleine Zeitung" Kommentar: "Amerikas Allmachtsfantasien vergifteten Europas Mitgefühl" (Von Günter Lehofer)

Ausgabe vom 11.09.2003

Graz (OTS) - Zwei Jahre nach dem New Yorker Urknall: Die Angst blieb, der Terror auch.

Der Riss läuft weiter durch die Welt und füllt sich
beständig neu mit Blut und Tod. Seit dem Terror vom 11. September 2001 hat die Welt für lange Zeit ein anderes Gesicht bekommen. Zu Atomwaffen, Armut, Hunger, Bürgerkriegen kam der weltweite Terror als Drohung gerade für die reichere Welt. Der Drohung folgten viele Terroranschläge.

Der Wahnsinn hat Methode. Für die moslemisch geprägten Terroristen ist der Westen der Todfeind, gegen den alle Mittel der Gewalt geboten sind. Da auch die übergroße Mehrheit der Moslems den Terror verurteilt, geraten auch die gemäßigten Moslems immer wieder ins Visier der Terroristen. Ein fanatisches Netzwerk von Kleingruppen durchzieht die Welt. Die Terroristen finden genügend Helfer und Finanziers.

Die Abwehrmaßnahmen wurden unter der Leitung der USA energisch organisiert. Die Staaten der Welt stellten sich solidarisch gegen den Terror. Das war und ist eine gute Stunde der Welt nach dem 11. 9. 2001. Aber in der Praxis bröckelte die grundsätzliche Solidarität. Die USA konnten der Versuchung nicht widerstehen, ihre neue Führerrolle gegen den Terror für ihre ganz eigenen Weltmachtfantasien zu missbrauchen. Auch Europas Mitgefühl wurde davon vergiftet.

Viele Staaten nützten die Chance, um ihre Gegner zu Terroristen zu erklären und so freie Hand in der Bekämpfung zu haben. Das taten die Israelis mit dem Palästinensern, Putin mit den Tschetschenen und eine ganze Anzahl mehr. Außerdem ließ sich auf Dauer nicht vertuschen, dass oft des einen Terrorist der Liebling des anderen ist. Staaten haben Interessen, auch wenn es um den Kampf gegen den Terrorismus geht.

Mit einem Abwehrnetz aus noch mehr Kontrolle, noch mehr Geheimdienstarbeit, noch mehr Geld fürs Militär wurden die Chancen der Terroristen zweifellos verringert. Aber es stieg auch der Preis an Freiheit, den die einzelnen Bürger zahlen müssen. Sie müssen mehr Überwachung dulden als zuvor. Da steht die Welt jetzt, zwei Jahre nach dem Urknall von New York.

Die Hoffnung, den Terror einfach vernichten zu können, hat sich verflüchtigt. Wir werden noch viele Jahre mit ihm leben müssen. Dennoch hat der Terror die schwächeren Karten. Er bietet auch jenen Menschen, die ihn unterstützen, keine Chance auf ein besseres Leben. Der Terror ist die blutige Sackgasse, nicht der Ausweg für viele ungelöste Probleme der Welt.

So bleibt, mit Augenmaß Widerstand zu leisten, auf allen Ebenen:
militärisch, politisch, geistig, überhaupt. ****

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